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Wildberg Netz-Träume geraten ins Wanken

Tim Geideck, vom 30.01.2012 09:00 Uhr
In puncto Breitbandversorgung ist Sulz am Eck ein "weißer Fleck". Das soll sich schleunigst ändern – wenn der Bürger mitspielt und einen Vertrag mit der Kabel BW unterschreibt. Foto: Geideck
In puncto Breitbandversorgung ist Sulz am Eck ein "weißer Fleck". Das soll sich schleunigst ändern – wenn der Bürger mitspielt und einen Vertrag mit der Kabel BW unterschreibt. Foto: Geideck

Wildberg - Es sah schon so aus, als sei der Sulzer Anschluss an die schnelle Datenautobahn nur noch Formsache. Eine zu geringe Zahl an abgeschlossenen Verträgen mit der Kabel BW bremst die Euphorie jedoch. Auch in Effringen und Schönbronn bleibt Skepsis.

Seit Jahren ist die Stadt bemüht, Sulz am Eck als "weißen Fleck" von der Breitbandkarte verschwinden zu lassen. Mit der Kabel BW tauchte im vergangenen Jahr der lang gesuchte potentielle Investor auf. Bei einer Informationsveranstaltung in der Sulzer Gemeindehalle sicherte das Heidelberger Unternehmen zu, das Breitbandnetz in dem östlichen Wildberger Stadtteil auszubauen – wenn in den unterversorgten Straßenzügen mindestens 75 Prozent der Anwohner einen Vertrag mit der Kabel BW abschließen. Sonst rechne sich der Ausbau nicht. Die geforderte Quote wurde überall und rechtzeitig erreicht, zumindest die mündlichen Zusagen betreffend. Jetzt stellt sich aber heraus: Auch wirklich unterschrieben hat dann nicht jeder.

Lediglich im Talweg haben 15 Anwohner und damit genau 75 Prozent unterschrieben. In der Burghalde liegt die Quote mit 22 Verträgen bei nur 55 Prozent, in der Oberen Breite mit 14 Verträgen bei 54 Prozent. Während die Kabel BW im Talweg damit loslegen kann, bleiben die Burghalde und die Obere Breite Stand heute auf der Strecke. Ewig wolle das Unternehmen schließlich nicht warten, bis die fehlenden zwölf Anwohner (acht in der Burghalde, vier in der Oberen Breite) unterschreiben. Und wenn die Kabel BW nicht ausbaut, dann – so die leidvolle Erfahrung – baut niemand aus.

"Da muss man am Ball bleiben"

Das will der Wildberger Gemeinderat verhindern. Kopfschütteln beim aus Sulz stammenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Eberhard Furthmüller: "Das ist nicht zufriedenstellend. Wenn das jetzt nicht läuft, läuft es vielleicht gar nicht mehr. Da muss man am Ball bleiben und bei den Leuten nachhaken." Günther Röhm (CDU) vermutete, dass im Vertrag andere Zahlen gestanden hätten als die bei der Informationsveranstaltung zusagten Anschlussgebühren von "bis zu 1800 Euro". Doch hier konnte die Stadtverwaltung beruhigen: Für die Burghalde und den Talweg seien es 1300 Euro, für die Obere Breite 1700 Euro.

Damit die Anwohner, die jetzt keinen Kabel-BW-Vertrag unterschrieben haben, bei einem späteren Anschluss um die 1300 beziehungsweise 1700 Euro nicht umher kommen, forderte Horst Aichele (Freie Wähler) vor dem Gemeinderat eine Lösung, die gleiches Recht für alle vorsieht. Auch hier konnte Bürgermeister Ulrich Bünger beruhigen: "Das haben wir schon auf dem Schirm." Er ist optimistisch, dass die fehlenden zwölf Unterschriften noch kommen: "Das müsste doch eigentlich möglich sein. Die Hürde ist nicht unüberwindbar."

Wesentlich einvernehmlicher geht es im kleinen Sulzer Gewerbegebiet "Kuppinger Tal" zu. Hier haben sich alle fünf ansässigen Betriebe klar für einen schnellen Anschluss an die Datenautobahn ausgesprochen. Allerdings muss dafür eigens eine Leitung ins "Kuppinger Tal" gelegt werden. Auftraggeber ist die Stadt, bei der die Kosten in Höhe von 67 000 Euro zunächst hängen bleiben. Das Land Baden-Württemberg würde 40 Prozent davon im Rahmen der Breitbandförderung übernehmen. Die restlichen rund 40.000 Euro betreffend folgte der Gemeinderat in einer Kampfabstimmung dem Vorschlag der CDU-Fraktion: Die Stadt und die fünf Betriebe teilen sich die Kosten. Die Verwaltung konnte sich mit ihrem Vorschlag, nur 30 Prozent zu übernehmen, somit nicht durchsetzen.

Nur 170 Interessensbekundungen

Ein völlig anderes Szenario ergibt sich in Effringen und Schönbronn. Hier will die Stadt das Breitbandnetz in Eigenregie erstellen und dann an einen Betreiber verpachten. Eine Kalkulation der Firma Bauer aus dem Jahr 2010 rechnete mit Baukosten von rund 220.000 Euro. Verschiedene Tiefbauunternehmen gaben vergangenes Jahr Angebote ab, das günstigste lag bei 475 000 Euro. Der Gemeinderat war baff und entschied, die Arbeiten in diesem Jahr erneut auszuschreiben. Die beiden Ortschaftsräte haben die Trassenpläne inzwischen überarbeitet und mögliche Leitungsverkürzungen entdeckt, so dass jetzt mit einem günstigeren Angebot zu rechnen ist. Zudem würde das Land einen Zuschuss von fünf Euro pro laufendem Meter aufgrund der schwierigen Geologie im Trassenverlauf zahlen.

Skeptisch bleibt der Gemeinderat, ob in den beiden westlichen Stadtteilen überhaupt genügend Interesse am schnelleren Internet herrscht. Mindestens 250 DSL-Neukunden wären laut Prognose nötig, um Effringen und Schönbronn einem späteren Netzbetreiber schmackhaft zu machen. Nur 170 Interessensbekundungen gingen bisher auf dem Rathaus ein. "Da bewegen wir uns auf sehr schwachem Eis", gab CDU-Rat Roland Selb zu bedenken. Inzwischen habe Vodafone mit seiner LTE-Funk-Technik geworben, auf die ein Teil der 170 an schnellem Internet interessierten Effringer und Schönbronner überspringen könnten. Selbs Rat: Unbedingt schon jetzt einen Kabelnetzbetreiber suchen.

Auch sein Fraktionskollege Gerhard Ostertag will die Tiefbauarbeiten und einen Netzbetreiber parallel ausschreiben lassen: "Das Risiko ist mir zu hoch, dass man später keinen Netzbetreiber hat." Dem widersprach jedoch Bürgermeister Bünger: "Ich habe die Auskunft, dass das rechtlich nicht möglich ist." Klar ist für ihn aber, in Effringen und Schönbronn aufs Gaspedal drücken zu müssen, da man dort sonst in fünf Jahren die gleiche Situation habe wie heute in Sulz am Eck. "Ich sehe das als eine strategische Entscheidung. Ohne schnelles Internet kommt kein Mensch mehr", befürchtet der Rathaus-Chef ein Sinken der Einwohnerzahl.

Das unterstrich auch Albert Braun (CDU): "Es gibt gar keinen anderen Weg. Wir können uns den Standortnachteil auf Dauer nicht leisten. Das würde uns niemand verzeihen, wenn wir diese Chance jetzt versäumen."

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