
Von Axel Wolf
Vöhrenbach. Für die Einwohner Vöhrenbachs hat die Fasnet 2012 eine ganz besondere Bedeutung, können sie doch das 150-jährige Bestehen des "Rosenmendigs"-Umzugs feiern. Grund genug für die Heimatgilde Frohsinn, einen schriftlichen Beitrag zu diesem Jubiläum zu verfassen.
Das "Illustrierte Unterhaltungsblatt" ist für den Arbeitskreis Stadtgeschichte der Heimatgilde eine passende Plattform, um historische Begebenheiten zu beschreiben. Das bislang letzte in dieser Reihe erschienene Heft erwähnt die Chronik Franz Josef Furtwänglers. Dieser verweist auf eine zeitgenössische Quelle: die Tagebücher von Josef Heine, der von 1813 bis 1872 lebte. Danach stand bereits anno 1862 ein Umzug im Mittelpunkt der Fasnet.
Über den Umzug des folgenden Jahres, er fand am 16. Februar statt, gibt es schon ausführlichere Informationen. So lautete das Motto: "Das Deutsche Lied", ergänzt durch den Hinweis "mit ausländischen Schattirungen in Scherz und Ernst bildlich dargestellt und humoristisch-carnevalistisch in Scene gesetzt".
Dieses Plakat, in einem alten Schrank in Freiburg zufällig entdeckt, zählt eine "Gallerie der Lieder" auf – 20 an der Zahl – und schließt mit dem Satz "Das Volkslied auf der Drehorgel, mit lebendigen Automaten und obligatem Knöpflefresser".
Es gibt sogar Hinweise darauf, dass der Narrenmarsch "Hans gang heim" bei diesem Anlass zum ersten Mal erklungen sein dürfte – auch wenn die närrische Tradition wesentlich weiter zurück reichte. "Fasnet in Vöhrenbach gab es aber schon lange vorher, zwar verboten, doch teils geduldet", heißt es im "Illustrierten Unterhaltungsblatt".
Schon das 50-jährige Bestehen des Umzugs war Anlass genug für einen Jubiläumsumzug, der unter dem Krachen zahlreicher Böller begann und zahlreiche Zuschauer aus den Nachbarorten anlockte. Der Tag endete mit einem großen Ball im Schützensaal.
Das 75-jährige Bestehen wurde kurioser weise ein Jahr zu spät gefeiert. Der Autor des "Unterhaltungsblatts geht aber nicht auf die Gründe für diese Verschiebung ein. Unter dem Motto "Fahrendes Volk" beteiligten am 28. Februar 1938 sämtliche Vereine vollzählig. Der Ball der Musik- und Feuerwehrkapelle in der Festhalle beschloss diesen besonderen Tag.
Der Zweite Weltkrieg brachte auch der Vöhrenbacher Fasnet eine Zäsur: Die Umzüge fielen aus. Im Jahr 1949 benannte sich die 1909 gegründete "Große Karneval Gesellschaft" um in "Heimatgilde Frohsinn".
Drei Jahre später wurde der Subloderehans geschaffen – seither die bestimmende Fasnetsfigur in Vöhrenbach. Geschnitzt hatte ihn Josef Rißler aus Balingen, ein Bruder des ehemaligen Präsidenten Hermann Rißler.
Rakete gelandet
Das "Hundertjährige" anno 1962 war ein rechtes Spektakel mit einem einen Kilometer langen Umzug, der von phantasievollen Darbietungen geprägt war. So landete auf dem Rathausplatz eine Rakete der ein Vöhrenbacher entstieg, der schon 100 Jahre im All gelebt hatte. Wie schon ein halbes Jahrhundert zuvor, fand auch diese Veranstaltung lobende Erwähnung in der Lokalpresse.
Noch eindrucksvoller soll es am 20. Februar hergehen. Denn zum "150-Jährigen" werden gut 1500 Mitwirkende erwartet, darunter auch die Narren aus der Nachbarstadt Furtwangen. Sie alle sind unter folgendem Motto unterwegs: "150 Johr Umzug närrisch bunt, sogar unser Spättle zum Jubiläum kunnt. Willkomme sin alle, jeder wo kann, ä riesä Party fierä mir dann."