Von Markus Adler Wolfach. In einem Offenen Brief an Kreis, Stadt und die zuständige Wohnungsbaugesellschaft GSW in Sigmaringen haben Anwohner gegen die weitere Unterbringung von Flüchtlingsfamilien Vor Langenbach protestiert. Sie fühlen sich mit den praktischen Problemen alleingelassen und kritisieren die fehlende Unterstützung der Behörden.In dem von Anja und Henning Hermes unterzeichneten Brief wird ausdrücklich betont, dass sie nicht grundsätzlich etwas gegen die Unterbringung von ausländischen Flüchtlingen in der Nachbarschaft haben. Sie bemängeln aber fehlende Rahmenbedingungen für eine vernünftige Unterbringung und eine von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten getragene Haltung der Wohnungsbaugesellschaft GSW in Sigmaringen, die damit die seit Längerem leerstehenden Wohnungen mit Flüchtlingen belegen könnte, für die sie anderweitig keine Mieter mehr bekomme.

GSW-Geschäftsführer Roy Lilienthal weist diese Darstellung zurück: "Das ist ein ganz normaler Geschäftsvorgang. Das betroffene Gebäude stammt aus den 1960er-Jahren – an diesem Standort war für uns eine Modernisierung bis zum jetzigen Zeitpunkt wirtschaftlich nicht darstellbar, da diese nicht refinanzierbar gewesen wäre."

Weitere Kritikpunkte der Anwohner: Ohne Auto sei der Einkauf für eine so große Familie nicht zu bewerkstelligen, eine Kleiderkammer sei in Wolfach nicht mehr vorhanden, und Sprachkurse in Offenburg seien aufgrund der verkehrstechnischen Lage in einem vernünftigen zeitlichen Rahmen nicht zu erreichen. Probleme gebe es auch durch die fehlenden Spielflächen für die zahlreichen Kinder – von den 22 untergebrachten Personen sind mehr als zehn unter 18 Jahren alt.

Gefahren gebe es zudem durch den Verkehr mit Langholzfahrzeugen, weil die Kinder häufig auf der Durchgangsstraße spielen würden. Weitere Herausforderung: der Lärmpegel durch das Spielen im Freien. "Im vergangenen Jahr war hier oft die Grenze des Zumutbaren überschritten. An dieser Stelle gilt es den Konflikt mit den neuen Nachbarn zu diskutieren, was sich aufgrund der fehlenden sprachlichen Basis als schwierig und langwierig darstellt", heißt es im Offenen Brief.

Kämen nun noch weitere Flüchtlinge hinzu (Anm. der Red.: Der Kreis hat zu den drei bisher belegten Wohnungen noch zwei weitere hinzugemietet), seien "erheblich verschärfte Konflikte unausweichlich". Die Anwohner verweisen in ihrer Einlassung darauf, dass sie bisher durch großes ehrenamtliches Engagement versucht haben, die Aufnahme vor Ort zu erleichtern. Kleiderspenden, Fahrradspenden, Integration in den Sportverein, Mitfahrgelegenheiten, Hausaufgabenhilfe und gemeinsames Spielen mit eigenen Kindern werden dabei explizit genannt. Allerdings seien diese Kapazitäten mit den vorhandenen 13 Flüchtlingskindern bereits erschöpft.

Die Anwohner stellen vier Kernforderungen: keine weiteren Flüchtlinge mehr in diesem Bereich, größere Spielflächen, Sprachkurse vor Ort in Wolfach und eine offene, lösungsorientierte Diskussion mit den Nachbarn. Sollte darauf nicht eingegangen werden, bestehe die Gefahr einer Ghettobildung und dass das hochgelobte ehrenamtliche Engagement um die Früchte seiner Arbeit gebracht werde.

"Ich kann die Bedenken der Leute verstehen", sagt Wolfachs Bürgermeister Gottfried Moser. "Wir müssen insofern reagieren, als dass das Landratsamt eine gute Betreuung hinkriegt. Ich habe meine Mitarbeiter gebeten, das Ganze regelmäßig im Auge zu behalten, und wir werden auch mit sozialen Institutionen Kontakt aufnehmen und schauen, was sich machen lässt", kündigt er an. Andererseits müssten die Flüchtlinge auch untergebracht werden und verweist auf positive Integrationsbeispiele, die aber auch etwas Zeit bräuchten.

Der Ordnungsdezernent des Ortenaukreises, Michael Loritz, verweist auf die Sachzwänge der Flüchtlingsunterbringung, auf denen der Kreis keinen Einfluss habe: "Wir bekommen über die LAST (Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge) genau 3,9 Prozent der in Baden-Württemberg landenden Flüchtlinge zugewiesen. Wir sind zur Aufnahme verpflichtet, wissen aber oft nicht, wie lange es dauert, bis das Verfahren abgeschlossen ist." Allgemein bestehe im Ortenaukreis ein Mangel an geeigneten Wohnungen, um größere Familien unterzubringen, gibt Loritz zu bedenken.

Da die Aufnahmen oft sehr kurzfristig erfolgen und nur schwer vorausgeplant werden können, hält der Kreis ein gewisses Maß an Unterbringungsmöglichkeiten vor. Die Wolfacher Wohnungen seien nicht als Dauereinrichrung geplant, sondern als Provisorium – leider lasse sich nicht vorhersagen, wie lange das eigentliche Asylverfahren wirklich dauere. Bei Ländern wie dem Irak oder Afghanistan gehe es deutlich länger – bis dahin sei auch eine dauerhafte Unterbringung nicht anders lösbar. Das Argument mit den Sprachkursen (es gebe diese in Hausach) weist er zurück; auch, dass sich der Kreis nicht um die Flüchtlinge kümmere – aber es sei jetzt auch nicht möglich, für eine solche Einrichtung eine eigene Infrastruktur zu schaffen.