
Villingen-Schwenningen - Kein Kran drehte sich gestern Vormittag auf der Baustelle des neuen Zentralklinikums Schwarzwald-Baar. Mit rund 30 Leuten rückte das Hauptzollamt in Singen an und durchsuchte Büroräume und Unterkünfte der Bauarbeiter.
Vier von ihnen, Zimmerleute aus Rumänien, wollten sich sich die dortigen Zustände nicht mehr gefallen lassen und packten kürzlich beim Zoll aus. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse waren offenbar so gravierend, dass die Fahnder bereits gestern auf der Baustelle anrückten.
Von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Konstanz wurde dem Schwarzwälder Boten die Aktion bestätigt. Wegen des schwebenden Verfahrens mochte man noch keine näheren Angaben machen, "aber es läuft etwas", so eine Sprecherin. Dem Vernehmen nach ermitteln die Zöllner wegen Tatbeständen, die "nicht mehr auf der Ebene von Ordnungswidrigkeiten liegen", heißt es weiter aus gut unterrichteten Kreisen.
Helmut Zacher von der IG Bauen-Agrar-Umwelt aus Stuttgart ist Branchensekretär für das Bauhauptgewerbe und hegt Befürchtungen. "Die Schweinereien, die hier ablaufen, habe ich schon beim Bau der Messe Stuttgart erlebt, und die werden auch bei Stuttgart 21 nicht ausbleiben", sagt Zacher.
Die vier Arbeiter, die am Samstag vor einer Woche von der Baustelle verwiesen wurden, standen zunächst ohne Geld da. 1075 Euro erhalten sie als Pauschale für durchschnittlich zehn Stunden täglicher Schufterei und sechs Arbeitsstage in der Woche. Für Überstunden gibt es keinen Cent. Auch die Sozialabgaben sollen damit abgegolten sein. So steht es zumindest in den Lohnabrechnungen des Arbeitgebers.
"Ihr Job ist es, hinter den serbischen Stahlbiegern aufzuräumen", erklärt Zacher. Ihn unterstützt Mihai Balan, Organisationssekretär im Europäischen Verband der Wanderarbeiter mit Sitz in Frankfurt, bei dem Gespräch als Übersetzer. Außer Serben und Rumänen werden noch Albaner und Türken für die handwerklichen Arbeiten eingesetzt.