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Villingen-Schwenningen Kunst aus Körnchen? Der Messertest!

Von
Kreisredaktionsleiterin Cornelia Spitz vom Schwarzwälder Boten (links) will wissen, was dran ist an dem Gerücht um den angeblichen Styroporhund:. Test bestanden, das Messer gleitet durch den Sandhund-Kopf wie Butter. Foto: Eich

VS-Villingen - Ein Hund aus Sand fläzt sich in der Niederen Straße auf einen roten Teppich. Kunst aus unzähligen Sandkörnchen – und der Erschaffer ein verkannter Künstler?

Die Einen zollen ihm unverhohlene Bewunderung. Auf dem Silbertablett klirrt es. Münze um Münze, die meisten davon silbern und gelb umrandet, prasselt auf das Metall. Für sie ist der 17-jährige Rumäne Trifan Mâdâlin ein wahrer Künstler. Kinder hocken staunend davor und verfolgen, wie der junge Mann mit seinem silberglänzenden Besteck an seiner Sandskulptur herumkratzt. Wieder und wieder zieht er dieselben Falten nach, arbeitet er die Krallen noch ein klein wenig deutlicher heraus oder zückt er seine Sprühflasche und spritzt er punktuell Flüssigkeit auf den Sand.

Während in den vorderen Augen Kinderaugen vor Bewunderung glänzen, wird hinten Kritik laut: "Das ist doch Betrug", "Diese Sandhunde sehen immer alle gleich aus", "Ich sehe immer nur die fertigen Hunde, nie einen Haufen Sand" – solche Bemerkungen raunen sich die skeptischen Beobachter zu. Einer erzählt von einem Anlieger, der morgens aus seinem Fenster über dem Sternenbäck geschaut haben will und nur Minuten später, nachdem er sich in der Küche kurz einen Kaffee aus der Maschine gelassen hatte, plötzlich auf einen fertigen Sandhund heruntergeschaut habe. Für ihn stand daher fest: Der Kern des Hundes muss aus Styropor sein.

Trifan lächelt milde und schüttelt den Kopf. "It’s real", sagt er in dem wenigen, gebrochenen Englisch, dessen er mächtig ist. Aber warum, fragt die Redaktion des Schwarzwälder Boten ihn, schauen dann diese Sandhunde alle gleich aus? Landauf, landab liegen im Sommer Sandhunde in den Fußgängerzonen, immer von ähnlicher Größe, immer eine Art Labrador, mal mit, mal ohne Welpen und nur selten sehe man einen großen Haufen Sand oder einen Hund in der Entstehung. Trifan zückt sein Handy. "See, I show", sagt er und scrollt auf dem Smartphone durch seine Bildergalerie.

"This was Stuttgart", sagt er und deutet auf einen Sandhund, dessen Pfoten tatsächlich geringfügig anders liegen als die des Hundes, der in der Villinger Niederen Straße gerade vor ihm liegt. "Konstanz, Freiburg – last week".

Trifan erzählt, er komme früh morgens, manchmal schon um 8 Uhr, und er bleibe bis abends, 21 Uhr. Drei bis vier Stunden benötige er, um solch einen Sandhund fertigzustellen.

Die Skulpturen unterscheiden sich wirklich, wenn auch nur in Nuancen. Mal ist der Kopf schmaler, mal faltiger. Mal schaut der Hund nach links, mal nach rechts, mal ruht der Kopf entspannt auf den Vorderpfoten, mal ist er zur Seite geneigt.

"Okay, wir machen einen Test – wir schneiden den Hund einmal in der Mitte durch" – der auf Englisch vorgetragene Vorschlag unserer Redaktion entsetzt den 17-jährigen Rumänen ganz offensichtlich. Die Umstehenden verfolgen die Diskussion mal belustigt, dann wieder gespannt. Trifan macht deutlich, dass er diesen Test nicht über sich, beziehungsweise seinen Sandhund ergehen lassen will. "Kaputt" sagt er und gestikuliert deutlich dazu. Aber er reinwaschen will er sich dann doch. Also nimmt er das von der Redaktion mitgebrachte Messer mit der etwa 30 Zentimeter langen Klinge und sticht dem Sandhund damit in den Rücken. Zum Beweis, dass das Messer wie Butter durch den Sandhund läuft, drückt er uns den Griff in die Hand und lässt uns das Messer hoch und runterbewegen. Mühelos und mucksmäuschenstill gleitet die Klinge in den Sand und wieder hinaus. Nach Styropor fühlt sich das nicht an. Trotzdem soll der Test noch ein bisschen weiter vordringen, in den Kopf des Hundes, jenen Teil der Skulptur, der dem Sandkünstler das meiste abverlangt.

Trifan ist nach kurzem Zögern einverstanden. Wieder nimmt er das mächtige Messer, diesmal sticht er dem Sandhund mitten in den Kopf. Wieder laut- und mühelos. Der Sandhund überlebt die Blessuren, und Trifan schaut die Tester mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ja, das war’s. Der Messertest ist vorbei, das Ergebnis eindeutig: einen Styroporkern hat der Hund nicht.

Doch wozu der Aufpasser?

Und trotzdem macht eines nach wie vor stutzig: Unweit von dem 17-Jährigen hält sich ständig, auch an diesem Donnerstag, mindestens ein Beobachter auf. Darf der junge Mann das Geld, das ihm die Passanten auf sein Tablett werfen, gar nicht selbst behalten? Ist da eine Drückerkolonne oder rumänische Bande am Werk und der junge Künstler ein Opfer? "Das ist der Normalfall", sagt Thomas Kalmbach von der Pressestelle der Polizeidirektion in Tuttlingen und setzt hinzu: "Wenn ein Rumänen, egal in welcher Form, bettelt, dann gibt der sein Geld ab". Nun möge das bei Künstlern eventuell anders sein, doch wenn er während seiner Darbietung unter Dauerbeobachtung stehe, dann liege der Verdacht doch sehr nahe. Ob man als Passant dann trotzdem Geld spendet, "das muss eigentlich jeder mit sich selbst ausmachen", so Kalmbach.

Das Magazin Focus legte an einem Beispiel in München einmal dar, wie rumänische Bettler-Banden in den häufigsten Fällen funktionieren: Die Hintermänner säßen, heißt es dort, oft im Ausland. Die Bettler selbst würden aus den Herkunftsländern "teils mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt" Ihnen werde beispielsweise eine Stelle in der Gastronomie in Aussicht gestellt, so die Polizei in München und weiter: "Stattdessen finden sie sich auf der Straße wieder und müssen erst einmal das Geld für Fahrt- und Organisationskosten erbetteln."

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