Villingen-Schwenningen Nordstetten setzt mit Fest Meilenstein
Birgit Heinig, 31.07.2012 06:59 UhrVS-Nordstetten - Seit 1986 wird alle zwei Jahre ein Dorffest gefeiert. Das 13. war am Wochenende zugleich die Jubelfeier für 1250 Jahre seit der Ersterwähnung Nordstettens.
Damit zählt die Ansammlung von 110 Einwohnern zur ältesten auf dem Gebiet Villingen-Schwenningens. Das Dorffest ist eigentlich das Fest der Landjugend Mönchweiler, die mit großem Engagement und rund 80 Helfern auch in diesem Jahr ein sowohl kulturelles wie kulinarisches Programm auf die Beine stellte, das sich sehen lassen konnte und Besucher aus dem weiten Umkreis anlockte.
Diesmal trugen die Nordstetter Bürger rund um ihr Organisationskomitee mit Helmut Fleig an der Spitze ihren Jubiläumsteil dazu bei und ergänzten das Fest zu einem historischen Meilenstein, der nicht nur Geschichtsliebhabern das Herz erwärmte.
Der ehemalige Stall von Hartmut Benzing nahm nicht nur eine Bilderausstellung und Exponate aus Haushalt und Werkstatt längst vergangener Tage auf, er beherbergte am Sonntagmorgen auch die ökumenische Gottesdienstgemeinde von Pfarrerin Gerlind Maske-Lange und Pastoralreferentin Evelyn Zinser.
Großen Zuspruch erlebten Ernst Reiser und Stephanie Braun mit der angebotenen Höfewanderung, bei der die Geschichte von 20 Nordstetter Höfen nacherzählt wurde.
Der älteste und markanteste ist der "Stadthof" von "s'Meßners" direkt in der Ortsmitte. Mit Festschrift und Erinnerungsplaketten ausgerüstet genoss man dabei den Gedanken, dass Nordstetten 55 Jahre vor Villingen erste Erwähnung in den Geschichtsbüchern fand, auch wenn die Bezeichnung "Nord"stetten auf eine Wohnstätte im Süden, also Villingen, hinweist.
Dem Wetter zum Opfer fielen allerdings die geplanten Vorführungen der Feldarbeit mit historischem Gerät. Stattdessen präsentierten die Nordstetter, was Scheunen, Speicher und Garagen so hergaben, zeigten Traktoren aus vielen Baujahren, ein "Milchwägele", wie es bis 1945 zwischen Villingen und einen "Sonntagsschlitten", wie er winters für den Kirchgang oder zu einer Geburtstagseinladung genutzt wurde.
Trotz der Wetterkapriolen wurde am Samstag und Sonntag ausgiebig gefeiert. Von Alpenrock über Blasmusik des Musikvereins Mönchweiler und der Trachtenkapelle Obereschach bis hin zur Unterhaltungsmusik des Akkordeonvereins Blau-Weiß Villingen war für musikalische Umrahmung bestens gesorgt, und die Töpfe, Pfannen, Kuchenbleche, Fässer und Flaschen gaben dazu allerlei Köstlichkeiten preis. Die "evangelischen Eindringlinge aus dem württembergischen Ausland", wie die Nordstetter in den Geschichtsbüchern einst bezeichnet wurden, als sie beim Villinger Stadtrat ihre Einbürgerung beantragten, machten aus dem traditionellen Dorf- und einem einmaligen Jubiläumsfest ein denkwürdiges Ereignis, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.



