
Von Birgit Heinig Schwarzwald-Baar-Kreis. Dass sich Ethik und Organspende nicht ausschließen, wurde bei der Vortragsveranstaltung des Freundeskreises Schwarzwald-Baar-Klinikum in den Räumen der Firma Hess deutlich.Die Unsicherheit beim Thema Organspende ist nach wie vor groß, der Bedarf an Spenderorganen ebenfalls. Mit dem Transplantationsbeauftragten der Klinik, Bernhard Kumle, der evangelischen Seelsorgerin am Klinikum, Ute Gebert und dem Vorsitzenden des Ethikkomitees, Bernd Bierer, bemühte sich der Veranstalter um Aufklärung und darum, dass Baden-Württemberg als "geizigstes" Bundesland die rote Laterne in Sachen Organspende abgebe.
Das Publikum, darunter Etliche, die bereits mit einem Spenderorgan leben, ließ sich von Kumle das Verfahren Organspende aus medizinischer Sicht erläutern. Ängste, dass ein Patient, der nur im Koma liegt, bereits "ausgeschlachtet" wird, konnte der Oberarzt dabei nehmen.
Den Hirntod, der mit tiefer Bewusstlosigkeit, fehlenden zentralen Reflexen und dem Ausfall der Spontanatmung definiert ist, müssen zwei unabhängig voneinander untersuchende Ärzte im Abstand von zwölf Stunden feststellen, erst dann werde die künstliche Beatmung, die bis dahin die Herz- und Kreislauffunktionen noch aufrecht erhält, abgeschaltet. "Dann kommt die schwierigste Frage zum ungünstigsten Zeitpunkt an die unglücklichste Familie", weiß Kumle um das heikle Thema Organspende. "Das erscheint herzlos, ist aber weder unzulässig noch unzumutbar".
In glücklicher Lage sind diejenigen Angehörigen, die den Willen des Verstorbenen dazu kennen. "Wir wollen Menschen dazu bringen, sich Gedanken zu machen und diese zu Lebzeiten schriftlich oder mündlich zu äußern", wünscht sich Kumle.
Dabei werde jede Entscheidung akzeptiert. Pfarrerin Ute Gebert weiß hingegen, dass das vielen Menschen schwer fällt. "Eine Entscheidung, die sich im Laufe einer Biographie auch verändern kann, verlangt uns viel ab" sagt sie. Eine solche Entscheidung hat sie aber als sehr hilfreich für die Hinterbliebenen erlebt. "Organspende ist ein Akt der Nächstenliebe, aber keine Verpflichtung".
Wie gewinne ich Organspender auf eine ethisch einwandfreie Weise? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Ethikrat um Bernd Bierer. Die Entscheidungsbefugnis dürfe nicht auf Angehörige übertragen werden, die Freiwilligkeit müsse garantiert sein, sagt der ehemalige Amtsgerichtsdirektor. "Aus ethischer Sicht sei aber auch die heikle Frage erlaubt: Besteht nicht sogar eine Pflicht zur Überlassung meiner Organe an die Allgemeinheit?", umriss Bierer die Vielschichtigkeit ethischer Betrachtungsweise. Der Ethikrat spreche sich dafür aus, jeden entscheidungsfähigen Menschen im Laufe seines Lebens einmal vor die Frage zu stellen, ob er seine Organe spendet. Dem widerspricht die derzeit diskutierte Widerspruchsregelung, die in den meisten europäischen Ländern gelte. Wer in Spanien Urlaub mache und tödlich verunglücke, werde automatisch zum Organspender, so ein Hinweis aus dem Publikum.
Die Finalisten des überregionalen Bandwettbewerbs werden in der Scheuer ermittelt.