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Waldachtal Gedichte lieber auf romantische Weise

Schwarzwälder-Bote, vom 03.02.2012 20:46 Uhr
Alexandra (links) und Brigitte Wisskopp waren mit ihren Gedichten bei einem Wettbewerb der Brentano-Gesellschaft erfolgreich. Ihre Gedichte wurden für die Frankfurter Bibliothek ausgewählt. 
Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote
Alexandra (links) und Brigitte Wisskopp waren mit ihren Gedichten bei einem Wettbewerb der Brentano-Gesellschaft erfolgreich. Ihre Gedichte wurden für die Frankfurter Bibliothek ausgewählt. Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Ina Armbruster Waldachtal-Oberwaldach. Die Gedichte von Mutter und Tochter stehen nun in den berühmtesten Bibliotheken der Welt: Brigitte und Alexandra Wisskopp haben es mit ihren Werken in die "Frankfurter Bibliothek" geschafft. Brigitte Wisskopp ist stolz auf ihre Tochter: "Es hat mich von den Socken gehauen", erzählt sie über den Moment, als sie das erste Gedicht ihrer Tochter las. "Ich fand es toll."

Doch nicht nur ihrer Mutter gefiel das Werk. "Ich habe das Gedicht für den Literaturunterricht geschrieben", erzählt Alexandra. Romantik war das Thema – perfekt für die junge Dichterin. Sie recherchierte im Internet und wurde auf die "blaue Blume" als Symbol für die Romantik aufmerksam, um die sich ihr Gedicht schließlich drehte.

Sie mag den Schreibstil der Romantik, Renaissance oder des Barocks, den Ausdruck der damaligen Zeit. "In modernen Gedichten kommt häufig Umgangssprache vor", sagt sie und das ärgere sie. Wörter wie ›verpennt‹ oder gar Vulgärsprache möchte sie weder lesen noch schreiben. Erst recht, wenn dazu die Grammatik nicht stimmt. "Ich finde, heutige Problemsituationen kann man auch in älteren Worten ausdrücken." Ihr Literaturlehrer konnte kaum glauben, dass sie das Gedicht "Unerfüllte Sehnsucht" selbst geschrieben hatte.

Alexandra reichte das Gedicht bei einem Wettbewerb der Brentano-Gesellschaft ein, die Beiträge für die "Frankfurter Bibliothek" suchte. Ausgewählte Gedichte werden dort veröffentlicht, der Band gehört zu den verbreitetsten Lyrikveröffentlichungen der vergangenen Jahrzehnte. Auch ein Werk ihrer Mutter – "Zwischenraum" – wurde ausgewählt.

Das Interesse an Literatur liegt in der Familie – wenn Mutter und Tochter auch auf ganz unterschiedlichen Wegen zu ihrem Hobby gekommen sind. Für Brigitte Wisskopp war es eine Möglichkeit, eine schwere Zeit in ihrem Leben zu verarbeiten. "Schreiben befreit die Seele", sagt sie. "Die Gedichte fließen direkt aus der Seele auf das Papier." Deswegen ändere sie auch im Nachhinein nichts mehr an ihren Texten. Wenn ein Wort im Moment des Entstehens das richtige war, sollte es auch bleiben.

Das sieht Alexandra anders. Sie überarbeitet ihre Texte durchaus, wenn ihr ein anderer Ausdruck passender erscheint. Wie bei der Arbeitsweise, so liegen Mutter und Tochter auch beim Stil nicht ganz auf einer Wellenlänge. Während die Mutter von Hesse schwärmt, liest die Tochter lieber Goethe. Alexandra veröffentlicht unter ihrem Namen, Brigitte nutzt den Künstlernamen "Caramel".

"Die Texte fallen mir meist im Physikunterricht ein"

Mit 14 schrieb Alexandra ihren ersten Fantasy-Roman, später Gedichte und lyrische Texte, die sie auch bei Wettbewerben einreicht. "Die Texte fallen mir meist im Physikunterricht ein", verrät sie lachend. Mit ihren Freundinnen, die selbst auch schreiben, tauscht sie sich darüber aus.

Dabei war es kaum abzusehen, dass sich Alexandra mal gerne mit den großen Literaten beschäftigen würde. In der Grundschule hatte sie Probleme damit, Lesen und Schreiben zu lernen, hat sich später von der Hauptschule über die Realschule bis zum Gymnasium empor gearbeitet und wird bald Abitur machen. Zum Beruf wird sie das Schreiben wahrscheinlich nicht machen, schließlich könne man damit nicht viel verdienen. Ein Studienplatz in Neurowissenschaften steht ganz oben auf der Wunschliste.

Die von der Brentano-Gesellschaft herausgegebene Frankfurter Bibliothek archiviert die lyrische Volkskultur für die Zukunft, ähnlich vergleichbaren Editionen des 19. Jahrhunderts, die die lyrische Gesamtkultur einer Epoche überliefern und heute wertvolle Nachschlagewerke für die Literatur- und Kulturgeschichtsschreibung darstellen.

Die Edition soll einen repräsentativen Querschnitt durch die literarische Kultur der Gesellschaft bieten. Sie ist auch ein Informationsmittel für Verlagslektoren, die sich über Autoren und ihre Beiträge zur Gegenwartsliteratur informieren wollen. Ebenso werden in vielen Bibliotheken Jahrgänge der Lyrikedition als Nachschlagewerk benutzt.

Über einen Wettbewerb können sich Autoren jedes Jahr mit ihren Texten für die Frankfurter Bibliothek bewerben. Die Frankfurter Bibliothek wird weltweit in den bedeutendsten Bibliotheken eingestellt – darunter die Wiener, die Schweizer und die Französische Nationalbibliothek, sowie in der National Library of Congress in Washington.

Quelle: www.brentano-gesellschaft.de

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