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Villingen-Schwenningen Initiative will vergessenen Opfern einen Namen geben

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VS-Villingen. Die Aktion pro Stolpersteine lädt zur letzten Mahnwache in diesem Winter am Sonntag, 25. Januar, 19 Uhr, auf den Münsterplatz ein. "Von der Euthanasie zum Genozid" lautet das Thema.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist Auschwitz zum Symbol des Genozids im 20. Jahrhundert geworden. Aber Auschwitz war nur das letzte und "perfekteste" Nazi-Mordzentrum. Das mörderische Programm begann mit dem 1933 erlassenen sogenannten Sterilisationsgesetz, dem wenig später 1935 das "Gesetz zum Schutz der Erbgesundheit des deutschen Volkes" folgte. Im Januar 1940 beginnt das eigentliche Morden ganz in der Nähe in Grafeneck. Hilflose Menschen, behinderte Patienten aus Heilanstalten sind die ersten Opfer. Bereits im Jahr 1941 wird das Programm auf Juden, Sinti und Roma ausgedehnt und kostet bis 1945 mindestens sechs Millionen Männern, Frauen und Kindern das Leben.

Heinz Lörcher, Heinrich Schidelko und Friedrich Engelke von der Aktion pro Stolpersteine werden versuchen, die Verbindung zwischen Kranken(morden), Juden(verfolgung und -vernichtung), Sinti und Roma und anderen Verfolgten besonders aus VS herzustellen. Die "Interpretation" hat sich über die Jahrzehnte verändert: Im Dritten Reich führten die Krankenmorde zu öffentlicher Opposition, während die Verfolgung, Deportation und Ermordung der anderen Gruppen, vor allem der Juden, Sinti und Roma, nichts dergleichen hervorrief. Hier war eher Wegsehen, Vergessen, Beschweigen die Devise.

Allen Mordaktionen gleich war die dahinterstehende Ideologie: der Glaube an die menschliche Ungleichheit, die Entschlossenheit nicht nur der Befehlenden, auch der Bürokraten, Wissenschaftler, Ärzte, Pfleger und Mitläufer "zur Reinigung des Erbgutes des deutschen Volkes". Die Mittel dazu: Ausgrenzung, Fremdenhass, Intoleranz, Stigmatisierung, oft gepaart mit eigener Vorteilsnahme, Karrieresucht, Neid und persönlichem Hass.

Seit dem Krieg, nach einer langen Phase bestimmt von der gleichen Devise, verschärft durch die "Schlussstrich-Mentalität", hat sich das öffentliche Interesse mehr und mehr auf die Ermordung der Juden konzentriert, während Behinderte, Sinti und Roma sowie politisch oder religiös Verfolgte bis vor kurzem keine oder nur wenig Aufmerksamkeit erfuhren, besonders in der Region. Sucht man heute in Villingen-Schwenningen nach Erinnerungsspuren, dann wird man enttäuscht. Die Opfer, die schließlich mit dem Tode dafür bezahlt haben, "anders" zu sein – sie scheinen heute so gut wie vergessen. Ihre Name sind heute im öffentlichen Bewusstsein nahezu unbekannt.

Die Mahnwachen im Herbst und Winter 2014/15 haben sich der unterschiedlichsten Opfergruppen aus der Region angenommen; die Aktion pro Stolpersteine will dies im nächsten Herbst fortsetzen. Ihr Ziel wird sein, neben der Freiheit und Gleichheit die Brüderlichkeit, die Empathie und das Einstehen für den Schwächeren, die Freundschaft gegenüber dem Fremden, die Solidarität mit dem Verfolgten aufzuzeigen.

 
 

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Cornelia Spitz

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