Waldachtal-Lützenhardt - Alle Erwartungen übertroffen hat die riesige Hilfsbereitschaft für die Familie Jürgen und Sandra Geiger in Lützenhardt, die durch ihr schwerstbehindertes Kind Yves, das rund um die Uhr versorgt werden muss, ein berührendes Schicksal zu tragen hat.

Alle Lützenhardter Vereine haben sich bei der Benefiz-Veranstaltung in vorbildlicher Weise engagiert. Und die große Resonanz der Besucher war einfach überwältigend. Viele Waldachtaler unterstützten den "Tag der Nächstenliebe".

Dank der Initiative von Yves’ Patentante Anja Störzer und ihrem Mann Uwe kann die Familie Geiger darauf hoffen, dass sie den dringend benötigten Van anschaffen kann, um ihren fast fünfjährigen Sohn zur Therapie zu fahren und ausfahren zu können. Cheforganisator Uwe Störzer zeigte sich beeindruckt: "300 Besucher und ein starkes Engagement von zehn Vereinen und einem Team von 50 Helfern." Der Erlös des Aktionstages könne erst bekanntgegeben werden, wenn alle Rechnungen vorliegen und das werde noch dauern.

Stolz verkündete Schirmherr Heinz Hornberger, dass die Besucher beim ökumenischen Gottesdienst im voll besetzten Haus des Gastes 1800 Euro gespendet haben. Jürgen und Sandra Geiger mit Tochter Merle und Sohn Yves waren dabei und haben tapfer durchgehalten.

70 Vokalisten aus allen fünf kirchlichen Chören der katholischen und evangelischen Gemeinde Waldachtal trugen unter Leitung von Christian Platschko zu einer würdevollen Feier bei. Bürgermeister und Waldachtals Ortsvorsteher trugen Fürbitten vor. Pfarrer Anton Romer (katholisch) und Markus Arnold (evangelisch) erzählten im Gottesdienst die Beispielgeschichte vom barmherzigen Samariter. Dazu Arnold: "Wer ist mein Nächster?" Romer antwortete: "Es ist allein die Hilfsbereitschaft für in Not geratenen Menschen." So bauten sie eine Brücke zum "Tag der Nächstenliebe in Waldachtal". Gemeindepfarrer Romer wandte sich an die Familie Geiger: "Sie haben eine große Aufgabe zu erfüllen. Gott gebe ihnen die Kraft."

Im Wachkoma öffnet Yves die Augen und zeigt Rührung bei Musik

Neben dem Kindergarten und Männergesangverein trug der Musikverein zum Gelingen der Benefiz-Veranstaltung bei. Erstaunlich: Im Wachkoma öffnete Yves die Augen und zeigte Rührung, als die Musiker um Dietmar Harr ihre ersten Takte spielten. An Musik hat er Freude, stammt er doch aus einer musikalischen Familie. Vater Jürgen erzählte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass Yves in seinen besseren Lebenstagen seine Trompete (vom Vater) nicht mehr aus der Hand gegeben habe und selbst dem Alphorn Töne entlocken konnte. Fürwahr: Yves lebt auf durch Musik.

Ursula Nagel, die Kreisvorsitzende des Mitveranstalters, des Vereins "Donum Vitae", der in Horb und Freudenstadt eine Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle unterhält, berichtete, dass sie schon früh von den Eltern erfahren habe, dass sie ein behindertes Kind erwarten. "Sie haben ›Ja‹ zu diesem Kind gesagt und wir durften sie in all den schwierigen Situationen begleiten." Was jedoch alles an Ängsten und Prognosen der Mutter und dem Vater zugemutet wurde, wage sie kaum auszusprechen. Hinzu seien massive Probleme beruflicher und wirtschaftlicher Art gekommen. "Wie geht es Ihnen, wenn Sie die Not einer Familie sehen, die nicht weiß, ob sie Miete, tägliches Essen zahlen und ein schwerstbehindertes, pflegebedürftiges Kind ernähren kann? Und sie lieben diesen Yves sehr und möchten ihn in ihrer Obhut behalten?", sagte Nagel. Es sei "wunderbar und ergreifend", so die Kreisvorsitzende, wie sich die Bevölkerung in Waldachtal für Yves engagiere.

Ursula Nagel und Bürgermeister Heinz Hornberger sprachen der Familie Geiger ihre Hochachtung aus, dass sie das Leben bejaht haben. Hornberger sprach von einem bewegenden Moment, wie er ihn in seiner 39-jährigen Amtszeit noch nicht erlebt habe. Er und seine Frau Lola stünden in einer besonderen Beziehung zu Yves, weil er als Zweijähriger mit ihrem Enkelkind Luis-Kai Werner am Anlagensee gespielt habe. Hornberger stellte Professor Klaus Fischer, Waldachtal, den Verein "Mensch zu Mensch" mit Edgar Schwind, Empfingen, und einen Unternehmer aus dem Kreisgebiet, der ungenannt bleiben wolle, als die drei Großspender heraus. Der Schirmherr bekräftigte, Nächstenliebe zu beherzigen: "Wagen wir es, wieder mehr Menschlichkeit zu leben." Und weiter: "Wenn jeder auf dieser Welt ein Licht anzündet, wird es hell." (chinesisches Sprichwort). Er wolle auch weiterhin helfen, wo er könne.

Ortsvorsteher Ludwig Blum lobte die Waldachtaler und die Lützenhardter Vereine für ihre großartige Unterstützung der Aktion.

Dankbar sind die Veranstalter für die Unterstützung auf Spendenbasis: Die Essenspende stammte vom Gasthof Alte Post und dem Hotel Bel Vital, die Kuchenspende komplett vom Café Brünz, Kaffeespende vom Gasthof Waldeck, Getränke von der Hochdorfer Brauerei, Backwaren (Brezeln) von der Bäckerei Rupp und sonstige Spenden von Früchte Gaiser und Edeka CC.

Weitere Informationen: Spendenkonto Donum Vitae: Volksbank Horb/Freudenstadt. Kontonummer 38666006; BLZ 64291010Kreissparkasse Horb Kontonummer 401001, BLZ 64251060. Verwendungszweck "Yves Geiger"