Villingen-Schwenningen Fäuste fliegen in Arbeitsagentur

Eva-Maria Huber, 21.08.2012 05:00 Uhr

Schwarzwald-Baar-Kreis - Es sind zwar Einzelfälle. Doch ein mulmiges Gefühl bleibt. Immer wieder werden Mitarbeiter des Jobcenters bedroht oder angeschrien, wenn sich Frust und Unverständnis in der Behörde ihren Weg bahnen.

Klaus Helm, Pressesprecher der Agentur für Arbeit, hat wie die anderen rund 60 Mitarbeiter im Jobcenter bereits belastende Erfahrungen gemacht. "Ich komme ins Haus und räume den Laden auf", erinnert er sich an die Ansage eines "Kunden", die eine strikte Ausweiskontrolle im Gebäude und den Kontakt mit der Polizeibehörde zur Folge hatte. Was immer wieder für Gesprächsstoff sorgt, bestätigt auch Thomas Dautel, Geschäftsführer im Jobcenter: Manche Mitarbeiter werden bedroht, teils massiv bedroht. "Nächstes Mal komme ich mit einer Waffe" oder "werfe eine Bombe" ist da zu hören. Drohungen wie "nächstes Mal komme ich mit einer Waffe" werden oft dann geäußert, so Dautel, "wenn die Leute nicht verstehen wollen, dass ihre Kumpel Leistungen erhalten, sie aber nicht".

Aggressionen kochen auch dann bei einigen Kunden hoch, deren Leistungen gekürzt werden und "die darauf mit Unverständnis reagieren", berichtet Dautel aus dem Alltag. Etwa sechs Prozent aller Hartz-IV-Bezieher erhalten Sanktionen, weil sie entweder unentschuldigt Terminen fernbleiben oder zu Vorstellungsterminen in Betrieben oder Büros erst gar nicht erscheinen. "Dann werden Leistungen gekürzt." Ärger und Zorn suchen sich aber auch dann ein Ventil, wenn Antragssteller auf Bearbeitungsfehler der Jobcenter-Mitarbeiter stoßen. "Das kann passieren und nicht alle Kunden haben Verständnis, selbst wenn sich unsere Mitarbeiter entschuldigen."

7.000 Überstunden

Vor etwa einem Jahr haben die Jobcenter bundesweit ihre Arbeit aufgenommen. Seither gibt es alle Leistungen von einer Behörde und nicht, wie bisher, von Agentur für Arbeit und Landratsamt. Diese Umstrukturierung, so Dautel, führte teils zu etwas höheren Bearbeitungszeiten. Allein im abgelaufen ersten Jahr leisteten die 60 Mitarbeiter 7000 Überstunden. Wie in allen anderen öffentlichen Gebäuden, gibt es auch im Center und der gesamten Agentur ein Sicherheitskonzept: Im Notfall wäre auch gleich die Polizei alarmiert. Zudem hat jeder Mitarbeiter einen Notfallknopf, falls Kunden aggressiv werden, mit den Fäusten auf den Tisch schlagen oder, wie kürzlich, im Gang randalieren und durch Polizisten zur Raison gebracht werden können.

Neben Notfallkonzepten- und Tasten setzt Dautel aber auch auf anderes: Wer im Center arbeitet, wird in Deeskalationsstrategien geschult. Was dies in der Praxis bedeutet, erläutert Teamleiterin Gudrun Fuhr: "Wir lernen, auch in kritischen Situationen Verständnis für Emotionen zu zeigen, Ruhe zu bewahren, aber sich für den Notfall auch einen Fluchtweg zu sichern". Bei schwierigen Gesprächspartnern oder Leuten, die bereits auffällig wurden, komme zur Sicherheit ein zweiter Kollege oder ein Vorgesetzter mit ins Zimmer.

 
 
Kommentare (14)
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OKT
22
Andy E., 09:21 Uhr

Lügen von Dautel

Bin selber durch den Jobcenter Villingen Betroffen. Dautel LÜGT ohne Ende. Wenn mann in Villingen nicht mehr als Mensch Beachtet wird und dann noch gezwungen wird ein Psychologischen Test zu machen der für den Betroffenen Gut ausgeht hört mann keine Worte. Habe 4 Prozesse gegen den Jobcenter gewonnen und der Dautel läßt die Leute wo Arbeiten wollen alle Hängen. Jeder 2 Antrag wird SOFORT Abgelehnt oder VERWEIGERT die Zusage. Dann bekommt mann eine Haag vorgestzt die einen Auslacht oder Beleidigt wie Sie sind zu Blöd um zu Arbeiten. Aber der Jobcenter Billigt, das mann Praktikums macht wo erst Versprochen wird mann bekommt die Auslagen Ersatzt und dann geht der jenige LEER AUS: Tioll Dautel. Alles nur Lügen von Ihnen

AUG
22
ThomasD, 21:47 Uhr

Das ist die Antwort

auf die fragwürdigen Methoden der Arbeitsagentur. Kein Mensch muß sich den Umgang der Arbeitsagentur gegenüber Kunden gefallen lassen. Jedem betroffenen Arbeitslosen wünsche ich die Kraft und das Durchhaltevermögen um sich zu wehren!

AUG
22
Unschuldiger, 21:39 Uhr

Noch Einzelfälle....

...aber wenn es auf diesem Amt so weiter geht, wird das kein Einzelfall bleiben. Man muß sich einmal in die Lage der Arbeitslosen versetzen (das man aber nur als Betroffener wirklich kann) und überlegn, wie mit den Arbeitslosen umgegangen wird. Arbeitslose werden massiv unter Druck gesetzt, einen Job anzunehmen, bei dem ein sittenwidriger niedriger Lohn gezahlt wird, anzunehmen oder man wird in sinnlose Maßnahmen gesteckt, die absolut den Arbeitslosen nix bringen (z.B. 1 Euro Jobs) oder man wird an die Zeitarbeit verkauft usw. Wenn man sich dagegen wehrt, muß man zum Rapport auf dem Amt antanzen und sich rechtfertigen. Jede Erklärung ist jedoch sinnlos, weil sie sowieso nicht beachtet wird. Statt dessen wird man vom 'Arbeitsvermittler' würst beschimpft, es wird sogar eine Sanktion von 100% für die ganze Familie angedroht (was aber nicht geht). Es können somit Existenzängste entstehen, die sich dann auch mal so entladen, wie im o.g. Artikel schon erwähnt.

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