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Von Uwe Klausner und Martin Scheffel
Villingen-Schwenningen. Unter minus 20 Grad sollen die Temperaturen am Wochenende fallen. Mit der extremen Kälte haben viele Probleme – aber nicht alle.
Mit einem gut gefütterten Schlafsack half die Vesperkirche kürzlich einem Wohnsitzlosen. Der Mann wollte partout nicht drinnen übernachten – auch bei minus 18 Grad nicht. Es gibt Leute, die auch jetzt lieber auf der "Platte" leben oder sich schnell noch irgendwo eine Bleibe in vier Wänden suchen.
Dieser Fall aus Schwenningen hat freilich Seltenheitswert. Zahlreichen Menschen in und um die Doppelstadt macht die Kälte zu schaffen. Schnelle Hilfe ist gefordert, wenn Personen draußen in eine missliche Lage geraten. Das können beispielsweise kranke, demente und Menschen mit Suchtproblemen sein. "Rufen Sie dann sofort die 112 an", rät Bärbel Wagner, Leiterin des sozialen Zentrums am Neckar in Schwenningen mit der Wärmestube. Derzeit sei jedoch nicht die Stube, sondern die Vesperkirche am Paulusplatz erste Anlaufstelle. Einen warmen Platz und ein heißes Essen gibt es dort bis 15. Februar täglich von 11 bis 15 Uhr.
Während dieser extrem niedrigen Temperaturen sollten nachts die Bahnhöfe in Villingen und Schwenningen oder andere öffentliche Gebäude geöffnet sein, fordert Bärbel Wagner, um Menschen vorübergehend eine Bleibe bieten zu können.
Die Polizei verzeichnet noch keine besonderen Einsätze aufgrund der Kälte. Die Stadtwerke vermelden ebenso normale Einsätze aufgrund Frostschäden, geben jedoch wichtige Tipps (siehe Info). Stark nachgefragt ist derzeit die Pannenhotline (0180/ 2 22 22 22) des ADAC, wie aus der Geschäftsstelle in Villingen zu hören ist. Bis zu 100 Anrufe seien gestern eingegangen.
Die Kältewelle hält in VS weiter an, weiß Wetterexperte Wolfgang Eich. Minus 19 Grad notierte er gestern für den Wert am Erdboden, minus 17 zwei Meter drüber, über den Tag seien es minus elf gewesen. Übers Wochenende könnten es sogar noch minus 20 Grad werden. Ein Rekordwert ist dies längst nicht. In den 60er-Jahren wurden in Villingen minus 32 Grad gemessen. Eich hat Ende der 80er-Jahren minus 26 Grad registriert.
Eisläufer dürfen also hoffen: Sobald die Eisschicht am Eisweiher etwa 15 Zentimeter dick ist, wird die Fläche freigegeben. Das Stadtbauamt habe am Donnerstag allerdings gerade zwei Zentimeter gemessen, berichtet Pressesprecher Nicolas Lutterbach, doch die Tendenz sei natürlich steigend. Um etwa 15 Zentimetern zu erreichen, brauche es aber eine längere Frostperiode, "ein paar Tage reichen da nicht aus".
Ulrike Münch, 41, Villingen, hat sich mit der Kälte abgefunden: "Ich ziehe mich ganz nach der Zwiebelmethode warm an. Dabei ist es sehr wichtig, dass die Füße warm gehalten werden. Ansonsten trinke ich viel Tee, esse Obst und sorge für genügen Schlaf."
Ulrich Grieshaber, 61, Villingen, hingegen ist froh, wenn die Temperaturen wieder steigen: "Ich verfolge die Wettervorhersage, da ich die Kälte nicht mehr so gut vertage. Wenn ich in Rente komme, flüchte ich in den Süden."
Monika Glökler, 69, Villingen, lässt das Wetter auf sich zukommen. "Ich bin es von früher gewöhnt. Da war der Januar auch schon der kälteste Monat, und immerhin haben wir einen schönen blauen Himmel." Eser Temizkan, 13, Donaueschingen, hält sich mit heißen Getränken warm und zieht sich gut an, "unter anderem mit Omas Schal".
Die Stadtwerke VS geben einige wichtige Tipps für die kalte Jahreszeit.
u Hausbesitzer und Mieter sollten kontrollieren, ob im Keller alle Fenster geschlossen und gut abgedichtet sind. Gegebenenfalls sollten sie auch die Heizung aufdrehen, damit die Wasserzähler vor Frost geschützt sind.
u Leitungen, die direkt im Bereich von Fenstern verlaufen, sollten außerdem mit geeignetem Material isoliert werden.
u Rohre, die im Winter nicht benötigt werden – etwa für Garten, Garage oder Ställe –, sollten rechtzeitig vor Einbruch der frostigen Witterung vollständig entleert und abgestellt werden.
u Auch in Wohnräumen lauert Frostgefahr, wenn Zimmer nicht ausreichend beheizt werden. Deswegen sollte die Heizung zumindest auf kleiner Stufe ständig laufen.
u Friert ein Rohr doch mal ein, eignen sich heißes Wasser, heiße Tücher, Heizmatten, Haartrockner oder Heizlüfter bei abgestellter Wasserzufuhr zum Auftauen. Von der Benutzung von Infrarotstrahler, Heißluftpistole oder gar offenem Feuer ist hingegen unbedingt abzuraten. Die dadurch drohenden Brandschäden können unter Umständen deutlich schlimmer ausfallen als Frostschäden. Im Zweifelsfall sollte besser eine Fachfirma dazu gerufen werden.
u Da die Wasserzähler in den Haushalten Eigentum der SVS sind, dürfen nur deren Mitarbeiter Frostschäden an den Zählern beseitigen. Allerdings gilt für Zähler wie für Hausleitungen: Der Hausbesitzer ist zuständig für Eisfreiheit, friert doch etwas ein, muss er für die Reparaturkosten aufkommen.