Villingen-Schwenningen - Spart sich die Polizei teure Streifenfahrten? Spritkosten wurden zwar deutlich gesenkt, "doch nicht auf Kosten der Sicherheit", so Polizeichef Roland Wössner. "Die Straßenkriminalität erreicht einen neuen Tiefstand."

Doch nicht nur die Kurve für Körperverletzung, Raub oder Vandalismus zeigt markant nach unten, analysiert Roland Wössner die Entwicklung für das Jahr 2012, auch die Gesamtentwicklung in Oberzentrum und Kreis zeigt nach unten. Alarmierend ist für den langjährigen PD-Chef jedoch die Tendenz bei einem "der empfindlichsten Delikte": Die Zahl der Wohnungseinbrüche habe deutlich zugenommen. "Wir sind gerade dabei, die Hintergründe für diese Entwicklung zu analysieren." Wössner weist jedoch darauf hin, dass dieser gestiegene Wert noch mehr als 40 Prozent unter dem Spitzenwert der neunziger Jahre liege. Genaue Daten zu allen Sparten werden im März vorgelegt.

Genau, sehr genau wird Wössner jedoch bei einem anderen Thema. In schöner Regelmäßigkeit bemängeln Bürger, dass die Polizei zu wenig Streife fahre. "Vermutlich, um Benzin zu sparen", so die Vermutung. Sündhaft teurer Sprit wurde tatsächlich in der Polizeidirektion VS gespart. Brachten es die Fahrzeuge der Polizei 1993 noch auf 1,6 Millionen gefahrene Kilometer und einen Spritverbrauch von 188 000 Litern, waren es im Vorjahr nur noch 90 000 Liter Sprit und 949 000 Kilometer.

Weniger Streifen-Kilometer, weniger Sicherheit? Diese Schlussfolgerung fegt Wössner mit einer Statistik vom Tisch: Lag die Zahl der Delikte in der Straßenkriminalität 1993 bei 3206 Taten, wurden 19 Jahre später nur noch 1403 Fälle angezeigt. Knapp fällt die eigene Analyse aus über diese Erfolgstendenz: "Das hängt mit unserem intelligenten Streifenkonzept zusammen. Nicht die Masse macht es, sondern die Qualität."

Auf die Straßen von Villingen und Schwenningen umgemünzt, heißt dies: Zur Sicherheit der Bürger werden nicht einfach Streifenwagen losgeschickt, "um nur Präsenz zu zeigen, wir setzen unsere derzeit knapp 330 Leute dort ein, wo sie gebraucht werden". Im Winterhalbjahr seien beispielsweise verstärkt Fußstreifen in Wohngebieten unterwegs, da in den kalten und dunklen Monaten die Zahl der Wohnungseinbrüche nach oben schnelle. Bislang sei diese Strategie aufgegangen. Im Frühling und Sommer dagegen werden Fußstreifen und Standkontrollen (Beamte beobachten aus dem Fahrzeug heraus) in den Innenstädten verstärkt, wenn sich das Leben wieder eher draußen abspiele.

Was Wössner anklingen lässt: Die Neustrukturierung hängt mit Haushaltsrestriktionen zusammen und dem Appell an die Reviere, weniger Sprit zu verbrauchen, analysiert Harald Ziuber, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei im Kreis. Mit einem "intelligenten Streifen-Konzept, weniger Streifenfahrten, mehr Fußstreifen und Standkontroleln", so Ziuber, versuche man den Sparzwängen entgegen zu wirken. "Entscheidend ist es für uns, Präsenz zu zeigen."