
Betrifft: Architekten kritisieren Standort von XXX Lutz: Vor wenigen Tagen wurden die Verlautbarungen der Villingen-Schwenninger Architekten veröffentlicht, was leider nur Lobbyismus der einfachen Art war. Eine Berufsgruppe, die durch alle gesellschaftlichen Gruppierungen Aufträge erhält, ist der Gesamtgesellschaft – auch der Kreativität – verpflichtet und hat vorwärtsschauende Konzepte zu liefern. Ein geäußerter Tadel ist nur dann wirkungsvoll, wenn damit zielführende Lösungswege aufgezeigt werden. Kritik als Selbstzweck ist destruktiv, sie schadet der Stadtentwicklung und diskeditiert seine Absender. Gerd Zulley, als ehemaliger Vertreter der Stadtplanung, nimmt dabei eine kärgliche Haltung ein, gleich einem Mann ohne Rückgrat. Das Möbelhaus XXX Lutz muss als Chance begriffen werden, daher darf man sich im Standort nicht vergreifen. Die zentrumsnahe Lage schöpft optimal die Vorteile aus. Der enge räumliche und funktionelle Zusammenhang zur Innenstadt lenkt neue Besucherströme in die Stadt. Der Nebeneffekt ist, dass ein breites Warensortiment angeboten werden kann, das den Wettbewerb beflügelt. Wirkungsvoll wird so dem ungünstigen Branchenmix in Villingen begegnet, was neue Anstrengungen auslösen wird, von denen alle profitieren. Die Stadtentwicklung von VS, bestehend im wesentlichen aus zwei Stadbezirken, findet ihr Ziel im innerstädtischen Bereich, nicht im Abseits oder der Auslagerung in dritte Stadtteile, die dadurch auch nicht gesünder werden, was für alle angestrebten Maßnahmen gilt, sei es Rathaus, Schwimmbad oder sonstiges. VS ist eine Stadt, es ist unwichtig, in welchem Stadtteil eine Einrichtung angesiedelt ist. Es ist allenfalls eine Frage der Erreichbarkeit und des öffentlichen Nahverkehrs. Der großzügige Fußgängerbereich in Villingen hat frischen Wind in die Stadtmitte gebracht, was weiter auszubauen ist. Die Umwidmung wurde von den gleichen Kräften verzögert, die jetzt die Ansiedlung des Möbelhauses verdammen. Zu werten ist noch, diese Gruppierung hat den ungünstigen Branchenmix der Villinger Läden mitzuverantworten, es sind Immobilieneigner, ehemalige Ladenbetreiber, die eine optimale Rendite für ihre Gewerbeflächen suchten und fanden, was legitim ist. Die Meinungsführerschaft und Deutungshoheit hat damit das interessengeprägte Klientel in dieser Sache verloren. Sie stehen jetzt vereint in der unsachgemäßen Kritik mit den Architekten der Zukunft im Wege, sie haben sich selbst ausgeschlossen. Das Gemeinwohl ist für die Stadtqualität maßgebend, nicht die – oft entwicklungshemmenden – Einzelinteressen. Motivierende Stadträume stiften Identität, sie schaffen neue Anreize: ein günstigeres Investitionsklima wird erreicht, wovon alle partizipieren. Dieter Liepold, Villingen-Schwenningen