Villingen-Schwenningen Hess-Pleite trifft nun auch LBBW

Sabine Marquard, 20.02.2013 09:30 Uhr

Villingen-Schwenningen/Stuttgart - Die Insolvenz der Hess AG ist ein Rückschlag für die Aktionärskultur in Deutschland. Für die LBBW, die das Unternehmen seinerzeit federführend begleitet hat, ist das "der größte anzunehmende Unfall", sagt Aktionärsschützer Klaus Nieding.

Noch vor Kurzem – im November – hat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bei einer Veranstaltung für Investoren mit dem "erfolgreichen Börsengang der Hess AG" geworben – dem ersten "eines mittelständischen Unternehmens nach über 15 Monaten in Deutschland". Von Euphorie ist heute nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Die LBBW, die das Bankenkonsortium beim Börsengang angeführt hat, sieht sich selbst Vorwürfen ausgesetzt.

"Dass Hess nicht einmal vier Monate nach dem Börsengang Insolvenz anmeldet, wirft kein gutes Licht auf die LBBW, die gerne Unternehmen beim Börsengang begleiten möchte", sagt Anlegeranwalt Bernd Jochem aus der Münchener Kanzlei Rotter Rechtsanwälte. Wenn der Verdacht zutreffen sollte, dass seit Jahren Zahlen gefälscht wurden, "wieso ist das der LBBW nicht aufgefallen?", fragt Anlegeranwalt Walter Späth. Auch die Tatsache, dass kurz vor dem Börsengang der Wirtschaftsprüfer bei Hess ausgewechselt wurde, wirft Fragen auf. "Das riecht", sagt Aktionärsschützer Klaus Nieding. Die LBBW weist Vorwürfe zurück. "Die üblichen Sorgfaltspflichten wurden eingehalten", teilt die Bank auf Anfrage mit. Allerdings prüfe man, "ob und in welchen Fällen wir künftig für IPO-Begleitungen zur Verfügung stehen". IPO steht für Börsengänge.

Die Bank muss sich nun auf Schadenersatzklagen einstellen. Bundesweit prüfen Rechtsanwälte Schadenersatzansprüche von Anlegern gegen Verantwortliche beim Börsengang. Dazu zählen neben den Emissionsbanken LBBW, W.W. Warburg und Kempen auch Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte sowie Vorstand und Aufsichtsrat der Hess AG. Sie haften für mögliche Fehler im Wertpapier-Prospekt, den potenzielle Aktionäre erhalten. "Das ist der Fall, wenn beispielsweise die Situation des Unternehmens und der Jahresabschluss 2011, der Grundlage für den Börsengang war, falsch dargestellt wurden", sagt Jochem. "Die LBBW kann sich hier nicht allein auf den Jahresabschluss und das Testat des Wirtschaftsprüfers verlassen." Die Banken, die ein Unternehmen an die Börse bringen, müssen "eigenständige Prüfungen und Recherchen anstellen und die Finanzen des Unternehmens durchleuchten".

Die Anwälte halten mögliche Klagen für aussichtsreich. "Prospekthaftungsansprüche sind scharfe Schwerter", sagt Nieding. Allerdings müssten Anleger die kurze Verjährungsfrist beachten. "Ab Kennen des Prospektfehlers maximal sechs Monate", sagt der Aktionärsschützer. Die Abberufung des Vorstands am 21. Januar könnte dieser Termin sein, an dem Anleger hellhörig geworden sind, so Nieding.

Als Schadenersatz können Anleger im besten Fall die Rückabwicklung des Aktienkaufs bekommen. Der Großteil der Hess-Aktien ging an institutionelle Anleger (also etwa Fonds), 9,2 Prozent an Privatanleger. Innerhalb der bevorrechtigten Zuteilung gingen 4,2 Prozent der Aktien an Privatkunden der Sparkasse Schwarzwald-Baar und der Ostsächsischen Sparkasse Dresden.

Die Mannheimer Staatsanwaltschaft ermittelt laut ihrem Sprecher Peter Lintz gegen sechs Personen im Fall Hess, darunter die beiden geschassten Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler.

Der bisherige vorläufige Insolvenzverwalter des Leuchtenherstellers Hess, Martin Mucha, ist künftig nur noch Insolvenzverwalter des Tochterunternehmens Hess Lichttechnik. Vorläufiger Insolvenzverwalter der Hess AG wird Muchas Kanzleikollege Volker Grub. Mucha selbst habe die Personalie vorgeschlagen, hieß es gestern. Das zuständige Amtsgericht habe sie bestätigt. Grub ist bekannt als früherer Insolvenzverwalter bei Unternehmen wie Bauknecht, Südmilch und Schiesser. Im Schwarzwald hatte er unter anderem die Modellbaufirma Faller in Gütenbach (Schwarzwald-Baar-Kreis) durch die Insolvenz geführt.

