Wildberg Sie folgen dem Flügelschlag des Milans

Schwarzwälder-Bote, 22.06.2012 19:00 Uhr

Von Babette Staiger Wildberg. Das Blau des Himmels tut schon fast in den Augen weh, der Blick schweift weit über das Heckengäu. Man meint, rote Milane zu sehen, die sich in den Himmel schrauben.Doch das ist an diesem Samstagnachmittag eine optische Täuschung. Es sind nämlich keine Vögel, sondern kleine Segelflugzeuge, die es den Milanen gleich tun und die Termik nutzen, um sich immer höher in den Himmel zu schrauben. Ihr "Nest", das ist der Hangar der Modellfluggruppe Wildberg auf dem Wächtersberg. Die begeisterten Bastler und Hobbyflieger haben sich einen schönen Fleck ausgesucht, um ihrer Leidenschaft nachzugehen.

Sie stehen am Boden, mit ihren hochmodernen Steuerungsgeräten und blicken ihren "Spielzeugen" aufmerksam nach, denn die Windverhältnisse sind nicht gerade einfach. "Vom Nagoldtal her weht eine Art Fallwind, der die Flugzeuge leicht herunterdrücken kann, bevor sie richtig aufgestiegen sind", erklärt der erste Vorsitzende der Modellfluggruppe Wächtersberg, Falk Waidelich. Auf dem Wächtersberg zersägen keine hässlichen Motorgeräusche die Stille, die Modelle werden entweder per Seilwinde in den Himmel gehievt oder man hilft mit einem leise summenden Elektromotor im Flugzeug nach. Lediglich große Modelle werden von größeren Schleppflugzeugen in die Lüfte geschwungen.

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Heute ist Waidelich Flugleiter und muss seine Augen überall haben. Auch bei dem jungen Gastflieger, der gerade hereingeschneit kommt und am liebsten gleich mit dem Üben anfangen will. Aber das darf er erst, wenn er sich in die Anwesenheitsliste eingetragen hat und seinen speziellen Versicherungsschein hinterlegt. Ordnung muss schließlich sein in einem schwäbischen Verein. Bald darauf probiert er sein Styropormodell aus. Der erste Versuch endet mit einer leichten Bruchlandung.

"Macht nichts, so ein Anfängermodell ist schnell wieder repariert", schmunzelt Waidelich. "Uns ist es wichtig, dass Einsteiger das Gefühl haben, jeder kann hier mitmachen und dass wir kein exklusiver Club von Liebhabern teuerer Hightech-Modelle sind", bekräftigt der erste Vorsitzende. Indessen schraubt der Ausbildungsleiter und "Vereinsmechaniker" Ralf Scheufele an eben so einer elektronisch gesteuerten Schönheit, deren materiellen Gegenwert er lieber nicht nennen will. Er hilft dabei einem älteren Vereinsmitglied, das erst vor zehn Jahren mit diesem Hobby angefangen hat. "Ein Rentner muss sich eine gescheite Arbeit suchen", witzelt der 76-jährige frühere Jalousienbauer aus Jettingen.

Heutzutage, so erklärt Waidelich, gebe es immer weniger Modellflieger, die tatsächlich selbst an ihren kleinen Flugzeugen bastelten. Das Fliegen sei ihnen wichtiger. Doch er selbst baut schon seit Monaten an einem Modell aus den 60er Jahren, dessen Original einst selbst von diesem Hangar aus startete, als an der Stelle der Modellflieger noch die echte Wildberger Flugstaffel hier übte. "Da gab es viel Bruch, vor allem in den 20er und 30er-Jahren", schmunzelt Waidelich, der die Segler-Geschichte des Wächterberges in- und auswendig kennt. In der Reparaturwerkstatt ist deshalb noch immer ein Nachbau des damaligen Ausbildungsflugzeuges zu bewundern. Mit einer Puppe, die den Flieger ersetzt. Irgendwie erinnert das Holzflugzeug wirklich an Szenen aus "Quacks der Bruchpilot".

Wer am kommenden Wochenende einmal schöne Oldtimer-Modelle im Himmel hängen sehen will, der ist bei den Modellfliegern genau richtig. Denn vom 29. Juni bis zum 1. Juli veranstalten sie wieder die Classic-Tage, eine Institution in Modellfliegerkreisen. "Die Modellflieger kommen mit ihren Schätzen aus Österreich, der Schweiz, sogar aus Spanien, nur um ihre Segler hier in die Höhe steigen zu lassen", bemerkt Waidelich nicht ohne Stolz.

Weitere Informationen: Ansprechpartner: Falk Waidelich, Telefon 07051 / 26 47, E-Mail falk.waidelich@yahoo.de.

 
 
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