Vöhrenbach Vom Missverständnis zum Geheimtipp

Schwarzwälder-Bote, 12.07.2012 00:57 Uhr

Vöhrenbach. Seit nunmehr 30 Jahren bietet die GzVdE anlässlich des Vöhrenbacher Stadtfestes "einmaliges" Straßentheater. Ihr Spiritus Rector Kurt Heizmann nimmt dies zum Anlass für die folgende Betrachtung.

Die Unverwechselbarkeit liegt in der Art des Theaterspiels der GzVdE, der "Geselschaft zur Verblüffung des Erdballs", nämlich im Freien, was besonderen stimmlichen Einsatz erfordert bei all den Nebengeräuschen, und auch manche Zumutungen.

Wenn man sich die Videoaufnahmen von 1990 des Stückes, das jetzt wieder zur Aufführung kommt, ansieht, wird dies deutlich. Denn in dieser Straße war von einer den Wert der Darbietungen wenig schätzenden Stadtfestleitung die Aufstellung einer Kinderspringburg freigegeben worden. Noch größere Ignoranz zeigte sich darin, dass ein Klowagen drei Meter vor der Bühne aufgestellt werden sollte, was verhindert werden konnte. Auch Biercontainer waren so platziert worden, dass die Akteure von der Festmeile isoliert blieben und der fürs Publikum vorgesehene Platz sehr eng wurde.

So langsam setzte sich aber in den vergangenen zehn Jahren durch, dass das Straßentheater den durch die spezielle Vöhrenbacher Fasnet auch geschulten Nerv der Zuschuaer traf und der Zuspruch mit der Zeit immer größer wurde. Mit Stücken wie "Historisches und Hysterisches aus dem hinteren Bregtal oder das Nibelungenlied", "Siegfrieds Kampf mit den Heuschnupfenschrecken" und "Wind­drachen der grauen Vorzeit auf der Suche nach dem Geheimnis des Radiergummis" wurde ein Kontrastprogramm zu gängigen Bauerntheaterstücken à la Peter Steiner geboten.

Dafür nutzten die Akteure Nonsens mit Sinn, Skurriles, Klamauk mit teilweise dadaistischen Elementen, Verfremdungen als Parodie und Satire. Immer fließen in die Stücke auch Seitenhiebe gegen problematische Zeiterscheinungen ein. In "Radkäppchen und der böse Golf" (1988) wurde die Volkszählung aufs Korn genommen, wohldosierte Anspielungen auf lokale Politik und Ereignisse durften ebefalls nie fehlen.

"Frustikal aus den Bergen Frivols"

Der diesjährigen Aufführung liegt sehr ferne das Stück "Die Geier-Walli" von Wilhelmine von Hillern zugrunde. Den Originaltext kann heutzutage niemand mehr ernsthaft in Szene setzen, aber parodieren lässt er sich gut. Überkommene Rollenbilder von Mann und Frau lassen sich schön bloßstellen. Bevor der neue Text entstand, war 1989 Gelegenheit geboten, das Stück in Originalfassung mal auch von einer Laienschauspielgruppe anzusehen, was trotz guter schauspielerischer Leistungen bierernste, unfreiwillige Komik pur brachte, obwohl das gar nicht beabsichtigt war.

Der vollständige Titel der jüngsten Produktion lautet: "Die Geier-Walli oder Liebe, Landschaft, Gefühle und Gewühle, ein Frustikal aus den Bergen Frivols in einer Neubearbeitung des Romans von Wilhelmine von Hillern, weil sie partout in ihrem Text nicht wollte killern."

Nicht zu unterschätzende Hilfe in all den Jahren kam von einigen Bürgern, was die Voraussetzung war, Stücke überhaupt auf die Bühne zu bringen zu können. Wichtig waren die Unterstützung mit Vierkanthölzern und Schaltafeln durch Joachim Rombach, heute durch Markus Kaltenbach für die Theaterbühne, der Aufbau unter Leitung des inzwischen verstorbenen H. Demattio zusammen mit H. Obergfell, das Gerüst, um auf zwei Ebenen spielen zu können, – früher Hubert King, heute Helmut Möller –, die Zuschauerbänke von Franz Neumaier, die Tontechnik von Willi Kienzler, der Requisitenraum bei F. Lehmann und F. Hagen, der Strom von Elektro-Kleiser und die Duldung auf dem Anwesen Johann-Peter-Hebelstraße 8 durch H. Kleiser von der Waldrast und die Geduld der Anwohner der Hebel-Straße 8 und 6.

 
 
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