Villingen-Schwenningen Leser erleben Geschichte hautnah

Angela Baum und Kirsten Bäckermann, 29.05.2012 08:02 Uhr

Alpirsbach/Schiltach/Villingen-Schwenningen - "Wer die Geologie kennt, kann auch die gesellschaftspolitische Entwicklung des Landes verstehen." Unter diesem Motto erläuterte Klaus Grimm Lesern des Schwarzwälder Boten die Geschichte Baden-Württembergs bei interessanten Wanderungen.

Entlang der ehemaligen Grenze zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg wanderte eine Gruppe am Samstag. Bereits am Vormittag traf sich die muntere Runde mit Schwarzwaldguide Klaus Grimm am Bahnhof Alpirsbach, um zu Fuß die rund 13 Kilometer lange Strecke ins badische Schiltach zurückzulegen. Alle hatten ihre Wanderstiefel fest geschnürt, und so hieß es erst einmal einige der Schwarzwaldberge zu erklimmen, etwa um den ehemaligen Grenzpfosten sehen zu können, der auch heute noch von der Geschichte des Landes kündet, das seinen 60. Geburtstag feiert.

Fotostrecke83 Fotos

Am Sonntag und Montag starteten weitere Gruppen von Schwenningen nach Villingen. Zwölf Kilometer führten durch das Schwenninger Moos, zum Hölzlekönig, der die Grenze zwischen beiden Landesteilen markiert, zum Villinger Aussichtsturm und schließlich in die Altstadt.

Grimm wusste zahlreiche Anekdoten, Sagen und Mythen aus dem Schwarzwald zu berichten, und der Ausflug in die Heimatgeschichte und Landeskunde kam bei den Wanderern gut an. Beim Wandern ist ihm nicht zuletzt die Rückbesinnung auf das Wesentliche wichtig, fernab vom Massentourismus und abseits ausgetretener Wege. Und so kamen die Wanderer in den Genuss wunderbarer Aussichten, erfuhren Wissenswertes von Badenern, Schwaben und Alemannen und fanden sich zu netten Gesprächen während der Wandertour zusammen.

Besonders interessant waren auch Grimms Ausführungen zur Flößerei. Man erfuhr, dass sie ein Knackpunkt für die Grenzziehung war und dass Flöße bei Schiltach "nur" 600 Meter lang sein durften. Haslach und Hausach etwa waren württembergisch, Gengenbach war freie Reichsstadt, und auf dem Weg durchs Kinzigtal musste 13 Mal Zoll gezahlt werden – so oft wurde die Grenze zwischen Baden und Württemberg überschritten, denn der Großteil des Flößergebiets war badisch. Vom Zoll profitierten auch die Villinger, die 1684 eine Zollstation errichteten, um die Stadtkasse zu füllen – zum Leidwesen der Uhrenträger, die vom württembergischen Schwenningen durchs badische Villingen in die Welt ausschwärmten.

Grimm erklärte auch das Landeswappen. So sind die Schildhalter die beiden Wappentiere, der badische Greif und der württembergische Hirsch. In der Krone finden sich das fränkische Wappen, das Wappen derer von Hohenzollern, das badische Wappen, drei Hirschgeweihe für Württemberg sowie das Kurpfälzer und das vorderösterreichische Wappen.

Die Wanderer zeigten sich interessiert an den Geschichten aus der "Geburtsstunde" Baden-Württembergs. Grimm hatte dazu alte Karikaturen dabei und Kartenmaterial.

Zum Schluss – am Samstag in einem Biergarten an der Schiltach und am Sonntag und Montag im Spitalkeller der Narrozunft in Villingen – musste Grimm noch das Rätsel um den Gelbfüßler lösen. Die badische Version besagt, dass die badischen Soldaten gelbe Gamaschen trugen. Laut einer Version aus Karlsruhe-Durlach hatte der Markgraf die Zehntabgabe erhöht, worauf ihm die Durlacher Eier vor die Füße warfen. Die Version im Württembergischen beruft sich auf die gelben Lederhosen der Badener.

Bei Gesprächen, Bier, Wein oder Apfelschorle sowie badischen und schwäbischen Spezialitäten klangen die Wanderungen gemütlich aus.

 
 
Kommentare (0)
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen