Von Martina Zieglwalner Villingen-Schwenningen. Die unzähligen Kuchen, die es in der Schwenninger Vesperkirche nach dem Mittagessen zum Kaffee gab, haben mit zur gemütlichen Atmosphäre beigetragen und zum Verweilen eingeladen. Eine Torte in der gelben Farbe der Vesperkirche gab es gestern als Dank für die Bäcker in der evangelischen Pauluskirche.

200 Menschen hätten in den vergangenen vier Wochen 700 Kuchen gebacken, nennt Pfarrer Andreas Güntter einige Zahlen. Viele hätten gleich mehrfach Backwerk angeliefert, um all die Besucher mit Süßem zu versorgen. Unter ihnen auch zahlreiche Spender, die seit Jahren mit von der Partie seien. Als Überraschung hatte er die Nachwuchsmusiker Marlene und Laurenz Wolf engagiert, die gerade einen Preis beim Regionalwettbewerb von "Jugend musiziert" gewonnen haben und jetzt auf Landesebene ihr Talent am Marimbaphon unter Beweis stellen. Zusammen mit ihrem Bruder Gregor und Vater Karl Koch begeisterten sie die Zuhörer mit Percussionmusik, die Groove in die Kirche brachte.

Besonderes Flair herrscht bereits seit vier Wochen im Kirchenraum: Die Bänke sind Tischen gewichen, die jeden Tag festlich gedeckt sind. Viele Menschen, die alleine seien, hätten das tägliche Mittagessen genutzt, um mit anderen ins Gespräch zu kommen, erzählt Güntter. Aber auch wer es nur genießen wolle, mit anderen am Tisch zu sitzen, sei willkommen. Gerade jene, die mit sozialen oder psychischen Problemen zu kämpfen haben und am Rand der Gesellschaft stehen, seien froh, dass es solch einen Treffpunkt gibt. Stammgäste der vergangenen Jahre seien dieses Mal noch regelmäßiger gekommen als früher. "Die Möglichkeit besteht, Kontakt aufzunehmen, aber niemand muss es", beschreibt Güntter das zwanglose Angebot, das sich nicht nur an Bedürftige richtet: "Das Erlebnis des Miteinanders, tut uns allen gut." Für viele Menschen, die sonst über Mittag in der Wärmestube seien, bedeute die Vesperkirche eine Zeit der Festtage.

Die sind nun schon wieder gezählt: Am Sonntag geht die zehnte Auflage mit einem Gottesdienst ab 10 Uhr und dem anschließenden Mittagessen zu Ende. Und heute, Samstag, heißt es ab 19 Uhr nochmals "Kultur in der Vesperkirche". Der Schauspieler Markus Stöcklin aus Königsfeld führt "Novecento" auf, eine Bühnenbearbeitung der "Legende vom Ozeanpianisten" von Alessandro Baricco.

Die Bereitschaft, sich mit verschiedensten Talenten in die Vesperkirche einzubringen, sei groß, freut sich Güntter. Er renne überall offene Türen ein, könne auf Sponsoren und Mitstreiter bauen, ob eine Fußpflegerin, die ihre Dienste anbietet, die Konditorei Acerbi, die mit der Torte für die Kuchenbäcker kam, oder die Wäscherei, die für saubere Tischdecken sorgt. Ein Team mit 345 Mitarbeitern stehe zur Verfügung, von denen jeden Tag 45 Helfer im Einsatz seien. Eine große Stütze stelle auch der internationale Bund dar, die Schüler seien teils sogar in den Ferien gekommen. Manch einer habe Urlaub genommen.

Froh ist Andreas Güntter, dass dieses Jahr 75 neue Mitarbeiter mit anpackten. Denn ein Generationswechsel zeichne sich ab: Nach zehn Jahren sei für einige Mitstreiter der ersten Stunde Schluss. Aber die Vesperkirche öffne auch im kommenden Jahr ihre Türen. Und sicherlich wieder in der Pauluskirche, die mit ihrer heimeligen Atmosphäre ihren Anteil am Erfolg habe.