Villingen-Schwenningen Pläne für Synagoge gedeihen

Schwarzwälder-Bote, 11.05.2012 00:15 Uhr

Schwarzwald-Baar-Kreis (ewk). Seit Jahren macht die Evangelische Erwachsenenbildung unter dem Titel "Abrahams Töchter" eine vielfältig beachtete Integrationsarbeit mit Kommunikationsangeboten und informativen Seminaren.

Jetzt war ein Besuch im Betsaal der jüdischen Gemeinde in Rottweil dran. Zahlreiche Interesssierte aus Donaueschingen, Königsfeld und von Villingen bis Schonach nutzen die Gelegenheit, gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde den Sabbatbeginn zu feiern.

Dazu gab es noch ein besonderes "Vorprogramm". Es bestand die Gelegenheit, den ehemaligen Betsaal der bis 1938 bestehenden jüdischen Gemeinde Rottweil zu besuchen. Das mittelalterliche Bürgerhaus in der Karmelitergasse war für zwei Generationen religiöse Heimat der ehemals 99 Rottweiler Juden.

Wer darauf hingewiesen wird, versteht warum auf der Ostseite, also auf Seite der jüdische Gebetsrichtung, ein Fenster fehlt/zugemauert wurde. Dort stand einstens der Thoraschrank. Die Besucher waren überrascht, in dem heute gewerblich genutzten Raum Reste jugendstilanmutender Wandbemalung von Anfang des 20. Jahrhunderts zu sehen. Auf goldenem Grund findet sich eine Palme wie ein angedeuteter Vorhang, der an den Thoraschrein erinnert. Diesen gibt es aber ebenso wenig noch wie die einstmals darin verwahrten fünf Thorarollen.

Sie wurden wie auch das Mobiliar Opfer der Zerstörung am 10. November 1938. Eine der alten Thorarollen tauchte bei einem Antiquitätenhändler auf. Doch die Stadt und auch der Verein, der das Andenken an die jüdische Geschichte bewahrt, konnten die zum Kauf erforderlichen 25 000 Euro nicht aufbringen. Die vor zehn Jahren neu gegründete Gemeinde nutzt vorläufig andere Räume in der Innenstadt als improvisierten Betsaal.

Der ist für die Gemeinde von 260 Mitgliedern deutlich zu klein. Pläne für einen Synagogenneubau nehmen indes langsam Gestalt an. Damit die Gäste am Gottesdienst teilnehmen konnten, rückte man zusammen. Die Männer vorne mit Kippa dicht an dicht und die Frauen dahinter auf schmalen Bänken. Da es nicht leicht ist, einen Kantor beziehungsweise Vorbeter zu finden, leiten heute zwei junge Männer aus der Gemeinde das Gebet.

Nach dem Gebetsgottesdienst erlebten die Gäste noch den Segen über Wein und Sabbatzopf und einen wunderbaren Imbiss mit ostjüdischen Köstlichkeiten. Schließlich stießen alle mit Rotwein auf das Leben an, "Le Chajim", wie der jüdische Trinkspruch lautet. Gut gesättigt und voller neuer Eindrücke verabschiedeten sich die Besucher. Einige wollen auf jeden Fall zu einem weiteren Besuch in der jüdischen Gemeinde wieder kommen was freitags immer möglich ist.

 
 
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