William Moore „Ein Risiko, aber ich freue mich darauf“
Andrea Kachelriess, 21.07.2012 16:00 UhrStuttgart - Danseur noble, Elegantissima – es gibt viele Begriffe, mit denen die Ballettwelt die Kunst ihrer Akteure zu fassen versucht. Einen neuen darf man bei der Annäherung an William Moore hinzufügen. Als „danseur engagé“ trat der Brite bei seinem Debüt als Choreograf im Rahmen des jüngsten Noverre-Abends im Schauspielhaus auf; und der Zusatz „engagé“ bezieht sich nicht darauf, dass der Tänzer seit September 2005 beim Stuttgarter Ballett unter Vertrag ist. Engagiert ist William Moore zu nennen, weil er sein Interesse an Politik und gesellschaftlichen Themen gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Nicholas Jones in dem Stück „Anonym“ mit solcher Rage in Tanz goss, dass die Zuschauer erst aus dem Staunen, dann aus dem Jubeln kaum noch rauskamen.
Acht Monate hat Moore mit sich gerungen
Eine neue Farbe war im Spiel – und die leuchtete so ungewöhnlich, dass man William Moores Abschied vom Stuttgarter Ballett nun doppelt bedauern darf. Wo findet man einen Tänzer, der heute den Prinzen gibt und morgen die Occupy-Bewegung zum Tanzen bringt? Bei der Ernennung zum Ersten Solisten gab Ballettintendant Reid Anderson dem hübschen Lockenkopf das schönste Lob mit auf den Weg gab, das man in Stuttgart erhalten kann. „Williams Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt, im klassischen wie im modernen Tanz. Er hat eine brillante Technik, ist ein exzellenter Partner, besitzt schauspielerische Fähigkeiten ... und vor allem besitzt er das gewisse Etwas, das John Cranko immer schlicht ,it‘ nannte. William Moore erhellt die gesamte Bühne, sobald er nur einen Fuß darauf setzt.“
Auf dieses Leuchten darf sich nun das Zürcher Ballettpublikum freuen. Bei der Abschiedsgala für Christian Spuck am 7. Juli stand William Moore zum letzten Mal als Mitglied des Stuttgarter Balletts auf der Bühne; wie Katja Wünsche verlässt der Brite mit dem scheidenden Stuttgarter Hauschoreografen und neuen Zürcher Ballettdirektor die Kompanie. Am 6. August ist sein erster Arbeitstag in Zürich, und schon am 13. Oktober steht er dort im Opernhaus zum ersten Mal vor seinem neuen Publikum – als Romeo in Christian Spuck s neuem Ballett.
Auftritte wie dieser und vor allem ihre Vorbereitung im Ballettsaal haben William Moore letztlich die Entscheidung für einen Neustart treffen lassen. Acht Monate lang, erzählt er, habe er mit sich gerungen. „Ich hatte überhaupt nicht an einen Kompaniewechsel gedacht und war vom Angebot Christian Spucks total überrascht. Obwohl ich mir immer sicher war, nicht meine ganze Karriere an einer Kompanie zu verbringen, ist mir die Entscheidung für Zürich unglaublich schwer gefallen.“





