Winterlingen "Das Sterben geht weiter"

Schwarzwälder-Bote, 08.06.2012 21:00 Uhr

Von Karina Eyrich

Winterlingen-Harthausen. Das "Büchele" hat keine Kraft mehr. Zu schwer sind die Äste des Harthausener Wahrzeichens geworden. Nach der Sanierung im vergangenen Jahr ist nun ein weiterer riesiger Ast abgeknickt und musste entfernt werden.

"Sterbehilfe werden wir nicht leisten", sagt Ortsvorsteher Augustin Pfaff, dem es selbst richtig leid tut um das Büchele, das Harthausener Naturdenkmal, das in den vergangenen Jahren so arg gebeutelt worden ist. 2009 haben Baumkletterer zwar seine schwere Krone mit damals 35 Metern Durchmesser entlastet, doch mit den Ast-Abbrüchen sollte es weiter gehen: Ein Starkregen im Juni 2011 hatte dem Baum so zugesetzt, dass er erneut saniert und entlastet werden musste.

Vor kurzem nun hat abermals die Schwerkraft die Macht über einen Ast gewonnen. Richtig abgebrochen sei er nicht, sagt Revierförster Michael Schmid. "Er hat nur sein müdes Haupt auf den Kohlrabi niedergelegt", fügt er mit Blick auf das benachbarte Feld hinzu. "Es war wohl der größte Ast", erklärt Pfaff. "Kein Wunder: Am Blätterwerk hatte der Baum schwer zu tragen." Und jeder Tropfen Wasser auf einem Blatt erhöhe das Gewicht zusätzlich.

Nun sei die Buche "einseitig lastig", wie Pfaff sagt. "Und natürlich werden wir sie nicht fällen, aber es ist wie bei einem alten Mann: Innen ist das Büchele morsch."

Wie alt das einstige "statische Wunderwerk", so Schmid, ist, wisse niemand so genau, berichtet der Ortsvorsteher. "Das ist schwer zu schätzen: Manche sagen 200, manche sagen 300 Jahre." Deshalb hat Pfaff auch wenig Hoffnung, dass das Büchele wenigstens seinen jetzigen Zustand behalten wird. Zwar seien die nicht mehr verkehrssicheren Äste entfernt und einige weitere oben in der Krone mit Gurten stabilisiert, "aber mehr kann man nicht tun. Das Sterben wird wohl weitergehen."

 
 
Kommentare (0)
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen