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VS-Villingen - Bei einem Zunftball kommt es nicht vordringlich darauf an, ob das Publikum an Tischen sitzt oder in Stuhlreihen. Es kommt auf ein pfiffiges Programm an. Und das zeigten Macher und rund 100 Akteure der Narrozunft Villingen in der Neuen Tonhalle eindrucksvoll.
Freilich: Diskussionsstoff bot die Sitzordnung allemal. "Es ist wie im Theater", strichen Gäste die Vorteile heraus. Denn so habe man sich vollständig auf das Programm konzentrieren können. An Tischen wäre bessere Stimmung aufgekommen, meinten andere befragte Besucher.
Unter dem Strich hat die Sitzordnung gut funktioniert. Unruhe kam nicht auf, auch wenn sich Gäste zwischendurch Getränke an der Bar holten. Dort drängte sich das Publikum in der Pause, während in der oberen Etage der Halle noch viele der rund 70 Plätze an den Esstischen leer blieben. Ehrenzunftmeister Klaus Hässler sagte nach der Vorstellung im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten, jetzt habe die Zunft ein Jahr Zeit darüber nachzudenken, wie der Ball 2013 über die Bühne gehen wird.
Da Zunftmeister Joachim Wöhrle und sein Vize Hans-Jörg Voggenreiter wegen Krankheit und familiären Gründen nicht anwesend sein konnten, hießen Hässler und Ehrenzunftmeister Karl-Heinz Fischer das Publikum willkommen, unter ihnen der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel, Landrat Karl Heim, OB Rupert Kubon, Stadträte, Dekan Josef Fischer und Altdekan Kurt Müller. Die Gäste erlebten zunächst die Ehrung von Klaus Hässler, der zehn Jahre Zunftmeister war. Seine Projekte seien die Jaagsche Puppensammlung und der Brunnen im Spitalgarten gewesen, sagte OB Kubon bei der Überreichung des Narrenbechers.
Und danach konnte das Programm mit dem Einzug der großen Narrenschar losgehen. Frei nach dem Spruch "älles fangt mit X a" lautete das Motto "Xundheit, Xaver, Xentralbereich" und spielte im neuen "Xentralklinikum": im Gipsraum, Krankenzimmer, Kreißsaal, in der Psychologie und im OP. Dreh- und Angelpunkt war die Notaufnahme mit dem Neuling, dem "Bufdi", der erstmal nicht wusste, wohin er die Sacher-Torte bringen sollte. "Zu 007 Berluskuboni?"
Durch Riesenbeifall und mit Zugabe-Rufen aus dem Publikum belohnt wurden Kinder-, Jugend- und Zunftballett für ihre unterhaltsamen und fetzigen Nummern. Steffi Moser wurde lobend erwähnt, die 18 Jahre Trainerin des Jugendballetts war. Zurück im "Xlinikum". Pfleger Mustafa kümmerte sich um zwei kranke Feuerwehrmänner, die Zeit zum Tratschen hatten. Kubon und Ernst Reiser seien sich durch das neue Gewerbegebiet bei Nordstetten wohl näher gerückt. "Verkauft der Bauer ein paar Äcker, muss er nicht mehr auf den Trecker", frotzelten sie.
Kurios ging es im Kreißsaal bei Traudel und Trudi zu, die rangelten ob das Kleine in Villingen oder Schwenningen auf die Welt kommen soll. Schließlich entschied sich die Hochschwangere für einen Villingen-Schwenninger, denn der Grenzverlauf ging mitten durch die Entbindungsstation und sonst existiere VS eh nur auf dem Papier.
Aufgepasst! Es folgte höchste Viren-Alarmstufe. Parasitus Neckarsus kam aus Bad Dürrheim. Da habe ein Villinger Schemenschnitzer seinen Hochaltar eingerichtet, ließ er wissen. Zur Therapie musste sich die Katzenmusik einfinden, denn die ganze Welt habe sich gegen sie verschworen. Der Hess wollte sein Fest haben, der Klingele seinen Brunnen und der Schaaf seinen Ball. Der Moser ließ sich gar nicht beruhigen und wurde kurzerhand geknebelt.
Passende Frisur, blendend weißer Kittel – der Chefarzt war der Star, doch der neue Oberarzt Bächle entpuppte sich als Metzer, der die Kantine beliefern sollte. Für ordentlich Stimmung sorgten die vier Jungschwestern, bevor im OP 76 ein Schwenninger durch die Mangel genommen wurde.
Mit einem großen Finale und tosendem Beifall des Publikums endete um 23.40 Uhr das rund dreistündige Programm. Und dann ging‘s auf die Tanzfläche, zum Essen oder ganz lässig an die Bar.