Wolfach Fast schon wie ein richtiger Profi

Schwarzwälder-Bote, 13.04.2012 20:01 Uhr

Von Markus Adler Kirnbach. Der zehnjähige Schüler Jan Brohammer aus Kirnbach spielt zurzeit die Rolle des Florian beim Musical "Ich war noch niemals in New York" in Stuttgart. Er ist natürlich nicht die einzige Besetzung für diese Rolle, die er bis zu 40-mal bis zum Ende der Spielzeit des Musicals im Oktober ausfüllen könnte – einzige Bedingung bis dahin: Er darf nicht in den Stimmbruch kommen.Eigentlich sind Jans Großeltern an seinem Engagement Schuld: Sie brachten von einer Musicalvorstellung in Stuttgart einen Flyer mit, in dem Darsteller für die Rolle des Florian gesucht wurden – inklusive Casting. "Wir haben da gelesen – aus dem Umkreis von Stuttgart, da haben wir gedacht, da passiert nichts", erzählt Jan, der das Robert-Gerwig-Gymnasium in Hausach besucht.

"Dann der Schock: Ganz unerwartet kam dann die Einladung zum ersten Casting", sagt Jan Brohammer, der insgesamt drei Runden im Vorfeld gut überstand und sich eigentlich keine große Chance ausgerechnet hatte. Dass der kleine Kirnbacher gut mit Lampenfieber umgehen kann, bewies er auch schon bei "Jugend musiziert", wo er in seiner Altersklasse beim Landeswettbewerb in Schwäbisch Gmünd einen ersten Platz mit der Querflöte erreicht hat.

Richtig viel Gesangs-, Tanz- und Schauspielerfahrung hatte der Zehnjährige nicht, der aber schnell erkannt hat, worauf es auf der Bühne ankommt: "Es ist wichtig, dass man locker bleibt und dass das Ganze authentisch und natürlich herüberkommt", sagt Jan Brohammer so abgeklärt, als hätte er schon eine 30-jährige Bühnenkarriere hinter sich. Auch das Interview mit der Zeitung macht der "kleine Profi" selbst, der die für ihn neue Musicalwelt übergestreift hat wie eine zweite Haut. Eine Zeit lang pendelte er mehrmals nach Stuttgart zu Castings und Proben und fand daran Gefallen: "Das Ganze hat mir echt Spaß gemacht." Die Rolle des jugendlichen Florians beschreibt er als "etwas frech und vorlaut". Das gesamte Musicalgeschehen begeistert Jan Brohammer wie nichts anderes, er fiebert förmlich mit der Rolle des Florians mit und geht in seinem Tun voll auf.

Probenstress, Termindruck, Textlücken und Lampenfieber – alles kein Problem für Jan Brohammer. "Wir haben so viele Proben gemacht, da habe ich den Text irgendwie so gelernt", erzählt der "Musicalkünstler". "Von den Zuschauern sieht man von der Bühne bei der Vorstellung ohnehin nicht so viel, weil der Hintergrund wegen des Lichts ohnehin schwarz wirkt", sagt Jan. Wichtigster Grundsatz ist für ihn und für alle erwachsenen Darsteller: "Die Show muss weitergehen." Wenn also etwas Unvorgesehenes passiert, wird einfach weitergespielt: "Bei den meisten kleinen Pannen merkt das der Zuschauer auch nicht. Wenn zum Beispiel ein Gegenstand herunterfällt, muss man halt schauen, ob es möglich ist, ihn aufzuheben", erläutert Jan Brohammer, dass auch da Professionalität gefragt ist. "Ich bin bei sowas von Natur aus nicht schreckhaft", sagt er zum Thema "Bühnenangst". Das Verhältnis zu den "großen" Schauspielern bezeichnet er als sehr nett – ihm gefällt die Atmosphäre und fühlt sich von ihnen als Teil der Truppe angenommen.

Ebenso abgebrüht erzählt Jan Brohammer, was aus seiner Sicht ein Musicaldarsteller alias er als Florian mit bringen muss. "Nicht zu groß sein, nicht in den Stimmbruch kommen, genügend Zeit, Teamfähigkeit, Verantwortungefühl und Disziplin", sagt Jan Brohammer nach kurzer Überlegung. Motivation ist für ihn kein Problem, auch wenn er den Florian inzwischen bereits fast ein Dutzend Mal gegeben hat. "Für mich ist jede Show ein bisschen anders und wieder eine neue Herausforderung", erläutert Jan Brohammer, der unter anderem die Lieder "Aber bitte mit Sahne" und "Mit 66 Jahren" live solo singt und fast die ganze Zeit während der Vorstellung auf der Bühne zu finden ist. "Bei uns läuft sehr häufig die Musical-CD", erzählt Jan Brohammer, der von Udo Jürgens schon mit deutlichem Respekt spricht, aber privat selbst einen "ganz normalen" Musikgeschmack wie Bruno Mars oder Pink hat.

Bis Oktober läuft die Produktion in Stuttgart noch – bis zu 40-mal könnte Jan Brohammer Florian spielen und ein bisschen hört es sich so an, als sei dies ein festes Ziel.

 
 
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