Villingen-Schwenningen Jubiläumsfest für Prachtstück der Kirchenmusik
Schwarzwälder-Bote, 22.08.2012 19:03 Uhr
Seit zehn Jahren begeistert sie die Besucher der Benediktinerkirche: die rekonstruierte Silbermann-Orgel. Foto: DischFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Martin Disch
VS-Villingen. Am 21. September jährt sich zum zehnten Mal die Einweihung der rekonstrurierten Silbermannorgel in der Villinger Benediktinerkirche. Zum Jubiläum werden am 22. September um 20 Uhr das Freiburger Barockorchester und der Organist Martin Schmeding ein Konzertprogramm mit Werken von Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi präsentieren.
Damit ist es den Verantwortlichen gelungen, das inzwischen weltweit bekannte Freiburger Ensemble für das Konzert zu gewinnen, bei dem auch die rekonstruierte Silbermannorgel als "Solistin" zu hören sein wird. Aufgrund der besonderen Stimmung des Orgelinstruments war das bisher noch nicht möglich. Deshalb dürfen sich die Zuhörer auf einen "Leckerbissen" freuen.
Die Silbermannorgel in der Benediktinerkirche zu Villingen hat eine lange Geschichte, die von 1751 bis heute reicht: Am 14. Januar 1751 war es zum Vertragsabschluss über den Bau einer neuen Orgel für die Reichsabteikirche St. Georgen der Villinger Benediktiner zwischen Johann Andreas Silbermann und dem Abt des Villinger Klosters, Hieronymus Schuh, gekommen. Der Orgelbau, der gewissermaßen ein östlicher Vorposten des französisch geprägten Orgelbaus in vorderösterreichischen (habsburgischen) Landen und somit im süddeutschen Orgelbaugebiet war, bereitete den Boden für Folgeaufträge, darunter Silbermanns größte Orgel für das Benediktinerkloster in St. Blasien.
Die Orgel war prächtig geworden und hatte einen guten Klang, wie der Reichsabt feststellte. Doch nur fünf Jahrzehnte, bis zur in Folge der Säkularisation 1803 erzwungenen Auflösung des Konvents, hatten die Villinger Mönche Freude an ihrem Kircheninstrument. Sie wurde auf Weisung des Großherzogs Karl Friedrich von Baden abgebrochen und für die neu erbaute protestantische Stadtkirche in seine Residenz Karlsruhe geschafft. Dort fiel sie nach zahlreichen, den Moden der Zeit unterworfenen Umbauten und Veränderungen bei einem Bombenangriff auf Karlsruhe 1944 in Schutt und Asche.
Mit der Rekonstruktion der verloren gegangenen Orgel durch den elsässischen Orgelbauer Gaston Kern ist das silbermannsche Instrument 250 Jahre nach dem Bau des Originals quasi wieder an seinen alten Standort in der Villinger Benediktinerkirche zurückgekehrt. Die feierliche Orgelweihe fand am 21. September 2002 statt. Im Gegensatz zum Original wurde die Silbermann-Orgel-Rekonstruktion gleichstufig temperiert gestimmt, der Pedalumfang erweitert, und es gibt für den alltäglichen Gebrauch eine elektrisch betriebene Windanlage. Nur zu besonderen Anlässen zieht ein Kalkant die Seile für die mehrfach gefalteten Kastenbälge.
Beim Festkonzert werden Orchester und Orgel getrennt erklingen, zum einem mit einem originalen Konzert von Antonio Vivaldi, zum anderen mit Transkriptionen Bachs von Vivaldi-Konzerten für Orgel. Nach der Pause interpretieren Orgel und Orchester konzertierende Sätze aus Kantaten Johann Sebastians Bach und Doppelkonzerte für Violine und Orchester von Vivaldi. So werden zum einen die Verbindung beider Komponisten und die Übernahme Vivaldischer Kompositionstechniken durch Bach deutlich, zum anderen entfaltet das Orgel-Instrument im virtuosen Dialog mit dem Barockorchester Wirkung.


