
Waldachtal - Der Gemeinderat Waldachtal stimmte in einer Sondersitzung am Dienstag dem Neubau eines Kinderhauses im Gewann Himmelreich zu und legte dabei auch die Anzahl der Regel- und Kleinkindgruppen für die Ausschreibung des Planwettbewerbes fest.
Wie bei der Gemeinderatsitzung vergangene Woche waren viele interessierte Bürger zu diesem Tagesordnungspunkt erschienen, auch Ehrenbürger und Unternehmer Klaus Fischer befand sich unter den Zuhörern. Bürgermeister Heinz Hornberger zeigte Verständnis für die Ängste und Sorgen einiger Bürger, die den Neubau des Kinderhauses in finanzieller Hinsicht in Frage stellen. Auch 37 Jahre nach der Zusammenlegung der Ortsteile Waldachtals gebe es ein "Ortsdenken" vieler Bürger, doch er vertraue auf ein Projekt, welches eindeutig zukunftsorientiert ausgerichtet sein werde.
"Bildung entsteht durch Bindung", zitierte er. Das Gremium müsse im Interesse der Gesamtgemeinde denken, planen entscheiden und handeln. Kämmerer Christoph Enderle räumte Bedenken gegen die Finanzierung aus und prognostizierte steigende Gewerbesteuereinnahmen. Auch im aktuellen Haushalt habe man die Zahlen erfreulicherweise nach oben korrigieren können.
Vor der intensiven Beratung sprach Hornberger mögliche Befangenheitsgründe der Räte Günter Henssler, Dieter Fischer und Heinz Fischer an, welche in der Unternehmensgruppe fischer beschäftigt sind. Aus deren Stimmrecht hätte ein Vorteil für ihren Arbeitgeber entstehen können, weshalb die angesprochenen Räte vom Beratungstisch abrückten.
Die Ortsvorsteher aus Tumlingen (Rudolf Emele), Hörschweiler (Christoph Enderle) und Heinz-Otto Renz (Cresbach, Ober- und Unterwaldach) bekräftigten noch einmal ihre positiv gefassten Beschlüsse aus ihren Ortsgremien bezüglich des Neubaus eines Kinderhauses. Hornberger betonte noch einmal, dass der Kindergarten Lützenhardt in den Planzahlen für das neue Kinderhaus "außen vor" bleibe, da dort die katholische Gemeinde Träger sei. Außerdem sei dieser bis auf den letzten Platz ausgelastet.
Auch sei nicht zu befürchten, dass der Kindergarten in Salzstetten im neuen Kinderhaus "aufgehen" würde. Enderle legte die Betriebskosten der Kindergärten vor und hatte demgegenüber auch gleich die voraussichtlichen Betriebskosten des neuen Kinderhauses gegenübergestellt. Demnach würde die Gemeinde trotz hoher Investitionskosten sparen können, wenn die Unterhaltung der drei Kindergärten in Tumlingen, Hörschweiler und Oberwaldach wegfalle. Außerdem würde das gesamte Fachpersonal der drei Kindergärten im neuen Haus übernommen werden.
Ohne die Plätze des Kindergartens Salzstetten und des katholischen Kindergartens in Lützenhardt und unter Berücksichtigung von 13 Plätzen Bedarf des Unternehmens fischer bestehe ein rein rechnerischer Bedarf von 4,4 Regelgruppen (25 Kinder je Gruppe).
Hornberger warnte davor, das Kinderhaus zu knapp zu dimensionieren und verwies auf die zu erwartenden Zuschüsse aus Landesmitteln. "Wenn wir in den Baukörper später nachträglich eingreifen müssen, wird es uns teuer zu stehen kommen." Mit den beiden Gegenstimmen der Räte Markus Fischer und Bernd Schittenhelm segnete das Gremium den ersten Beschlussvorschlag der Verwaltung ab, das Kinderhaus mit fünf Regelgruppen auszustatten. Somit hat das neue Kinderhaus eine Reserve von 15 Plätzen.
Auch für die Betreuung der Kleinkindgruppen wurde großzügig gerechnet und die Vorgabe von 34 Prozent der Landesregierung überschritten: Die Verwaltung berücksichtigte bei einer Quote von 40 Prozent nicht nur eine Reserve, sondern auch einen möglichen, zusätzlichen Bedarf der ansässigen Unternehmen. Demnach werden in den vier Kleinkindgruppen 39 Kinder aufgenommen und betreut werden können. Nur Rat Bernd Schittenhelm, dem die Planung des Kinderhauses zu großzügig erschien, stimmte diesem Beschlussvorschlag nicht zu.
Mit diesen Entscheidungen des Gemeinderats ist der Weg zum neuen Kinderhaus im Gewann Himmelreich geebnet. Aus dem Applaus für die Entscheidung des Gremiums in den Reihen der Zuhörer, welche den Beratungen aufmerksam gefolgt waren, war die Erleichterung zu spüren. Hornberger gab am Schluss der Beratung offiziell bekannt, dass sich das Unternehmen fischer mit 500 000 Euro an der Finanzierung des neuen Kinderhaus beteiligen werde.