Wohneigentum Das Bausparen im Wandel

olm, 28.04.2012 17:09 Uhr

Stuttgart - Bei der Wüstenrot stellt man schon seit längeren fest, dass sich das Bausparverhalten gewandelt hat. „Früher hatten Familien oft zwei, drei Bausparverträge. Wenn die voll waren, wurde gebaut”, erinnert sich Günter Schönfeld, Geschäftsführer der Wüstenrot Immobilien GmbH, die zum Stuttgarter W&W-Konzern gehört.

Heute wird der Bausparvertrag für vieles verwendet. „In den wenigsten Fällen dient er noch zur alleinigen Finanzierung der eigenen Immobilie”, ist die Erfahrung des Immobilienexperten. Heute entfallen mehr als zwei Drittel der Bauspargelder auf Finanzierungen für bauliche Modernisierungen und Sanierungen, sagt der W&W-Pressesprecher Immo Dehnert.

Das hat vor allem zwei Gründe: Einerseits würden immer mehr Menschen ihr Geld aus Angst vor einer Inflation in das vermeintlich sichere Betongold als Eigenkapital umschichten, andererseits könnten sich immer weniger Familien eine Immobilie in der Region überhaupt leisten. „Das durchschnittliche Alter für den Erwerb der ersten Immobilien hat sich nach hinten verschoben und beginnt meist erst ab 40 Jahren”, haben die Statistiker bei der Württembergische & Wüstenrot ermittelt. „Die klassische Familie mit ein bis zwei Kindern, die früher aufs Land zog und in jungen Jahren zu bauen begann, gibt es heute seltener - oft dann, wenn die Eltern finanziell unterstützen”, weiß Günter Schönfeld zu berichten. Selbst gut situierte Doppelverdiener täten sich heute schwer. „Ohne viel Eigenkapital oder eine große Erbschaft bleibt der Traum vom Eigenheim für viele ein Wunschtraum, weshalb viele Kaufinteressenten auf Eigentumswohnungen und Gebrauchtimmobilien ausweichen.” Für viele Immobilienexperten ist der Grund für diese Entwicklung schnell ausgemacht. „Seitdem der Wohnungsbau nicht mehr wie früher subventioniert wird, sind gerade die, die es am meisten brauchen können, durch das Raster gefallen”, kritisieren auch Schönfeld und Dehnert die Entwicklung. Und wer sich trotzdem noch auf das Risiko zu bauen einlässt, wird durch die Anforderungen der Energieeinsparverordnung mit zusätzlichen Kosten konfrontiert.

Wüstenrot verbucht ein Plus von 17 Prozent

So kostet heute eine energetische Sanierung eines normalen Einfamilienhauses mit 40 Jahren auf dem Buckel bereits deutlich mehr als 50 000 Euro, schätzen Immobilienexperten. Umso mehr seien vorausschauende und kluge Finanzierungsmodelle gefragt - und auch das Bausparen wird sich weiter stärker in Richtung kleinteiliger Finanzierungen wandeln, vermutet Dehnert. Trotz dieser Entwicklung sind die Bausparkassen im Land zufrieden. Denn der ungebrochene Wunsch nach den eigenen vier Wänden treibt die Zahl der neu abgeschlossenen Bausparverträge jedes Jahr auf neue Rekordmarken. So meldet Wüstenrot für das Neugeschäft im zurückliegenden Jahr ein Plus von 17 Prozent auf den „Rekordwert” von rund 15 Milliarden Euro.

Auch die Landesbausparkasse LBS erzielte im zurückliegenden Jahr mit 206 000 Verträgen über 6,8 Milliarden Euro „das beste Neugeschäft seit acht Jahren”, so Dr. Jürg Leitolf, Leiter der Unternehmenskommunikation der LBS Baden-Württemberg. Auch die Darlehensauszahlungen stiegen in diesem Zeitraum um mehr als die Hälfte an auf 1,26 Mrd. Euro. Die LBS profitiert hier vor allem von der steigenden Nachfrage nach Wohnimmobilien, wenngleich heute viel öfter auf Gebrauchtimmobilien zurückgegriffen wird, als dass gebaut wird, heißt es bei der LBS.

 „Der Bausparvertrag muss den direkten Vergleich nicht scheuen”

Für die Landesbausparkasse Baden-Württemberg sind diese Zahlen auch ein Indiz dafür, dass sich am Grundprinzip des Bausparens im Laufe der Jahre kaum etwas verändert hat, auch wenn sich das kollektive Sparen für die eigenen vier Wände immer wieder gegen andere Formen der Vermögensbildung behaupten musste. Für Leitolf hätten sich auch die rechtzeitigen Tarifanpassungen der Bausparkassen bei den Darlehenszinsen an die aktuelle Niedrigzinsphase als Glücksgriff erwiesen. „Der Bausparvertrag muss den direkten Vergleich mit dem Wettbewerb nicht scheuen”, so der LBSUnternehmenssprecher.

Das wird mittlerweile sogar von der Zeitschrift „Finanztest” so gesehen, die zinssichere Kreditmodelle mit Laufzeiten von 18 Jahren und länger in ihrer April-Ausgabe unter die Lupe genommen hatte. Dabei stellten die Tester fest, dass die Zinsunterschiede zwischen billigstem und teuerstem Anbieter enorm sind. Für ein 150 000-Euro-Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung zahlt der Bauherr zum Beispiel beim teuersten Anbieter knapp 40 000 Euro mehr als beim günstigsten. Die Topangebote kommen dabei laut „Finanztest” von den Bausparkassen (LBS und Schwäbisch Hall): Die günstigsten vergeben Darlehen mit Riester-Förderung zu Effektivzinsen von 3,0 bis 3,6 Prozent - mit festen Zinsen und Raten über die gesamte Laufzeit von 18 bis 30 Jahren.

Bei dieser Kombinationsfinanzierung können Eigenheimbesitzer ihre Finanzierung von Beginn an bis zur letzten Rate festschreiben. Dabei werden ein Bausparvertrag in Höhe des benötigten Kreditbedarfs und ein Baudarlehen in gleicher Höhe abgeschlossen. Mit dem Baudarlehen finanziert der Kreditnehmer seine Immobilie. Dabei zahlt er zu Beginn für das Baudarlehen nur die Zinsen und spart parallel den Bausparvertrag an. Wenn der Bausparvertrag zugeteilt wird, tilgt er mit der Bausparsumme das Baudarlehen auf einen Schlag und begleicht anschließend nur noch die Raten für sein Bauspardarlehen. Diese Kombikredite haben allerdings einen Haken: Die günstigsten Bausparkassen vergeben sie höchstens bis zu 72 oder 80 Prozent des Kaufpreises. Wer damit nicht auskommt, muss auf teurere Anbieter ausweichen, so die Zeitschrift.

 
 
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