Von Christiane Agüera Oliver Mittleres Kinzigtal. Die grün-rote Landesregierung plant, den Freiwilligen Polzeidienst, bei dem Ehrenamtliche die Polizei unterstützen, abzuschaffen. Eine der letzten Vertretrerinnen hat der SchwaBo bei einer Streife in Wolfach begleitet.Bei Tina Moser geht es in der fünften Jahreszeit turbulent zu. Nicht weil die 42-jährige Mutter von zwei Kindern besonders närrisch unterwegs ist. Oder weil sie als Schulsekretärin am Hausacher Robert-Gerwig-Gymnasium in diesen Ferien besonders viel zu tun hat. Nein, sie ist anderweitig im Einsatz. Denn Moser ist eine von sechs Freiwilligen Polizeidienstlern des Polizeireviers Haslach, die im Ehrenamt die Beamten im Einsatz unterstützen.

Beim Ausrufen der Wolfacher Fasnet beispielsweise ist Tina Moser für die Verkehrsregelung eingeteilt. Vor ihrem Einsatz trifft sie sich mit Polizeihauptkommissar Berthold Moser und Polizeihauptmeister Gerhard Gebert im Polizeiposten Wolfach. Die Besprechung ist kurz. Die Aufgaben sind klar verteilt.

Die Freiwillige Moser soll den Verkehr von Richtung Bergstraße her durchwinken. Kollege Berthold Moser regelt den Verkehr in der Bahnhofstraße. Vor dem Stadttor stellen sich die Narren auf. Die Alden Rungunkeln bilden den Schluss des Umzugs am Mittwochabend.

Alle sind gut drauf, die Fasent beginnt erst. Immer wieder kommt eine der Hexen her und sucht schäkernd das Gespräch mit der Freiwilligen in Polizeiuniform. Denn nur die Streifen am Schulterklappen unterscheiden sie von den hauptamtlichen Kollegen. Die Beamten haben je nach Dienstgrad und -jahren als Polizeibeamte dort Sterne in Blau, Silber und Gold.

Doch Tina Mosers erster Streifen wird an dem Abend durch die Warnweste verdeckt. Die Aufschrift "Polizei" leuchtet schon von Weitem im Scheinwerferlicht. Freundlich, aber bestimmt hebt sie die Hand. Das Fahrzeug muss warten, bevor die Polizeidienstlerin zur Weiterfahrt winkt. Als sich der Umzug in Bewegung setzt, schlendert das Einsatz-Team, die Freiwillige Moser und der Polizeibeamte Moser, in gebührendem Abstand hinterher. Den Umzug, geringen Verkehr und die Hexen, die an den glatten Wänden hinaufklettern, haben sie fest im Blick.

"Von was für einer Zunft bist Du?", fragt ein Narr. Doch der Witz ist alt. Trotzdem nehmen es die Polizisten gelassen, wenn sie solche Sprüche hören. Fasent eben.

In der Polizeidirektion Offenburg, zu der neben Achern/Oberkirch, Lahr, Kehl und Offenburg auch das Revier Haslach, die Autobahn- und Verkehrspolizei und die Prävention gehörten, leisten 33 Männer und zehn Frauen Freiwilligen Polizeidienst, kurz FPD. Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland mit solchen Ehrenamtlichen, 1175 insgesamt. In Berlin und Hessen gibt es noch vergleichbare Einrichtungen. Nach und nach soll jedoch der FPD faktisch abgeschafft werden, so will es jedenfalls die neue grün-rote Landesregierung. Das Budget wurde im Direktionsbezirk für 2013 bereits auf 13 000 Euro gekürzt. Im Vorjahr lag es noch bei zirka 56 000 Euro. Das bedeute pro Freiwilligen 40 Stunden Dienstzeit pro Jahr.

"Es wird jedoch niemand entpflichtet", betont Kriminaloberkommissar Patrick Bergmann, Pressesprecher bei der Polizeidirektion Offenburg. "Der Personalstand ist recht groß", erklärt er. Wurden vor wenigen Jahren noch zahlreiche Ehrenamtliche für den FPD ausgebildet, werden jetzt keine Neuen mehr angenommen. Und Ehrenamtliche, die ausscheiden, werden nicht mehr ersetzt. Im Moment würden die Änderungen jedoch noch keine Auswirkungen zeigen.

Tina Moser leistet seit rund drei Jahren FPD. "Reiner Idealismus" sei ihre Motivation. Und sie schwärmt "vom interessantesten Nebenjob der Welt". Polizistin zu werden, war schon ihr Kindheitstraum. Doch ihre italienische Staatsangehörigkeit machte dies nach dem Abitur 1991 für sie nicht möglich. Als dann EU-Bürgern eine polizeiliche Ausbildung erlaubt war, steckte sie mitten in einer Lehre zur Industriekauffrau.

Bis dann ihre Kinder geboren, Familie und Beruf unter einen Hut gebracht waren, sei es wegen ihres Alters zu spät gewesen, um noch in den aktiven Polizeidienst zu treten. Und so verwarf sie den hauptamtlichen Traum, auch wenn sie mittlerweile auch einen deutschen Pass hat.

Hinter ihrer Entscheidung dann ehrenamtlich zur Polizei zu gehen, standen ihr Mann und die beiden Söhne sofort. Marvin (13) und Demian (10) finden es "total cool", lacht Tina Moser. Ihr Mann müsse dann schon mal einspringen, zum Handballspiel fahren oder Vesper richten, wenn sie Polizeidienst schiebe. "Das alles geht nur mit Familienrückhalt", betont sie.

Die Freiwilligen absolvieren eine zweiwöchige Ausbildung mit 112 Unterrichtseinheiten im Hörsaal und pauken dort unter anderem Polizei-, Strafprozess- und Ordnungswidrigkeitsrecht. Praktisch wird mit Einsatztraining, Schießausbildung und Polizeitaktik auf die Tätigkeit vorbereitet. Dazu kommen regelmäßige Fortbildungen. Und nach jeweils fünf Jahren kommt ein weiterer Streifen auf die Schulterklappe.

Tina Moser liebt ihren Nebenjob: "Ich gehöre dazu und werde als kompletter Partner akzeptiert." Schließlich wirken die Freiwilligen unterstützend. Doch "Streifendienst ist tabu für die Freiwilligen", erklärt Patrick Bergmann die seit 1. Januar verbindliche Regel. Dies sei aufgrund der Ausbildung zu gefährlich.

Immer wieder gebe es Berührungspunkte mit Menschen aus ihrem Umfeld, berichtet Moser. So gab es während ihres Dienstes auch schon die eine oder andere Begegnung mit einem ihrer Schüler, die sie aus ihrem richtigen Berufsalltag am Hausacher Gymnasium kennt. Respekt haben sie dann schon vor ihr. Und das ist auch wichtig, denn an Großveranstaltungen wie der Fasent sind die Freiwilligen eine große Stütze für die Polizeibeamten. Die müssen bei der Glückseligen auch für die öffentliche Ordnung sorgen.