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Vöhrenbach Ein blinder Bogenschütze trifft

Schwarzwälder-Bote, vom 15.08.2010 18:40 Uhr
Zusammen mit Trainer Paul Remaut (rechts) trainiert der blinde Vizeweltmeister im Bogenschießen, Ruben van Hollebeke, auf der Bogenschießanlage des Landgasthofs "Bad" in Eisenbach 
. Foto: Hummel Foto: Schwarzwälder-Bote
Zusammen mit Trainer Paul Remaut (rechts) trainiert der blinde Vizeweltmeister im Bogenschießen, Ruben van Hollebeke, auf der Bogenschießanlage des Landgasthofs "Bad" in Eisenbach . Foto: Hummel Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Markus Hummel

Vöhrenbach/Eisenbach. Ein blinder Bogenschütze, wie ist das möglich? Ruben van Hollebeke aus Belgien weiß, wie das geht. Schließlich ist er sogar Vizeweltmeister der blinden Bogenschüzen.

Weit über die Grenzen der Region hinweg bekannt ist das Bogensportzentrum des Landgasthofs Bad in Eisenbach, dessen Leiter Hubert Wursthorn sich auch beim Vöhrenbacher Ferienprogramm engagiert.

Mit einem Bogenplatz, einem sogenannten 3D-Parcours im Wald sowie einer beheizten Bogenhalle stehen den Anhängern dieser Trendsportart für alle Bedingungen und Anforderungen die geeigneten Möglichkeiten zur Verfügung.

Auch über Landesgrenzen hinweg kennt man Hubert Wursthorn und seine Einrichtungen. So war der Landgasthof in der letzten Woche Aufenthaltsort des belgischen Vizeweltmeisters im Bogenschießen, Ruben van Hollebeke sowie seines Trainers und Betreuers Paul Remaut. Das Besondere an dem 33-jährigen Sportler ist, dass es seit seinem 21. Lebensjahr blind ist.

Aufgrund seiner Krankheit besuchte der gelernte Schreiner für vier Jahre eine spezielle Schule für Blinde in Brügge/Belgien, auf der ihm beigebracht wurde, sich zurecht zu finden und zu lesen. Dort lernte er auch das Flechten von Sitzbezügen, welchem er auch heute noch als Teilzeitbeschäftigung nachgeht.

In der Schule, in welcher er auch seine heutige Freundin kennen lernte, wurde er von einem Lehrer auf das Bogenschießen aufmerksam gemacht. Damals konnte er selbst nicht glauben, dass dies für Blinde möglich ist. Trotzdem fand er gleich Gefallen an der Sportart und an der ungewöhnlichen Herausforderung.

Seit fünf Jahren trainiert Ruben van Hollebeke täglich bis zu 2,5 Stunden in seinem Verein St. Raphael in Brügge. Auch zu Hause hat er einen Bogenplatz, auf welchem er trainieren kann. Sechs bis acht Stunden pro Woche, vorwiegend an den Wochenenden trainiert er mit seinem ausgebildeten Trainer Paul Remaut.

Mittlerweile hat der sympathische Belgier schon an zahlreichen internationalen Turnieren für blinde Bogenschützen wie beispielsweise in Korea und in Großbritannien teilgenommen.

Bei den Paraweltmeisterschaften in Italien sowie im letzten Jahr in Tschechien holte er sich dabei jeweils den Vizeweltmeistertitel.

Eine besondere Konstruktion dient ihm dabei als Orientierungshilfe. Diese von seinem Trainer entworfene Konstruktion wird zum Beginn eines Wettkampfes gemeinsam auf das Ziel ausgerichtet.

Der Schütze hat einen festen Platz zum Stehen und lediglich eine Art seitlichen Anschlag, mit welchem er die Richtung erkennt. Der Bogen wird aber frei gehalten. Ein Klicker am Bogen zeigt dem Schützen akustisch, wann er die Sehne ausreichend gespannt hat.

Während des Wettkampfes darf der Trainer lediglich durch Ansagen einer Uhrzeit und der Ringfarbe ausdrücken, wo der letzte Pfeil auf der Scheibe gelandet ist. Der Schütze muss freihändig entsprechend korrigieren.

Ruben van Hollebeke zeichnet vor allem auch ein hohes Mass an Selbstvertrauen und Disziplin aus.

Aber an Wettkämpfen wird er durch den Wettkampfstress trotzdem etwas unsicherer, wie er im Gespräch lachend erzählt.

Nach Eisenbach kam er auf eine Empfehlung seines Lehrers aus der Blindenschule in Brügge, der hier auch schon Urlaub gemacht hat.

"Es ist wunderschön hier zu wandern und das Essen ist hervorragend", berichtet er erfreut. Sein Ziel für die nächsten Jahre ist das Erreichen des Weltmeistertitels und die Teilnahme an den Paralympics.

Leider ist das Bogenschießen für Blinde noch nicht in die olympischen Wettkämpfe mit aufgenommen. Aber er und sein Trainer sind zuversichtlich, dass sich dies in den kommenden Jahren ändern wird.

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