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Villingen-Schwenningen So hätte Beethoven das Lied "happy birthday" komponiert

Von
Verzweifelt suchender Blick nach Leuchttürmen in der Bildungslandschaft: Dr. Dietrich "Piano" Paul, promovierter Mathematiker und Kabarettist in einer Person, am Freitagabend im Capitol. Foto: Trenkle Foto: Schwarzwälder-Bote

VS-Schwenningen. Was haben Bach, Beethoven und die Mathematik miteinander zu tun? Und alle drei mit Kabarett? Dr. Dietrich "Piano" Paul meint: sehr viel!

Der Musiker, promovierte Mathematiker und Kabarettist gastierte mit seinem Programm "Pisa, Bach, Pythagoras" im Capitol. Vermutlich gingen früher viele der Besucher in die innere Emigration oder nahmen gar wirklich Reißaus, wenn im Unterricht mathematische Formeln auftauchten. Anders am Freitagabend zum Programmauftakt des Wintersemesters der Volkshochschule Villingen-Schwenningen: Die Zuhörer zahlten sogar einen zweistelligen Eintrittspreis, um Mathematik zu erleben.

Mit etwas Phantasie könnte man auch im Theatersaal des Capitols einen Hörsaal erkennen – allerdings nicht mit unbequemen Holzbänken, sondern immerhin ausgestattet mit Plüschsesseln. Ein alter Overhead-Projektor sowie ein Flügel stellten auf der Bühne das Unterrichtsmaterial dar. Didaktisch klug wurde es jeweils im Wechsel genutzt. "Der OH-Projektor ist der Beamer für Arme", witzelte Paul, "wer mich mit Beamer möchte, muss das Vierfache zahlen".

Dem an der Technischen Universität München promovierten Mathematiker hat es die Musik angetan. Einst als Barpianist agierend, ist er längst mit seiner Wissenschaft in die theoretischen Tiefen der Musik eingestiegen. Und so offerierte er seinem Publikum eine im Kabarett ungewöhnliche Mischung aus Naturwissenschaft und Musik. Überall fände sich Mathematik in der Musik. Einer der Ersten, die dies erkannten, sei Pythagoras gewesen. Mittels Experimenten an einer Darmsaite habe er beispielsweise vor 2500 Jahren erkannt, dass wohlklingende Intervalle mathematischen Gesetzen folgten. Aber auch die viel komplexeren Zusammenhänge bei Bach, Beethoven oder Wagner fänden in der Mathematik ihren Niederschlag. Zuerst via Formeln und Symbolen an der Wand illustriert, folgte jeweils die Demonstration am Klavier – egal, ob einfacher Akkord, Choral oder Sonatenhauptsatz: Als Roter Faden durchzog das Programm das einfache "happy birthday", welches "Piano" Paul in verschiedenste Kompositionsstile transferierte. "So hätte es bei Bach geklungen, und so bei Beethoven... Mir ist schon klar, dass ein Choral im Kabarett eine zuverlässige Stimmungsbremse ist", so Paul. "Aber wenn ihn ein übergewichtiger, langweilig angezogener alter Mann spielt, ist das schon wieder subversiv." Ähnlich subversiv wie die russische Frauen-Punkband Pussy Riot, wenn sie in einer orthodoxen Kirche auftritt. "Sehen sie mich als Pussy Riot des deutschen Kabaretts!"

Wie sehr dem Wissenschaftler ein besserer Stand der Bildung am Herzen liegt, war in fast jedem der bis zum Sarkasmus reichenden Seitenhiebe zu spüren. So falle es beispielsweise schmerzlich auf, dass Grundschüler beim Eintritt in die fünften Klassen kein 1x1 mehr beherrschten. Auch das Korrigieren von Abiturprüfungen in Mathe sei anhand der vielen Fehler äußerst frustrierend. "Trotz der unzähligen Quizsendungen waren wir noch nie so blöd wie heute", meint der Doktor. Frau Merkel spräche zurecht davon, dass Bildung die zentrale Ressource des Landes sei. "Vielleicht sollten wir alle am Wochenende doch mal eine Schaufel zum Umgraben des Bodens in die Hand nehmen, um zu schauen, ob wir nicht doch noch eine Ölquelle finden!" Ihr Fett ab bekam auch die neue deutsche Rechtschreibung. Und sogar der ehemalige Finanzminister Hans Eichel: In einem seiner Wahlprospekte entdeckte Dr. Paul einst die Formulierung "jede zweite Mark, also jeder vierte Euro…". Wenn immer die Hälfte der Währung betroffen sei, dann gelte das für jede Währung. Kein Wunder, wenn die Finanzen bei solchen Rechnungen ins Wanken gerieten. Eine rund drei schulstündige Kabarett-Vorlesung: ungewöhnlicher VHS-Auftakt zum neuen Semester, aber äußerst unterhaltend und informativ zugleich.

 
 

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