Stuttgart - Erst gut ein halbes Jahr ist Nyota alt, doch das Okapi-Kalb aus der Stuttgarter Wilhelma hat schon einiges hinter sich: Das kleine Okapi-Mädchen war gerade 16 Tage alt, als seine Mutter Kabinda starb. In der freien Wildbahn wäre das das Todesurteil für Nyota gewesen, doch in der Wilhelma kam man auf eine findige Idee: Die Okapi-Kuh Ibina, die unmittelbar zuvor bereits ein Junges gesäugt hatte, sprang als Amme ein, zusätzlich wurde Nyota mit der Flasche aufgezogen.

Der in einem Zoo bis dahin einmalige Versuch gelang. „Wenn Nyota ein Jahr alt ist, feiern wir eine Party“, sagte Daniel Wenning, der Revierleiter für afrikanische Huftiere.

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Spezialmilch aus dem Fläschchen

Um eine Spezialmilch für Okapi-Babys zu entwickeln, holte sich die Wilhelma Rat von Experten: Zunächst ermittelte das Chemische Veterinäruntersuchungsamt in Stuttgart die Zusammensetzung von Ibinas Milch. Die Forschungsabteilung eines Herstellers von Babynahrung ertüftelte auf dieser Basis ein Rezept.

Mehrmals täglich bekam Nyota ihr Fläschchen - vor allem um ihre Ersatzmama Ibina zu entlasten. Zusätzlich arbeiteten die Wilhelma-Tierärzte gemeinsam mit einer Ernährungsberaterin der Uni Hohenheim für Ibina einen Speiseplan aus, um die Okapi-Kuh bei Kräften zu halten.

Inzwischen wiegt Nyota 108,4 Kilogramm und ist damit übern Berg. „Für ihr Alter ist Nyota mit über 100 Kilo ganz schön kräftig. Aber ein paar Reserven schaden in der Winterkälte ja nichts“, sagt Daniel Wenning. Jetzt werde es Zeit, Nyota zu entwöhnen. Vom Fläschchen ist das Kalb bereits weg, und auch bei ihrer Ziehmama Ibina dürfte sie bald nichts mehr zum Nuckeln finden. Nyotas Lebensretterin hat sich eine Babypause nun auch redlich verdient.