
Von Cristina Priotto Vöhringen. Wo könnten auf Gemarkung Vöhringen Windräder stehen? Dieser Frage ging der Gemeinderat am Montag nach. Hierzu wurden ein Teilflächennutzungsplan für Windenergie aufgestellt und die planerischen Leistungen vergeben.Gleich aus mehreren Gründen musste der seit Ende 2009 gültige Flächennutzungsplan fortgeschrieben werden. Wichtigster Anlass war jedoch der Windenergieerlass der grün-roten Landesregierung, die das Ziel verfolgt, bis zum Jahr 2020 etwa zehn Prozent des Stroms im Land aus Windenergie zu erzeugen.
Thomas Weigel, Ingenieur für Raum- und Umweltplanung vom Planungsbüro Nachtrieb & Weigel aus Speyer, erklärte den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung, warum es Kommunen zu Gute kommt, wenn sie im Flächennutzungsplan entsprechende Änderungen festlegen. "Wenn die Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Sulz/Vöhringen nicht anders plant, wären Windkraftanlagen auf dieser Gemarkung künftig privilegiert und ein Betreiber könnte sich direkt mit dem Grundstückseigentümer auf einen Standort einigen. Er bräuchte dann keine Genehmigung der Gemeinde mehr", erklärte Weigel. Deshalb empfehle es sich, in Ergänzung zum bestehenden Flächennutzungsplan bestimmte Vorrangflächen für Windräder auszuweisen.
Die heiklen Aspekte von Windkraftanlagen verschwieg Weigel nicht: eine Nabenhöhe von bis zu 120 Metern und der Lärm der sich drehenden Rotoren sorgten oft für Ablehung, wusste der Experte. Die Vöhringer Gemeinderäte konnte er jedoch beruhigen: Ein Windrad wie das in Oberiflingen liefere Strom für zirka 1200 Haushalte. In Vöhringen würde somit schon eine einzelne Windkraftanlage genügen, rechnete Weigel vor. Es gelte jedoch, den Mindestabstand von 700 Metern zur Wohnbebauung einzuhalten, außerdem sei es schwierig, Windräder in Naturschutzgebieten, auf FFH-Flächen oder in Biotopen zu errichten. Drei bis vier möglicher Standorte sollte jede Kommune ausweisen, andere Gebiete wären dem Ingenieur gemäß damit automatisch Tabuzonen für Windkraftanlagen.
Mögliche Flächen gibt es in der Nähe Vöhringens etwa nahe Wittershausen zwischen der Autobahnabfahrt und dem Gewerbegebiet "Wöhrt", dort wären auch Windaufkommen und -geschwindigkeit laut Windatlas mit 5,3 bis 5,5 Metern pro Sekunde ausreichend für eine Anlage.
Ein Grund, der Landwirte überzeugen könnte, Flächen für Windkraftanlagen zur Verfügung zu stellen, sind laut Thomas Weigel die Pachterträge. Städte und Gemeinden könnten durch Gewerbesteuer, Gebühren für Leitungen und für die Nutzung von Wegen von Windrädern profitieren. "Der Beschluss heute ist noch keine Entscheidung, sondern nur eine Vorplanung", machte Bürgermeister Stefan Hammer deutlich. Bei einer Gegenstimme von Bernd Thiel sprach sich der Vöhringer Gemeinderat für eine entsprechende Fortschreibung des Flächennutzungsplans und für die Vergabe der planerischen Leistungen an die Büros Nachtrieb & Weigel und Pustal aus.
Die hierfür anfallenden Kosten übernehmen gemäß dem Gemarkungsflächenverhältnis zu 78 Prozent die Stadt Sulz und zu 22 Prozent die Gemeinde Vöhringen.