
Vöhrenbach (sh). Vielen ist es gar nicht mehr bewusst oder in Erinnerung, dass das Spättle einmal offiziell zur Vöhrenbacher Fasnet gehörte. Entstanden ist diese Figur in den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter dem Einfluss der Nationalsozialisten. Denn diese versuchten im Sinne ihrer völkischen Ideen, angebliche Traditionen in den Vordergrund zu stellen.
Beim Freiburger Zunftabend am 17. November 1934 wurde festgestellt, dass es "Wunsch und Wille unserer national-sozialistischen Regierung ist, altes Volks- und Brauchtum zu erhalten, zu pflegen und es da, wo es ... in Vergessenheit geriet, wieder aufleben zu lassen", wie Berthold Hamelmann in seinem Buch "Helau und Heil Hitler" berichtet. So war es anscheinend auch erklärtes Ziel, den rheinischen Karneval zurückzudrängen zu Gunsten der "Traditionsfiguren". Zu diesen gehörte natürlich im Schwarzwald auch das Spättle.
So galt als Vorbild für diese neue Vöhrenbacher Figur das Häs der 1926 gegründeten Furtwanger Narrenzunft Spättlebuebe. Bereits 1935 ist in verschiedenen Dokumenten und auf Bildern bei verschiedenen Gelegenheiten in Vöhrenbach dieses Spättle, häufig als Einzelfigur, zu entdecken. Rudi Hirt selbst erinnert sich, dass bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs das Spättle immer den Vöhrenbacher Umzug anführte, so beispielsweise auch aus Anlass des 75-jährigen Bestehens der Rosenmontagszüge 1938.
Auch nach dem Krieg wurde das Spättle wieder an der Fasnet getragen. Doch dann entstand in Vöhrenbach der Sublodere Hans. An dem alten Häs, zuletzt immer wieder
Motten im Gewand
getragen von Emil Imhoff, hatte niemand mehr Interesse. Es hatte bereits stark gelitten, unter anderem waren die Motten im Gewand. So konnte es Rudi Hirt erstehen, der dann auch die beschädigten Spättle ersetzen ließ. Ebenso ließ er die Maske von einem Villinger Fassmaler nach dem Vorbild des Villinger Narro neu fassen. Wie die Maske zuvor ausgesehen hatte, lässt sich nicht mehr genau feststellen. Ebenso ist unbekannt, wo diese Maske geschnitzt wurde. Es gab allerdings zu damaligen Zeiten auch in Vöhrenbach Holzschnitzer, die derartige Masken fertigten.