
Von Eva-Maria Huber
Villingen-Schwenningen. Heißt der Blick des Bürgerwehrlers: "Schluss mit dem Gelage!"? Oder greift er gleich zum Humpen Bier, der ihm gereicht wird? Auch über Bilder des Villinger Malers Albert Säger lässt sich streiten. Bald kann man dies öffentlich tun: Was lange im Museum lag, soll in die Zehntscheuer.
Die Freude bei Museumsleiter Michael Hütt ist groß. Was derzeit noch im Alten Rathaus über zwei Stockwerke zwischengelagert wird, soll bald wieder von möglichst vielen Augen bewundert werden. Sieben großflächige, teils stark beschädigte Bilder, des Villinger Malers Albert Säger, der am 30. Januar 1866 geboren wurde und 1924 starb. Pitoreske Szenen aus dem historischen Villingen, die seit dem Jahr 1901 bis Ende der 50er Jahre im damaligen Gasthof Meyerhof in der Niederen Straße hingen. "Wenn wir heute noch solch einen Gasthof hätten, wäre das ein Traum", schwärmte Hütt gestern bei der Präsentation des kunsthistorisch wertvollen Septetts von dem damaligen Standort der Bilder, die etwa 1,75 Meter groß lang sind. 1958 gelangten die Werke in die Altertümersammlung des Museums. Der damalige Leiter, Paul Revellio, musst sie jedoch "auf Befehl eines Stadtrats" wieder aufhängen. Revellio soll damals vernehmbar gemault haben, kritisierte er doch, "dass dies ohne die zuvor dringend notwendige Renovierung" geschehen solle.
Schon damals war der Zustand sehr schlecht. Eine dicke Patina aus Nikotin überzieht jetzt noch die einst farbenfrohen Gemälde, die neben den Bürgerwehr-Männern die Villinger Zünfte, den Überfall bei der Kirnach, den Besuch Kaiser Maximilians, die Belagerung der Stadt im Jahre 1633, ein mittelalterliches Turnier auf dem Münsterplatz und Stadtgründer Romäus darstellen. "Stets rührend schöne Szenen und tolle Fantasien", ist Hütt fasziniert.
Doch nicht nur er gerät bei den Bildern, die 1901 entstanden, ins Schwärmen. Doris Feld war von der Bürgerwehr-Szene so angetan, dass sie auf ihr 60. Geburtstagsfest am kommenden Montag verzichtet und das Geld in die Restaurierung des "Supraporte" steckt, das einst über der Meyerhof -Tür hing. Zwischen 6000 und 12 000 Euro kostet eine entsprechende Restaurierung. Kommendes Jahr dann darf sich Zunftmeister Joachim Wöhrle über das großformatige Bild freuen, das auf Felds Wunsch hin in die neue Begegnungsstätte der Narrozunft, die Zehntscheuer, wandern soll.
Ob weitere folgen können, hängt vor allem davon ab, ob andere Privatpersonen dem Beispiel Doris Felds folgen und ähnliches Sponsoring bei den restlichen sechs Säger-Bilder betreiben. "Vielleicht war das ja eine Initialzündung", hofft Hütt. "Es soll in der Zehntscheuer nicht bei dem einen bleiben", fügte Wöhrle hinzu.