
Von Siegfried Kouba
Vöhrenbach. Mit seinem Vortrag "Die Theologie der Buntglasfester in der Pfarrkirche St. Martin" hat Pfarrer Martin Schäuble Altbekanntes aus dem Dunkel des Alltäglichen herausgerissen.
Schäuble ging bei der Veranstaltung des katholischen Bildungswerks im "Ochsen" auf die Entstehung der Kirche ab 1953 ein. Die Buntglasfenster wurden 1954 eingebaut. Vom Künstler Hans Baumhauer ist wenig bekannt. Er wurde 1913 in München geboren, richtete sich in Freiburg ein Atelier ein und starb 2001. Seine Bilder, Mosaiken, Plastiken und Fenster sind in vielen Kirchen zu finden. Eine Besonderheit ist, dass die Vöhrenbacher Fenster in seiner Werkstatt hergestellt wurden.
Die Flachglasstücke sind durch Bleiruten verbunden. Ob traditionelles Kathedralglas oder modernes Fensterglas verwendet wurde, müsste noch ermittelt werden. Teils scheint Schwarzlot mit Silbergelb zur Kontrastierung aufgetragen.
Baumhauer muss theologisch bewandert gewesen sein, was im christologischen Programm zu bemerken ist. In 16 großen Bildern schlägt er eine "biblia pauperum" (Armenbibel) auf, die zwischen Welterschaffung und Jüngstem Gericht die Werdens-, Leidens- und Erlösungsgeschichte des Heilandes plastisch werden lässt.
Pfarrer Schäuble erläuterte zunächst die Hauptphasen der kirchlichen Baukunst. Die Kirchen seien Versammlungsraum, aber auch Ausdruck von Gläubigkeit. Die mächtigen Gotteshäuser der Romanik stellten "Ein feste Burg ist unser Gott" dar, wie Martin Luther den Psalm 46 gesanglich zitierte. Die "durchbrochene" Gotik fordere den Blick nach oben "zu Gott im unzugänglichen Lichte".
"Ein Stück vom Himmel herab ziehen"
Der Barock war voller Lebensfreude und sollte "ein Stück vom Himmel herab ziehen". Die Kirchen der Moderne sind Zweckbauten, die nach der Volk-Gottes-Theologie (zweites vatikanisches Konzil) auf das Zentrum von Altar und Tabernakel hinweisen.
Die Fenster offenbaren Licht und Glaubensgeheimnisse. Die Bilder im Chorraum zeigen zentrale Aussagen von Abendmahl und Kreuzigungsopfer. Jesus Christus wird mit Kreuz-Nimbus dargestellt. Umgeben ist er von den Jüngern. Abgewandt von der Tischgemeinschaft und ohne Glorienschein ist Judas mit einem Geldsäckchen zu sehen. Die Trilogie der beiden Bilder plus Altar bedeuten Leiden, Tod und Auferstehung als Zeichen der katholischen Messe.
An der Nordseite (Frauenseite) beginnt die "Theologie in Bildern" mit der Schöpfungsgeschichte. Der Zyklus wird getragen von den göttlichen Symbolen Glaube, Hoffnung und Liebe (Anker, Kreuz und Herz). Das zweite Bild schildert die Verkündung an Maria durch den Erzengel Gabriel, gefolgt von der Geburt Jesu, über der das "et in terra pax hominibus" schwebt. Die Anbetung der Heiligen drei Könige wird gefolgt von der Darstellung Jesu im Tempel. Danach erscheint die Taufe im Jordan durch Johannes. Wunder und Gleichnisse werden in der Hochzeit zu Kanaa angedeutet. Brotvermehrung, Pietà, Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten, Marienkrönung und das Jüngste Gericht runden die Bildfolge auf der Südseite ab.