Wittershausen "Blue Man Group" des Schwarzwalds

Kathrin Kammerer, 08.01.2013 06:01 Uhr
 

Wittershausen -  Ein düsterer, kalter Winternachmittag, das Wittershausener Industriegebiet liegt wie ausgestorben da. Nur auf einem Betriebsgelände, da scheint was los zu sein. Wer näher kommt und genau lauscht, der hört es klopfen, pochen und trommeln. Doch nein, bei Kaufmanns wird an diesem Tag nicht wie im normalen Firmenalltag Metall bearbeitet. Der Rhythmus kommt vielmehr aus einem unscheinbaren Raum, "Drumming" steht an der Tür.

Energiegeladene und schallende Schlagzeugklänge

Wer eintritt, dem schallen energiegeladene Schlagzeugklänge entgegen – willkommen im Reich der "drumming roots". Eine Percussion-Gruppe, deren Beat, pardon, Erfolgsgeschichte, so langsam Fahrt aufnimmt.

"Vater" der jungen Gruppe und Herr über das kleine, aber feine Rhythmusreich im Wittershausener Industriegebiet ist der 27-jährige Tobias "Tobse" Kaufmann. Seit 16 Jahren Schlagzeuger mit Leib und Seele. Einer, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat.

Damals, so erinnert er sich lachend, 2009, beim Jahreskonzert des Vöhringer Musikvereins, als er den Vereinsschlagzeugern als Dozent den letzten Feinschliff verpasst hat, da habe es geheißen: "Jetzt macht doch mal was richtig Cooles als Zugabe". Gesagt, getan – und so stellte "Tobse" mit seinen Drummern eine ziemlich coole Zugabe auf die Beine, die bleibenden Eindruck hinterließ.

Ein Jahr später, selber Ort, gleiches Konzert: Aus der einfachen Zugabe ist mittlerweile ein ganzer Konzertteil der jungen Gruppe geworden. Und spätestens da war allen klar: Dieses Projekt muss weiterleben. Die "drumming roots" waren geboren.

Aktuell scharen sich vier begeisterte, langjährige Drummer um Tobias Kaufmann. Michael Kromer (16), jüngster Spross der Gruppe und Gründungsmitglied. Sandro Colabella (22), im wahren Leben Kfz-Mechatroniker. Tim Geiser (17), eigentlich Fahrzeuginnenausstatter. Und der 22-jährige Martin Kipp, der nächstes Jahr die Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl abschließt. Dieselbe Lehrstätte übrigens, an der auch "Tobse" Kaufmann seine Ausbildung absolviert hat.

Am E-Bass werden die Drummer von Dominik Walz (22) unterstützt, der gleichaltrige Kevin Wößner sorgt bei den Auftritten am Mischpult für die richtigen Klänge.

Wenn die Musiker in alten Band-Erinnerungen kramen, müssen sie erst einmal sortieren. Viele Eindrücke sind in den vergangenen Monaten auf sie eingeprasselt, so einige, lustige Anekdoten kommen wieder ans Tageslicht. 2011, die Gruppe steckte damals noch in den Kinderschuhen, absolvierten die Schlagzeuger zunächst Auftritte bei diversen Fasnetsveranstaltungen in der Sulzer Gegend, so erinnert sich Tim. Im Sommer kamen erste Tonaufnahmen dazu.

Die Gruppe wurde schnell bekannter, nun war eifriges, wöchentliches Proben angesagt. "2012 sind wir dann so richtig durchgestartet", erinnert sich "Tobse" Kaufmann. Man merkt ihm den Stolz auf seine Gruppe, seine Jungs, an. Die Liste an Auftritten wächst und wächst: Fasnet, Partys, Geburtstage, Firmenevents, das Ü-19-Turnier in Oberndorf, ja sogar bei einer Hochzeit hätten sie "vor der Kirche so richtig Action gemacht". Von Events weit über die Kreisgrenzen hinaus seien mittlerweile bereits Anfragen eingegangen.

Das Konzept der "drumming roots" zieht, die feine Mischung aus konzertanten Werken und Showstücken scheint prächtig anzukommen. Auch vor neuen Klängen scheuen sich die Musiker nicht, ständig suchen sie nach weiteren, außergewöhnlichen Ideen. Ein Beispiel: Abflussrohre, aus denen eine Art übergroße Klangrohre entstehen.

Höhepunkt im vergangenen Jahr, da sind sich die Drummer einig, war das erste eigene Konzert vor heimischem Publikum. Zweieinhalb Stunden Power, Trommeln und Rhythmus pur – "ja, da kommt man schon mal ins Schwitzen", gibt Martin schmunzelnd zu. Eine DVD mit dem Live-Mitschnitt des Konzertes sei momentan in der Mache, verraten die Musiker.

Auch an Plänen für das bevorstehende Jahr mangelt es ihnen nicht. Beim Oberndorfer Ü-19-Turnier werden sie wieder für die passenden Beats sorgen, zudem steht ein Konzert in Reutlingen mit einer Funk-Soul-Band auf dem Programm.

"Wir wollen in Zukunft nun aber weniger auf Partys spielen, eher vor einem Publikum, das auch aus ehrlichem Interesse an unserer Musik zum Gig gekommen ist", verraten die Schlagzeuger weiter. Denn sie wollen ja schließlich keineswegs in eine reine Showschublade, weg von allen musikalischen Ansprüchen, abgeschoben werden. Auch wenn die Masken, die sie bei früheren Auftritten oft getragen haben, doch ziemlich an die "Blue Man Group" erinnern. Die schwäbische Version davon, sozusagen.