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Villingen-Schwenningen Fahrt in den Abgrund jährt sich zum 75. Mal

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Von Elisabeth Winkelmann-Klingsporn

VS-Villingen. "Erinnern wollen auch wir uns, damit so etwas nie wieder passiert", sagten die acht Schüler der ökumenischen Projektgruppe, die vor fünf Jahren das Mahnmal auf den Weg brachten, dass am Villinger Bahnhof an die Juden erinnert, die 1940 ins französische Gurs deportiert wurden.

Am 22. Oktober jährt sich diese "Fahrt in den Abgrund" zum 75. Mal. Bei der evangelischen Erwachsenenbildung haben inzwischen verschiedene Veranstalter ihre Angebote koordiniert, die daran erinnern, was den jüdischen Mitbürgern in Baden und insbesondere in Donaueschingen und Villingen angetan wurde.

Die Geschichte: Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 waren die deutschen Juden einem immer größeren Verfolgungsdruck ausgesetzt. Schon seit dem Frühjahr 1939 hatten die Menschen jüdischen Glaubens deutschlandweit kein Miet- und Wohnrecht mehr und wurden in sogenannten "Judenhäusern" untergebracht.

Die erste größere Deportation wurde von den Gau­leitern in Baden und der "Saarpfalz" veranlasst. Am frühen Morgen des 22. Oktober 1945 forderte die Gestapo die völlig überraschten Opfer auf, ihre Sachen zu packen und sich für den Abtransport bereitzuhalten. 5600 Personen aus Baden wurden in neun Sonderzügen nach Frankreich gebracht und im Lager Gurs interniert. In dem Barackenlager ohne sanitäre Anlagen herrschten unsägliche Zustände. Seuchen, Kälte, fehlende Nahrungsmittel und Medikamente forderten bis April 1941 viele Tote. Wer entsprechende Papiere besaß, konnte auswandern, andere konnten fliehen, für viele war Gurs eine Zwischenstation auf dem Weg in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten.

Zwei Generationen nach dem Holocaust werden das Geschehen und Einzelschicksale jetzt vor Ort mit kommunalem und privatem, ehrenamtlichem Engagement aufgearbeitet. Beteiligt sind hier der Verein "Pro Stolpersteine Villingen-Schwenningen", die evangelische Erwachsenenbildung, die Kirchen, die VHS und die Stadtführung Donaueschingen. In Villingen wurden 1940 elf jüdische Einwohner nach Gurs deportiert. Zu ersten Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger war es ­bereits 1933 gekommen.

Von insgesamt 75 registrierten jüdischen Einwohnern konnten vor dem Hintergrund der einsetzenden Entrechtung, Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts gegen Juden 42 Personen emigrieren. Elf jüdische Einwohner wurden am 22. Oktober am Bahnhof Villingen nach Gurs deportiert.

Der Gedenkstein auf dem Villinger Bahnhofsvorplatz erinnert an das Schicksal der Villinger Juden und ist Teil eines ökumenischen Jugendprojektes in Baden. In einer zweiten Ausfertigung steht er mit weit über hundert anderen Gedenksteinen aus badischen Deportationsorten in Neckarzimmern auf der Gedenkstätte für die deportierten Jüdinnen und Juden Badens.

Eine Mahnwache am 25. Oktober, 19 Uhr, am Gedenkstein lässt mit der Erinnerung an die drei deportierten Familien Haberer, Schwab und Schwarz und Faberer und Hirsch das Schicksal Villinger Juden aufleben.

In Donaueschingen steht die Verfolgung und Vertreibung der hier ansässigen jüdischen Familien seit einigen Jahren auf dem Stadtführungsprogramm. Auch aus Donaueschingen wurden Angehörige jüdischer Familien, die nicht mehr rechtzeitig auswandern konnten, nach Gurs deportiert. Die Stadtführung unter dem Thema "Jüdisches Leben in Donaueschingen" informiert über das Schicksal von Henriette Lindner und Dagobert Guggenheim.

Ein Zeitzeuge, der aus Kippenheim stammende Kurt Maier, berichtet am 23. Oktober in Donaueschingen über seine Deportation nach Gurs. Am 22. Oktober 1940 wurde er als 10-Jähriger mit seiner Familie nach Gurs gebracht. Seine Familie konnte in die USA auswandern. Dort lebt Maier noch heute und engagiert sich in der Erinnerungsarbeit.

Die Deportation und das Lager in Gurs beschreibt Joachim Klose vom "Verein jüdischer Geschichte Gailingen" in einer Veranstaltung am 29. Oktober. Die jüdischen Mitmenschen in Donaueschingen waren der jüdischen Gemeinde Gailingen angeschlossen, dort befand sich ihre Synagoge und ihr Friedhof.

Weitere Projekte sind in der Überlegung oder Planung, beispielsweise ein Konfirmandenprojekt der Kirchengemeinde Villingen zur Deportation der Villinger Juden nach Gurs. Nachgedacht wird über einen Film zum Thema, eine deutlichere, neue Beschilderung des Gedenksteins am Villinger Bahnhof und über eine Veranschaulichung der Geschehnisse in Villingen durch eine Theatergruppe.

Das Mahnmal zur Deportation der Juden Badens entstand im Jahr 2010 als ökumenische Projektarbeit von acht Villinger Schülern mit Pastroalreferent Tobias Aldinger. In einer Dokumentation wird die Motivation, die Geschichte der Deportation der badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs und Leben und Schicksal der Deportierten Villingens ausführlich beschrieben.

Weitere Informationen: Evangelische Erwachsenenbildung Villingen, Telefon 07721/84 51 27 , www.erwachsenenbildung-villingen.de

 
 

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