Wegen Sanierung Leuze verliert jeden zweiten Badegast

Jürgen Bock, 11.05.2012 17:53 Uhr

Stuttgart - Das Mineralbad Nummer eins in der Stadt ist eine Baustelle. Überall lagert Material, Bauzäune umzingeln das Gelände am Neckar. Die Stammgäste im Leuze haben es schon länger geahnt: „Auf der Baustelle sind so wenige Arbeiter zu sehen, es geht so langsam voran, da ist es klar, dass der Zeitplan nicht zu halten war“, sagt einer von ihnen.

Ursprünglich hätte die Anfang Mai 2011 begonnene Teilsanierung nach einem Jahr, also jetzt, fertig sein sollen. Vor wenigen Tagen sahen sich die städtischen Bäderbetriebe allerdings zu einer Stellungnahme veranlasst: Entgegen früheren Aussagen verzögert sich die Fertigstellung erheblich. Von August oder September ist jetzt die Rede. Bis dahin gilt weiter eingeschränkter Badebetrieb mit reduzierten Eintrittspreisen.

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„Wir hatten Verschiebungen in einzelnen Gewerken“, sagt Bäder-Chefin Anke Senne. Die sind so massiv, dass der eingerechnete Zeitpuffer von vier Wochen vorne und hinten nicht ausgereicht hat. Insgesamt ist ein knappes Dutzend Firmen auf der Baustelle tätig. Die Verzögerung liege nicht an den Planungen der Stadt, so Senne: „Wir haben alles in unserer Macht Stehende getan, aber die eine Firma kann eben erst anfangen, wenn die andere fertig ist.“ Zu wenige Arbeiter seien aber nicht auf der Baustelle: Es herrsche dort „normaler Betrieb“.

Verluste bis 6 Millionen Euro

Im Leuze war nach 27 Jahren ununterbrochener Nutzung eine Runderneuerung notwendig geworden. Das Mineralbad bekommt in der Warmbadehalle eine neue Decke, eine sanierte Glasfassade und neue Belagsflächen. Auch Lüftung, Sanitär- und Gastronomiebereiche werden saniert. Derzeit sind deswegen nur Saunalandschaft, Kinderland, Kaltbadehalle und zwei Außenbecken nutzbar.

Die Badegäste kehren dem Leuze wegen der Sanierung inzwischen deutlich zahlreicher den Rücken als zunächst angenommen. „Im Wirtschaftsplan haben wir mit Besucherrückgängen von 20 bis 25 Prozent gerechnet“, sagt Anke Senne. Doch bereits im vergangenen Jahr kamen mit 660.000 Gästen 21 Prozent weniger als 2010, obwohl das Bad noch vier Monate lang normal genutzt werden konnte. In den ersten drei Monaten 2012 sind gar 45 Prozent der üblichen Besucher weggeblieben. „Mit so viel hatten wir nicht gerechnet“, sagt die Bäderchefin, „das tut uns richtig weh.“ Zumal dieser Zustand jetzt noch mehrere Monate länger anhält als ursprünglich geplant.

Was die Zahlen finanziell bedeuten, weiß Anke Senne noch nicht. „Das ermitteln wir derzeit“, sagt sie. Die neue Kalkulation wird früher oder später auch vom Gemeinderat diskutiert werden. In welchen Dimensionen die Verluste für die städtischen Bäderbetriebe liegen, lässt sich jedoch grob errechnen. Nimmt man die massiven Besucherrückgänge und die um 20 Prozent reduzierten Eintrittspreise der verbliebenen Badegäste zusammen, könnten bis zur Wiedereröffnung im Spätsommer Einnahmenverluste von vier bis sechs Millionen Euro zusammenkommen. Das entspricht ziemlich genau den Kosten für den Umbau selbst. Ursprünglich war man von lediglich 1,8 Millionen Euro an wegfallenden Einnahmen ausgegangen.

 
 
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