 
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FEB
20
ldl-bilder, 11:22 Uhr

Mit unzulänglicher Sorgfältig wird wiederkehrend

auf diesen Seiten berichtet. ? Offensichtlich wird der Öffentlichkeit ein X für ein U vorgemacht. Vor wenigen Tagen, 16. 01. 2012 konnte man hier noch sinngemäß lesen - 'alles ist in Ordnung' : » mit Kriegskasse geht’s voran « http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.villingen-schwenningen-drama-bei-den-hess-anlegern.cb2f3faf-3774-40a6-98d6-cdd62063844b.html ? Schon am 21. 01. 2013, vor 1 Monat, stand in diversen Wirtschaftsnachrichten und Branchendiensten: ? '' Haben Wirtschaftsprüfer versagt? Merkwürdig ist, dass der Zeitraum, in dem diese Vorgänge (Anmerkung: Verdacht auf Bilanzmanipulationen) passiert sein sollen, im Rahmen der strengen Due-Diligence-Prüfungen für die Börsenzulassung überprüft wurden. Gewöhnlich bleibt bei solchen Prüfungen kein Stein auf dem anderen. Da es sich um gravierende Fehler handeln dürfte, muss man sich schon fragen, was die Wirtschaftsprüfer da gemacht haben. Die am Börsengang beteiligten Banken haben auch nichts bemerkt. Der mit einer zweistelligen Prozentrate am Kapital beteiligte Investor dürfte die Zahlen damals auch geprüft haben. Das wirft natürlich Fragen auf. '' http://www.lichtnews.de/hess-feuert-vorstande-christoph-hess-und-peter-ziegler-abberufen ? Der strategische Investor (zweiter Großaktionär des Hess AG) , Private-Equity-Gesellschaft HPE Pro Institutional Fund P.V - vertreten durch Tim van Delden, ist bereits seit 2011 bei Hess beteiligt und engagiert, nicht erst seit der Börseneinführung im Oktober 2012: er hat die Börseneinführung offensichtlich aktiv begleitet. Hat er beispielsweise auch weggesehen ? ? Der Aktiensturz = Kapitalvernichtung wurde durch den neuen Alleinvorstand der Hess AG, Dr. Till Becker, ausgelöst und beschleunigt. Dies gilt unabhängig davon, ob und in welchem Ausmaß die veröffentlichten Mutmaßungen zutreffen. Eine ganze Armada von hochrangigen und hochbezahlten Anwälten wurde eingeschaltet, was ein weiterer Beitrag zur Geldvernichtung darstellte. ? Dagegen wurde offenbar versäumt, die direkte Aufklärung vom alten Vorstand und deren Prüfer, wie » dhmp GmbH & Co. KG Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, Karlsruhe « und/oder Landesbank BW - ebenso Sparkasse Schwarzwald-Baar, einzufordern. Prüfer und Emissionsbanken haben Antworten zu liefern. Insgesamt peinlich ist augenscheinlich das Wirken der Sparkassengruppe, siehe FAZ, 14. 02. 13: '' Somit ist die Insolvenz von Hess ein mehrfaches Debakel für die Sparkassengruppe. Gerne rühmen sich Sparkassen ihrer Nähe zum Kunden. Die Sparkasse Schwarzwald-Baar muss sich nun ebenso wie die Wirtschaftprüfer fragen, wie ihr entgehen konnte, dass die Bilanzen von Hess offenbar über Jahre geschönt wurden. Und die LBBW, größte deutsche Landesbank, stellt nach dem Debakel mit Hess nun sogar ihr Geschäft mit Börsengängen (IPO) auf den Prüfstand. „Ob und in welchen Fällen wir künftig für IPO-Begleitungen zur Verfügung stehen, werden wir auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse entscheiden“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Ein Sprecher verweigert eine Auskunft zur Höhe der für die Aktienplazierung erhaltenen Provision. Üblich sind für den Konsortialführer 3 bis 5 Prozent des Emissionsvolumens. '' http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/hess-insolvenz-debakel-fuer-sparkassen-und-kunden-12080700.html Inzwischen hat sich auch die Banken- und Finanzaufsicht BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) eingeschaltet: ?'' .... Eine Sprecherin bestätigte der WirtschaftsWoche, dass die Aufsicht derzeit eine Untersuchung wegen möglicher Marktmanipulation in Bezug auf Aktien der Hess AG durchführe. Bei dem Verdacht auf eine fehlerhafte Bilanzierung kann die BaFin anordnen, dass die Rechnungslegung geprüft wird. Untersucht wird der Vorgang dann durch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung. ....'' http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/boersengang-der-hess-ag-finanzaufsicht-bafin-prueft-moegliche-marktmanipulation/7807402.html Wenn Medien, die vor Ort sitzen, das Ohr am Geschehen haben, kaum zur sachdienlichen Information beitragen können oder wollen verfehlen sie ihre öffentliche Aufgabe. ? ““ Der Journalismus hat den rechtlichen Auftrag, eine Kritik- und Kontrollfunktion in der Gesellschaft wahrzunehmen: also Missstände aufzudecken, Gegebenheiten zu hinterfragen und Kritik zu üben. ““ http://blog.zeit.de/schueler/files/2010/09/7.-1-Oeffentliche_Aufgabe_Medien.pdf

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