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Villingen-Schwenningen Initiative will "Schlussstrichmentalität" entgegenwirken

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Villingen-Schwenningen (bn). "Stolpersteine würden die einst Ausgegrenzten wieder in unser Leben integrieren." Der ehemalige Gymnasiallehrer für Geschichte, Wolfgang Heitner, hatte bei der vom "runden Tisch" initiierten Podiumsdiskussion im Martin-Luther-Haus das letzte Wort. Einig war er sich dabei mit den weiteren Diskutanten im Podium: Lehrerkollege Heinz Lörcher, Buchautorin Annemarie Conradt-Mach und Pfarrer Frank Banse. Und mit den rund 70 Zuhörern.

Vor allem die individualisierte Form des Erinnerns gefällt, auch wenn es, wie Lörcher zu bedenken gab, "eine, aber nicht die einzige Form des Erinnerns" sei. Bernd Schenkel lobte die "große Leistung von Privatgelehrten", die dafür bereits Teile der Geschichte erforscht hätten, die nun in die vom Gemeinderat beschlossene wissenschaftliche Aufarbeitung des 19. und 20. Jahrhunderts, besonders des Dritten Reiches, einfließen könne. "Die Erinnerung an Negatives fällt nie leicht", zeigte Lörcher Verständnis für die Stolpersteingegner, darunter auch die Mehrheit des Gemeinderates, die den Antrag von fünf Geistlichen zur Genehmigung von Stolpersteinen vor kurzem zum zweiten Mal abgelehnt hat.

Die Juden seien indes in VS eine Minderheit unter den Opfern des Unrechtsstaates gewesen. Die Zahl der ermordeten Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter, "Asozialen", Sinti und Roma, politischen Gegner und Widerstandskämpfern war laut Historiker Michael Zimmermann ungleich höher. Allein 400 Euthanasieopfer habe es in Villingen und Schwenningen gegeben.

Moderator Klaus-Peter Karger richtete den Blick auf die damalige Zeit. 72 Juden lebten seit Ende des 19. Jahrhunderts in Villingen und waren trotz gelegentlich auftretenden antisemitischer Äußerungen gut gelitten. Bis zur "Reichskristallnacht". "Alle haben es mitgekriegt", ist Lörcher aufgrund seiner vielen Interviews mit Zeitzeugen überzeugt. Schließlich haben sich auch Vorfahren noch heute in Villingen Lebender damals an den Versteigerungen der beschlagnahmten Vermögenswerte beteiligt.

Lörcher, Heitner und Conradt-Mach zogen zeitgenössische Erlebnisberichte heran, um die Stimmung zu skizzieren, die der NSDAP Macht verlieh. Die Wahrnehmung damals: In Villingen wurde in der Südstadt und im Kurgebiet gebaut, Autobahnen entstanden, Arbeitslose erhielten wieder Jobs, Frauen trauten sich auch nachts auf die Straße. "Eine aufregende und militante Zeit", so Annemarie Conradt-Mach. Allein 17 NS-Kundgebungen wurden 1931 gezählt, 1932 kam Hitler selbst in den württembergischen Süden und wurde bejubelt. Die evangelische Kirchengemeinde habe sich zwar gegen eine Abhängigkeit von der Regierung gestemmt, sei aber nicht in den Widerstand getreten, trug Banse bei. Im Johannes-Pfarrhaus wurde später eine jüdische Opernsängerin versteckt gehalten.

Warum tut man sich mit dem Erinnern so schwer in VS? Wolfgang Heitner vermutet, dass damals an Politik aktiv oder passiv Beteiligte noch heute leben, auf jeden Fall ihre Kinder und Enkel, die kein Interesse daran haben, dass die Geschichte aufgedeckt werde. "Seit den 1950er-Jahren herrscht eine Schlussstrichmentalität." Die Initiative "Pro Stolpersteine", die sich demnächst zu einem Verein zusammenschließt, will dieser Mentalität entgegenwirken.

 
 

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