
Villingen-Schwenningen (bn). "Wir sind keine Partei!" Siegfried Reith konnte seinen Ärger kaum zügeln. Bei der Mitgliederversammlung der Freien Wähler VS wurde deutlich, dass die Frage einer Kandidatur für die Landtagswahlen die Bürgervereinigung spaltet. Eigentlich wollte Vorsitzende Dagmar Heinrici nur informiert wissen über die vom Landesverband erneut fast einstimmig erzeugte Ablehnung eines Antrages aus Waldshut, sich doch der nächsten Landtagswahl 2011 zu stellen und darüber, dass sich jüngst neben dem Verband eine "Landesvereinigung" gegründet hat, die genau das erreichen will. Eine Diskussion zum Thema soll folgen.
Doch die Ablehnung der Mehrheit der doppelstädtischen Freien Wähler (FW) einer Beteiligung an Landes- oder gar Bundespolitik brach sich schon an diesem Abend Bahn. Christian Zschocke, der die Gründungsversammlung der Landesvereinigung jüngst in Rottweil verfolgt hatte, berichtete von "flachem, undifferenziertem und klischeehaftem Stammtischgerede" und "dass da nicht die Besten sitzen".
Christel Bächle-Blum, Freie Wählerin aus dem Gemeinderat Unterkirnach und an diesem Abend Gast, brach hingegen eine Lanze für das neue Gremium, das erst am Mittwoch in erster Instanz eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Landesverband gewonnen hat und sich jetzt "Landesvereinigung der Freien Wähler Baden-Württemberg" nennen darf.
"Das versteht der Wähler nicht", zeigte sich FW-Kreisvorsitzender Albert Helmstädter überzeugt. Auch er lehne Parteipolitik ab, widerspreche sie doch der grundsätzlichen Idee der Bürgervereinigung, die in Baden-Württemberg auf kommunaler Ebene stärkste Kraft sei. Im Landtag könne man zwar "mitreden, aber nicht mitbestimmen", befürchtet Helmstädter. "Partei" – und das müssen die Freien Wähler laut Landesgesetz sein, wollen sie sich der Wahl stellen – sei doch mit "Bürgerwohl" definiert, und "das wollen wir ja", widersprach Bächle-Blum und blickte nach Bayern, wo die Freien Wähler bereits mit wachsendem Erfolg im Landtag sitzen.
Die Regularien des Abends waren schnell abgehandelt. Vorsitzende Heinrici berichtete von einem ereignisreichen Jahr, Sybille Fuchs von einer ausgeglichenen Kasse, und Vorstandsmitglied Christian Reith führte eine Satzungsänderung herbei, wonach künftig bis zu zehn Beisitzer zum Vorstand wählbar sind.
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