Villingen-Schwenningen Fast wie im richtigen Theaterleben
Schwarzwälder-Bote, 16.05.2012 19:02 Uhr
Das Sommertheater existiert seit 25 Jahren und feiert sein Jubiläum mit "Der nackte Wahnsinn" im Hof der Weinhandlung Riegger in Villingen. Premiere ist am 15. Juni. Es wirken mit: Anja Niggemeyer, Sascha Gabriel, Ronny Munz, Sandy Spormann, Verena Müller-Möck, Andreas Erdel, Leslie Ade und Claudia Würth (von links). Es fehlt.Bernhard Cherubini. Foto: HeinigFoto: Schwarzwälder-Bote
VS-Villingen (bn). Eine wunderbare Persiflage auf die "Traumwelt" Theater hat das Theater am Turm für das Sommertheater 2012 ausgesucht. "Der nackte Wahnsinn", ein Komödienklassiker aus den 1980er-Jahren, ist bestens geeignet, damit 25 Jahre Sommertheater zu feiern.Im Hof der Weinhandlung Riegger in Vockenhausen hat das Ensemble beste Bedingungen für die 19 Open-Air-Vorführungen gefunden. Premiere ist am 15. Juni, und die Theatergruppe ist schon dabei, sich dafür heftig ins Zeug zu legen.
"Das ist die choreografisch schwierigste und bühnentechnisch aufwendigste Produktion, die wir je gemacht haben", sagt Regisseur Richard Hehn. 4,5 Meter hoch ist die für den Transport zerlegbare Drehbühne, die für den Dreiakter vom Bühnenbauteam um Werner Bornhold und Herrmann Schreiber geschaffen wurde und sich im Rohzustand für die laufenden Probenarbeiten in der angemieteten Hebi-Halle schon bewährt. Sie ist Kulisse – sowohl von vorne als auch von hinten.
Schöner und schlimmer kann Theater nicht sein, als das, was den Sommertheater-Fan in diesem Jahr erwartet. Mimen der ersten Stunde wie Andreas Erdel, Ronny Munz, Bernhard Cherubini und Verena Müller-Mock, aber auch Neulinge wie Sascha Gabriel und Claudia Würth, bekannt von den Bühnen der Katzen- und Glonkibälle, wirken mit. Und sie spielen, wie auch Anja Niggemeyer und der Nachwuchs Sandy Spormann und Leslie Ade – Schauspieler!
Das Ensemble um den Regisseur Lloyd Dallas (Ronald Munz) steht kurz vor der Premiere einer Boulevardkomödie, aber die Inszenierung ist noch längst nicht da, wo sie sein sollte. Jeder Handgriff und jedes Timing müssn perfekt sitzen. Doch die Darsteller verpassen ihre Auftritte, vergessen ihre Texte, Türen klemmen, und Requisiten fehlen. Zwischen allen bricht ein von Eifersucht, Geltungsdrang und Unfähigkeit getriebener Kleinkrieg von epischer Größe aus, der sich für keine Gemeinheit zu niedrig ist.
Der Zuschauer bekommt den ersten Akt des aufgeführten Stückes zu sehen – und das drei Mal aus verschiedenen Perspektiven. Dabei wird die Truppe immer desolater: Galt es zunächst noch, den schönen Schein der Theaterwelt aufrechtzuhalten, wird im letzten Teil – Monate nach der Premiere – mit allen Mitteln gegeneinander gekämpft. Schauspieler versuchen sich gegenseitig auszubooten, Inspizienten kämpfen gegen Assistenten, der Regisseur rauft sich die Haare, und den Überblick haben alle schon längst verloren.
"Der nackte Wahnsinn" ist eine der erfolgreichsten Farcen der 1980er-Jahre. Die raffinierte und turbulente Komödie ist eine augenzwinkernde Liebeserklärung an das Theater, in dem es hinreißend menschelt und die auf höchst vergnügliche Weise zeigt, dass der schöne Schein hinter den Kulissen längst nicht so glanzvoll ist, wie man denken könnte. "Das ist fast wie im wahren Theaterleben – nicht nur bei uns", sagt Richard Hehn augenzwinkernd.


