Villingen-Schwenningen Mehr Besonnenheit in Diskussion gefordert

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Oberbürgermeister Rupert Kubon (Mitte) macht sich mit Landrat Sven Hinterseh (links davon) und SPD-Landtagskandidat Henning Keune (rechts davon) vor Ort ein Bild von dem Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft. Foto: Seeger Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Wilfried Strohmeier

Der Schock bei Politikern, Gewerkschaftern und Helfern über den Anschlag in der Nacht zum Freitag sitzt tief. Es gab zahlreiche Reaktionen.

Villingen-Schwenningen. Die ersten waren Oberbürgermeister Rupert Kubon, Landrat Sven Hinterseh und Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Sie gaben eine gemeinsame Stellungnahme zu den nächtlichen Ereignissen ab: "Der versuchte Anschlag auf die Erstaufnahmestelle in der Dattenbergstraße heute Nacht in Villingen-Schwenningen wird einhellig und nachdrücklich verurteilt. Wir sind erleichtert, dass kein Mensch bei diesem heimtückischen Versuch zu Schaden gekommen ist. Wir sind entsetzt und verurteilen jede Form von Gewalt, die sich gegen die Flüchtlinge, aber auch gegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Unterkünften richtet. Die Sicherheit der Flüchtlinge und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat für uns höchste Priorität."

Mit Entsetzen reagiert der Donaueschinger Landtagsabgeordnete Niko Reith (FDP) auf den Anschlagsversuch mit einer Handgranate auf die Flüchtlingserstaufnahmeeinrichtung in Villingen-Schwenningen: "Die Gefährdung von Menschenleben ist eine Niederträchtigkeit, die ich bisher bei uns nicht für möglich gehalten habe. Schon in den vergangenen Wochen war immer wieder zu sehen, dass gerade in Villingen das Aggressionspotenzial in der Flüchtlingsdebatte auf allen Seiten besonders hoch war. Doch wenn heute nur noch Glück verhindert hat, dass Menschen verletzt oder getötet wurden, dann hat die Eskalation eine unerträgliche Stufe erreicht." Reith appelliert daher, zu einer unaufgeregten Gesprächskultur zurückzukehren. "Die aufgeheizte Stimmung, die zu feigen Anschlägen wie in Villingen ermutigt, ist nicht zuletzt das Ergebnis einer nur noch emotional geführten Auseinandersetzung, der jede Sachlichkeit abhanden gekommen ist und in der sich kaum noch jemand die Mühe macht, den Wahrheitsgehalt von Gerüchten zu hinterfragen", kritisiert der Abgeordnete mit Blick auf die Falschmeldungen und Demonstrationen der vergangenen Tage. Reith wünscht der Polizei einen schnellen Fahndungserfolg: "Unsere Polizisten setzen gerade alles daran, den oder die Täter zu finden. Hoffen wir, dass dies gelingt, auch im Sinne der Bürgerinnen und Bürger im Schwarzwald-Baar-Kreis."

Anlässlich des Handgranatenanschlags auf die Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen erklären der CDU-Kreisvorsitzende und Europaabgeordnete Andreas Schwab, der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei und der Landtagsabgeordnete Karl Rombach: "Wir verurteilen den feigen Anschlagsversuch aufs Schärfste. Zum Glück ist es letztlich bei einem Versuch geblieben, der weder Flüchtlinge, noch die Helfer vor Ort verletzt hat. Dennoch erachten wir die Wirkung als verheerend, denn sie erschwert einen konstruktiven Umgang mit den Flüchtlingsherausforderungen. Es kommt heute mehr denn je auf eine gesamtgesellschaftlich getragene Marschroute an. Solche Aktionen aber spalten unsere Gesellschaft, verkomplizieren einen ohnehin schon schwierigen Prozess und erschweren einen rationalen und zugleich humanitären Umgang mit den bestehenden Problemen zusätzlich."

Anja Lüders DGB-Gewerkschaftssekretärin: "Eine Handgranate zu werfen bedeutet, Tod, Verletzung und Verstümmelung über Mitmenschen zu bringen. Mitmenschen, die gerade erst Gewalt und Verachtung entkommen sind und sich zumindest mal in Sicherheit wähnen."

Der DGB-Vorstand betont, dass die Handgranate zwar entschärft werden konnte, "aber die Täter nicht den glimpflichen Ausgang im Sinn hatten", sondern mit Feigheit und unglaublichem Menschenhass gehandelt hätten. "Die Angst, die damit bei den Flüchtenden hier bei uns aufs Neue geschürt wird, ist grausam und entwürdigend." Schon seit langem engagiert sich der DGB-Kreisverband gemeinsam mit anderen Organisationen gegen rechtspopulistische und rassistische Aktionen im Raum VS. "Aber dieser Anschlag zeigt deutlich, wie weit sich dieser Rassismus und die Gewaltbereitschaft schon verdichten konnten, um einzelne Personen zu solch einer Tat hinzureißen. Wir werden verstärkt gegen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vorgehen und uns für eine humane und solidarische Gesellschaft einsetzen."

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