Villingen-Schwenningen Fußballfans umzingeln Polizeiwagen
Marc Eich, Wolfgang Trenkle und Uwe Klausner, 11.06.2012 08:19 Uhr
Ein Aussteigen der Polizisten aus dem umzingelten Streifenwagen war unmöglich. Symbolbild.Foto: Eich
Villingen-Schwenningen - Während Hunderte Fußballfans in VS friedlich die ersten Spiele der Europameisterschaft verfolgten und Siege ihrer Teams bejubelten, musste die Polizei auf dem Schwenninger Marktplatz und in der Villinger Bertholdstraße eingreifen.
Zu nicht mehr tolerierbaren Ausschreitungen sei es nach dem Spiel Russland gegen Tschechien am Freitag gegen 23.30 Uhr gekommen, zeigt die Polizei die Ausmaße auf. Etwa 200 Fans der russischen Siegermannschaft feierten lautstark auf dem Marktplatz. Plötzlich umzingelten um die 15 deutlich alkoholisierte Männer den Streifenwagen und wollten gewaltsam die Fahrzeugtüren öffnen. Nachdem dies misslang, schüttelten die Fans der Siegermannschaft den Streifenwagen an der Dachreling durch und grölten bedrohlich. Ein Aussteigen der Polizisten aus dem umzingelten Streifenwagen, um die Lage durch ein Gespräch zu beruhigen war den Polizisten unmöglich, da die Fahrzeugtüren durch die Fans mit Gewalt von außen zugedrückt wurden.
Erst durch die Hinzuziehung mehrerer Streifenwagen und mit Unterstützung des Diensthundeführers entfernte sich eine Vielzahl der Fans. Gegen 0.30 Uhr kehrte einigermaßen Ruhe ein. Fazit der Polizei: "Es hatte den Anschein, als wurde der Marktplatz trotz der erkennbaren Polizeipräsenz von den feiernden Fans der Siegermannschaft als rechtsfreier Raum angesehen."
Einen Autokorso aufgelöst hat die Polizei nach dem Spiel Deutschland gegen Portugal in Villingen im Bereich Bertholdstraße/Warenburgstraße. Flaschen seien auf der Straße zertrümmert und ein nicht besetzter Streifenwagen aufgeschaukelt worden. Mehrfach wurde die Kreuzung mit Humba-Täterä-Gesängen auch komplett blockiert. Ein rabiater Autofahrer sorgte während der Feierlichkeiten jedoch für Kopfschütteln. Dieser fuhr nicht auf dem freigehaltenen Fahrsteifen, sondern lenkte sein Fahrzeug mit nicht angepasster Geschwindigkeit mitten durch die Menschenmassen. Dabei wurde mindestens ein Fan angefahren, schlimmere Verletzungen waren nach ersten Erkenntnissen jedoch nicht zu beklagen.
Jubel im VIP-Zelt und auf den Fanmeilen
Während des Spiels fieberten die Fans mit der Jogi-Löw-Elf. Über 600 Leute waren es allein im Soccer-Center an der Schwenninger Steige. Gemeinsam litten die Fans während des Spiels ehe sie beim Tor und vor allem nach dem Schlusspfiff tanzend den Erfolg feierten. Genauso emotional ging es beim Public Viewing des FC 08 Villingen zu. Liebevoll gestaltete der FC 08-Freundeskreis das VIP-Zelt während ein HD-Beamer selbst die zum Teil wenig ansehnliche Partie in einem erstklassigen Bild erschienen ließ.
Leider fehlte etwas der Zuspruch seitens der Fans, die Besucher störte das angesichts eines gemütlichen Fußballabends aber eher weniger. Traditionell gut besucht war die Villinger Färberstraße. Zum Teil Open-Air fieberten Hunderte Schwarz-Rot-Gold-Anhänger hochemotional mit und sorgten für Fanmeilen-Flair. Etwa 200 Fans strömten danach auf die Ampelkreuzung Berthold-/Warenburgstraße, um einen kilometerlangen Autokorso in Empfang zu nehmen. Spätestens dann gab es für die Fans dann kein Halten mehr.
Etwas Besonderes erlebten die Fans im Zelt der Südwest-Messe in Schwenningen: Anbruch 53. Minute, beim Blick auf das Spiel geht ein Raunen durch den Saal, die Lautstärke schwankt, das passiert auch sonst beim Spiel, dennoch klingt es irgendwie anders.
Wer ausnahmsweise nicht auf die Leinwand achtet, dem fällt es nicht gleich auf. Einzelne Buh-Rufe werden lauter und summieren sich, die Lautstärke steigt dramatisch. Vermutlich spielt Deutschland gerade nicht besonders gut, vielleicht ein Fehlpass oder ein ungeahndetes gegnerisches Foul. Dann plötzlich einigen sich die Fans auf ein lautes Abwärtszählen: zehn, neun, acht, und schließlich noch rhythmischer...drei, zwei, eins... Was folgt, ist Dunkelheit.
Der beim Public Viewing absolute Super-Gau ist eingetreten: der Beamer beschloss, die Übertragung abzubrechen. Nur das Tor von Gomez und das fixierte Ergebnis beim Abpfiff schaffte es, die Stimmung der vielen hundert Fans so aufleben zu lassen, wie das spektakuläre Aus des Beamers mit daraufhin immer lauteren Rufen nach Freibier zum Ausgleich. Rund fünf Minuten benötigten die Veranstalter, die Maschine wieder hochzufahren. Glücklicherweise passierten innerhalb dieser Zeit keine allzu wichtigen Spielzüge.


