
Von Peter Morlok Waldachtal. Christian Lindner, Generalsekretär der FDP, und Michael Theurer, von der Horber Ortsverbandsvorsitzenden Angelika Engeln als "der regionale Sachverstand im Europäischen Parlament" angekündigt, standen in der Sägemühle auch zu unpopulären Fragen Rede und Antwort.
Wo kann man besser dicke Bretter bohren als an der Quelle, direkt neben dem Sägegatter, das die Bretter liefert? Wahrscheinlich nirgends und deshalb war dieser Platz auch besonders gut gewählt. Rund 100 Personen drängten sich im überfüllten Innenraum der Mönchhof-Sägemühle und hörten sich die Gedanken und Überlegungen der Spitzenpolitiker zu Afghanistan, dem Gesundheitswesen, dem Partei-Image, der Mehrwertsteuer-Gerechtigkeit, aber auch der EU-Müdigkeit, dem Euro-Verfall und der Enttäuschung der Menschen über die FDP-Politik an.
Lindner stieg mit einer provokanten Feststellung in den Dialog ein. "Die FDP ist keine Partei für Leute mit schwachen Nerven", so sein Erkenntnis. Ohne lange Vorrede ging er auf die Wirtschaftskrise ein. "Pumpkapitalismus" nannte er das Schneeballsystem, das nun alles unter sich begrabe. Rettungsschirme für Banken, Regierungen und ganze Staaten – er meinte Griechenland – mussten aufgespannt werden. So kann man seiner Ansicht nach keine Sozialwirtschaft mehr machen. Menschen, die auf den Umschwung hofften, seien deshalb in das Lager der "Nichtwähler" abgedriftet. "Die Menschen sind von der FDP enttäuscht – aber die FDP ist nicht die fünfte soziale Partei, sondern die einzig liberale", so sein Argument. Die Deutschen seien gleichheitskrank, so seine Einschätzung.
Die Einstellung "Was hat der andere, was ich nicht habe" habe die Sozialbudgets ins Uferlose wachsen lassen. Wenn man heute einen Jugendlichen frage, was er werden wolle, höre man oft: "Ich werd‘ Hartz IV", so der 31-jährige Politprofi.
Trotz manch schriller Kritik wolle die FDP in Bezug auf die Wertefrage sensibilisieren und warne vor einer rot-grünen Politik. Oder anders ausgedrückt: Gelb sieht Schwarz.
Horbs Ex-Oberbürgermeister Michael Theurer glaubt nach wie vor felsenfest an die EU und lässt sich auch von Sprüchen wie "Ihr werdet jetzt ja bald aufgelöst" nicht beirren. Im Wesentlichen wiederholte er die Argumente, die er bereits vor einigen Wochen im Horber Kloster vertrat (wir berichteten). Darunter so markige Sätze wie "Deutschland verschläft Europa" und "Die FDP ist der Hüter einer stabilen Währung". Seiner Meinung nach hilft Pauschalkritik an der Regierung nichts, denn Schwarz/Gelb suche noch nach der Grundmelodie. Er forderte, dass sich die Verantwortlichen einbringen, vermisst jedoch bei vielem die zupackende Mentalität.
In der Diskussionsrunde nach den Grundsatzvorträgen ging es teilweise hoch her. Der verbale Ausrutscher von Lindner, der Hausärzte in einen Sack mit dem Hausärztebund steckte, wurde ihm von Wolfgang Mieckley freundlich, aber konsequent um die Ohren gehauen. Dafür gab es für den Satz "Heute bleiben die FDP-Abfangjäger im Hangar, wenn die CSU aus München schießt" Applaus von den Parteifreunden.
Die Haushaltskonsolidierung hat in der FDP oberste Priorität und die Frage, warum man für den Big Mac, den man im Lokal isst, 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlt und für den, den man mitnimmt nur sieben Prozent, muss noch geklärt werden. In Vesperweiler gab es dagegen keine Fleischklopse, sondern deftiges Vesper, das wunderbar mit den teils rustikalen Wortbeiträgen harmonierte.
Hintergrund