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Villingen-Schwenningen Stolperstein-Initiative gedenkt der Euthanasie-Opfer

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Friedrich Engelke stößt bei seinen Recherchen zu den Euthanasieopfern des NS-Regimes auch auf bislang unbekannte Opfer – wie Johann Heizmann aus Zimmern, dessen Foto auf Engelkes Laptop zu sehen ist. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder-Bote

Villingen-Schwenningen (bn). Am morgigen Sonntag, 19 Uhr, ist wieder Mahnwache auf dem Villinger Münsterplatz. Ging es bisher um jüdische Opfer, so erforscht Friedrich Engelke, seit Mai Vorsitzender des Vereins Pro Stolpersteine VS, diesmal die Geschichte von Menschen, die dem Programm "Euthanasie" zum Opfer fielen.

Der 71-jährige Physiker unterrichtete an der Fachhochschule Furtwangen und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit der Geschichte von Opfern des Nationalsozialismus – nicht nur der jüdischen. 75 Jahre nach der Ermordung von behinderten Menschen in der damaligen "Tötungsanstalt" Grafeneck, einem einstigen Jagdschlösschen, das noch heute bei Reutlingen am Rande der Schwäbischen Alb zu besichtigen und zu einer Gedenkstätte geworden ist, sucht Engelke nach dem Schicksal und den Hinterbliebenen hiesiger Opfer. 1940 wurden fast 11 000 kranke Menschen in Grafeneck vergast, rund 100 stammen nachweislich aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis.

Was die nationalsozialistischen Schreckensherrscher verherrlichend als "Gnadentod" bezeichneten, sei oft auch in den betroffenen Familien so empfunden worden, weiß Engelke. Heute sind es Schuldgefühle und Scham, die die Nachfahren oft schweigen lassen. Aber nicht alle: Der in Immendingen-Zimmern lebende Ekkehard Heizmann, Neffe von Johann Heizmann, hat sich bei Engelke gemeldet. Seine Erzählungen und Engelkes Internetrecherche ergaben eine Rekon­struktion des Lebens von Johann Heizmann, der am 8. Juni 1940 um 5 Uhr in ­Grafeneck vergast wurde. In der Sterbeurkunde steht als Todesursache "Hirnschwellung".

Johann Heizmann wird 1902 in Zimmern als eines von sechs Kindern geboren, geht zur Schule und will eigentlich Mechaniker werden. Doch die Familie kann das Lehrgeld nicht aufbringen. 1927 beschließt er, mit seinem jüngeren Bruder Albert nach Kanada auszuwandern. Dort versuchen die beiden, sich eine Existenz aufzubauen, werden aber um ihr gesamtes Hab und Gut gebracht und in die Heimat zurückgeschickt. Johanns Freundin hat inzwischen einen anderen geheiratet, er bekommt Depressionen. Ärzte bescheinigen zudem eine "beginnende Schizophrenie" und bestehen darauf, ihn in eine Heil- und Pflegeanstalt einzuweisen. "Nach Wiechs", folgert Engelke, denn die Fürsorgerechnung an die Familie (1500 Reichsmark) kommt vom Landrat in Lörrach.

1940 erreicht auch diese Anstalt die Order der "Verlegung von Anstaltsinsassen im Rahmen besonderer planwirtschaftlicher Maßnahmen". Johann Heizmann wird nach Grafeneck transportiert und – als einer von täglich rund 30 Menschen – sofort ermordet.

Die Idee der "Rassenhygiene" griffen die Nazis schon 1933 wieder auf. Im Juli 1933 wird das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" erlassen. Bis 1945 werden 360 000 Menschen deshalb zwangssterilisiert. Oder ermordet, wie Johann Heizmann.

 
 

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