Villingen-Schwenningen Sorge: Kein Geld für andere Projekte

Schwarzwälder-Bote, 29.06.2012 01:15 Uhr

Von Uwe Klausner

Villingen-Schwenningen. 46 Millionen Euro soll der Neubau einer zentralen Stadtverwaltung kosten. Größte Befürchtung der Bürger: Für andere Projekte bleibt kein Geld mehr übrig. Diese Bedenken werden auch in den neun kleineren Stadtbezirken laut.

In den Ortschaften geht es bei den Debatten am Stammtisch und in den Häusern freilich auch um den Neubau der Stadt. Auf der grünen Wiese zwischen Villingen und Schwenningen will die Verwaltung zahlreiche Ämter zusammenziehen. Die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH (KE) hat in einer vom Gemeinderat in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie dem Gremium eine Zusammenführung zahlreicher Ämter im Zentralbereich empfohlen.

Skepsis überwiegt bei Ortwin Nufer, Ortsvorsteher von Pfaffenweiler, der auf die mögliche finanzielle Durststrecke verweist. "Dann müssen wir davon ausgehen, dass beispielsweise bei Schulen, Kindergärten und Straßen nimmer viel passiert", meint er im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten und ergänzt, dass in Pfaffenweiler befürchtet werde, dass auch das schnelle Internet nicht so flott umgesetzt wird, und Betriebe abwandern könnten. Die Idee, mit einer zentralen Verwaltung an Unterhaltungskosten zu sparen, leuchte ihm wohl ein. Doch sei nicht auszuschließen, dass ein Bauprojekt in dieser Größe teurer und in der Folge der Schuldendienst noch höher werde. Überdies könne die Verwaltung mit dem bisherigen Personal schon nicht alle Aufgaben abarbeiten. Wie werde es sein, wenn der Neubau einige Kräfte binde? "Ich bin hin- und hergerissen", sagt Nufer.

"Da muss man alles vorsichtig abwägen, erklärt Diana Kern-Epple, Ortsvorsteherin von Marbach. Wie in Pfaffenweiler werden auch in Marbach Sorgen über eine Verteuerung des Neubauprojekts geäußert. Die Folge könnte sein: Spardiktat für alle. "Da sind schon Befürchtungen da", gibt sie das Meinungsbild wider. "Ich sehe es als Gratwanderung", erklärt Diana Kern-Epple. Nachdenkenswert findet sie den Vorschlag von Klaus Martin (CDU), die Bürgerservicezentren in den Innenstädten auszubauen und auf einen Millionen Euro teuren Neubau zu verzichten.

Silke Lorke, Ortsvorsteherin von Weilersbach, hofft, dass durch einen möglichen Verwaltungsneubau "nichts liegen bleibt" und künftig Straßen ausgebessert werden können. Weilersbach sei insgesamt gut aufgestellt, unter anderem verweist sie auf die Halle, gleichwohl sei die Ortskerngestaltung ein wichtiges Thema. Sie persönlich sei für eine zentrale Verwaltung und den Neubau an zentraler Stelle, das sei nach 40 Jahren VS jetzt an der Reihe.

Mit der möglichen Zentralisierung der Stadtverwaltung unter einem Dach befasst sich nun heute, von 14 bis etwa 21 Uhr, der Gemeinderat bei der Klausurtagung im Hotel Ochsen in Schwenningen. Dabei beschäftigt sich das Gremium mit Finanzierungsmodellen, städtebaulichen Aspekten, einem Realisierungszeitplan und diskutiert offene Fragen. Schließlich will das Gremium in seiner Sitzung am 18. Juli eine Entscheidung treffen.

 
 
Kommentare (2)
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JUN
29
Leser, 12:54 Uhr

Projektleiter Joachim Wöhrle

Herr Wöhrle mag als Zunftmeister und Ansager beim Zapfenstreich gut sein, doch das Projekt 'Neues Rathaus' ist für einige Nummern zu groß. Projektleiter muss in dem Fall ein Archtekt sein und kein Verwaltungswirt. Aber es geben sich schon Paralellen auf. Seit die Hist. Narrozunft die Zehntscheuer gekauft hat, wird alles teurer vom Mitgledsbeitrag bis zum Zunftballeintritt. Auch hört man die Ratsherren immer jammern, dass sie kein Geld mehr haben wegen der Zehntscheuer. So wird es der Stadt gehen. Da hören wir seit 3 Jahren schon 'Wir haben kein Geld' Usache LGS und Neckaroffenlegung sowie Eisstadtion. Nach einem Grundsatzbeschluss zum Bau des Rathaus wird dann in VS überhaupt nichts mehr gemacht. Schulen, KiGa und Kitas motdürftig geflickt und Brücken sowie Straßen gesprerrt, wenn auch nur halbseitig. Die Finanzierung ist gelogen. Soll mir Herr Kubon oder Wöhrle mal sagen, wer die unter Denkmalschutz stehende städtischen Gebäude (alle wohlgemerkt in Villingen) wie Altes Kaufhaus, wie Amt für öffentliche Ordnung oder wie die Stadtkasse kaufen will. Wie lange steht der zentrale 'Haux-Komplex' schon leer? Also vergiß es 'Zunftmeister'

JUN
29
VS Bürger, 11:19 Uhr

Sorge: Kein Geld für andere Projekte

Die einzig richtige Entscheidung ist ein Bürgerentscheid. Alles Andere ist Machtmißbrauch.