Von Felicitas Schück Villingen-Schwenningen. Erstaunlich, was alles so in einen kleinen Trolley passt. Eine Flasche Kirschwasser, Bier, Rotwein, eine Tüte vom Müller-Markt, Kabel, elektrische Geräte, wirr geordnete Herrenklamotten und schließlich sogar Waschzeug förderten die Experten vom Sprengstoffteam aus Stuttgart am Villinger Busbahnhof aus dem Behältnis zutage.

Seit 7 Uhr morgens stand dort ein zunächst unbeachteter und unscheinbarer kleiner grauer Koffer am Bahnsteig E. Gegen 10.45 Uhr machte sich jemand Sorgen.

Es traf ein Notruf bei der Polizeidirektion VS ein. Sofort ließ Polizeidirektor Roland Wössner das gesamte Gelände absperren. "In solchen Tagen muss man bei herrenlosen Koffern auf Bahnhöfen mit allem rechnen", schilderte er, warum die Polizei außerdem den Bus- und Zugverkehr einstellen ließ. "Das kann alles Mögliche sein. Dieser Koffer wurde nicht als vermisst oder gestohlen gemeldet, wir können ihn nicht zuordnen."

Der Polizeidirektor überwachte das Geschehen am Busbahnhof persönlich, leitete die vielen Schüler, die wie gewohnt am Busbahnhof einsteigen wollten, zu Haltestellen am Kaiserring.

Aber auch das Landratsamt war auf dem Fußweg für ein paar Stunden unerreichbar. Weil der Koffer etwa 30 Meter entfernt vom Fußgängeraufgang zum Landratsamt stand, wurde dieser ebenfalls abgesperrt. Murrend mussten Fußgänger auf die Straße in Richtung AOK ausweichen, die rechts und links von Schnee umsäumt war. Unterdessen trafen durchaus noch Züge ein. Die ankommenden Reisenden erhielten per Durchsage die Information, dass sie den Bahnhof geradeaus durch den Haupteingang verlassen sollten.

Gegen Mittag erschien eine aufgeregte junge Dame bei einem der zehn Polizeibeamten, die das Gelände vor dem Aufgang zum Landratsamt absperrten. "Der Koffer meiner Oma wurde vertauscht. Ich soll mich hier um 12 Uhr mit jemanden treffen, der ihren Koffer hat." Sie hatte den dringenden Verdacht, es könne sich bei dem am Bahnsteig E stehenden Behältnis um den Koffer der Großmutter handeln.

Erst als sie erfuhr, dass das Behältnis bereits seit sieben Uhr am Bahnhof gestanden hatte, war sie überzeugt, dass es sich nicht um den Koffer der Oma handeln könne. Das Stuttgarter Expertenteam, das zufällig gerade in Freiburg weilte, traf gegen 12.15 Uhr mit einem roten VW-Bus ein. innerhalb weniger Minuten hatten die Männer den Koffer durchleuchtet und schließlich geöffnet.

"Ein interessanter Inhalt", findet Roland Wössner, der schon eine Ahnung hat, wem der Koffer gehören könnte. Einem Fernreisenden vielleicht, der schon in der Frühe mit einem Bus in seiner osteuropäische Heimat aufbrechen wollte. Der Koffer kommt jedenfalls bis auf Weiteres ins Fundbüro. Das er absichtlich hingestellt wurde, etwa, um die Polizei zu narren, schließt der Polizeidirektor aus.

Und wie mag es dem Reisenden ergangen sein, als er bei seiner Ankunft in der Heimat feststellen musste, dass der Schnaps, das Bier und der Rotwein sowie das Waschzeug und die Tüte fehlten? Im Koffer waren auch Handys. "An den Daten auf den Sim-Karten können wir möglicherweise die Identität des Koffereigentümers ermitteln", so Wössner.

Bis zirka 13 Uhr wurde der gesamte Bahnhofsvorplatz geräumt, die Bahnhofstraße von der Bickenstraße bis zur Luisenstraße gesperrt.