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Villingen-Schwenningen Eine ungeahnte Freiheit

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Foto: Huber Foto: Schwarzwälder-Bote

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Für die meisten Doppelstädter ist es Alltag, doch für Rawda alles andere als selbstverständlich: Mittlerweile steigt sie wieder in ein kleines Boot, geht täglich in die Schule, kann mit dem Wort Urlaub etwas anfangen, wundert sich aber weiterhin über ihre Freiheiten als 18-Jährige.

Villingen-Schwenningen. "In ihrer Heimat wäre sie vermutlich schon längst verheiratet", sinniert Hans Engelhard. Mit seiner Lebensgefährtin Katharina Klippstein und der 14-jährigen Tochter Maya lebt die junge Frau seit Ostern 2016 bei der Familie in Villingen. Damit ist sie eine von insgesamt drei jungen Menschen, die in der Doppelstadt bei Pflegefamilien untergebracht sind. Ihr Leben, so berichten ihre Pflegeeltern, gleiche nach wie vor einem Spagat zwischen den so gegensätzlichen Kulturen, "obwohl sich Rawda sehr gut eingelebt hat". Während viele ihrer Altersgenossinnen in ihrer alten Heimat mit spätestens 18 Jahren verheiratet sind und recht schnell fünf bis zehn Kinder auf die Welt bringen, feiert sie ihren 18. Geburtstag in der Villinger Färberstraße mit Pflegeeltern und Freunden.

Richtig Bock auf Schule

Vor allem viele Jugendliche, die nicht unbedingt "Bock" auf Schule haben, wären verblüfft über die Antwort der jungen Frau auf die Frage, was ihr am wichtigsten im Leben sei: Neben der Familie "ganz klar die Schule", meint sie. "Da hängt sie sich voll und ganz hinein", erzählen Klipp­stein und Engelhard. Immerhin, erklärt sie, möchte sie mal einen guten Beruf haben. Nach diversen Praktika in Altenheimen drängt es sie in die Pflege: "Das würde ich später sehr gerne machen."

Die Schilderungen der Pflegefamilie aus dem Vorjahr sind noch gut in Erinnerung: Mit 13 Jahren floh Rawda vor dem Militärdienst in Eritrea, mit 14 saß sie in einem lybischen Gefängnis, mit 15 überlebte sie ein Bootsunglück auf dem Mittelmeer mit 300 Toten. War sie vor gut einem Jahr beim ersten Besuch des Scharzwälder Boten noch etwas scheu, strahlt sie heute die Besucherin an und erzählt über ihr junges Leben in der neuen Heimat. "Ja, es gefällt ihr hier sehr, ich bin dankbar, hier zu sein". Sie habe einige Kontakte geknüpft, vor allem zu Eritreern, die in VS leben. Und dann ist da ja auch der überaus gute Beziehung zu der 14-jährigen Maya, der Tochter der Pflegeeltern.

Wie sieht die Bilanz nach gut einem Jahr aus ? "Das Verhältnis ist stimmig", so Hans Engelhard. "Nicht nur ich habe sie so richtig ins Herz geschlossen." Für Klippstein sind die Sprachfortschritte erstaunlich: "Ich verstehe mittlerweile alles, was sie sagt." Und auch ihre Devise von damals scheint sich zu bewahrheiten: "Schlechten Erfahrungen muss man gute entgegen setzen", lautet das Credo von Engelhard, der als Religionslehrer in der Hotelfachschule arbeitet und nebenbei noch eine Praxis für Beziehungsfragen hat. Seine Lebenspartnerin Katharina Klippstein ist Physiotherapeutin.

Horrorbilder bleiben

Ein Schlüsselerlebnis hat Engelhard in den Ferien nahe der Ardèche in Südfrankreich, als er Rawda in einem kleinen Boot mit anderen entdeckt – nach den Horrorerlebnissen auf dem Mittelmeer. "Ja, es war schwierig, wieder in ein Boot zu steigen", sagt Rawda leise, "doch ich habe es geschafft." Noch immer ziehe es die Pflegetochter hinunter, wenn wieder Menschen bei der Überfahrt von Nordafrika nach Italien im Mittelmeer ertrinken.

Drei Jahre ist Rawda nun in Deutschland und das Leben in der Südstadt läuft immer runder in der Familie. "Sie hat ein solch großes Herz", schwärmt Klippstein von ihrer Pflegetochter. "Man kann von ihr sehr viel lernen, nicht zuletzt auch die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden". Diese Reife hänge wohl mit all den dunklen und schmerzlichen Kapiteln ihres jungen Lebens zusammen. Ein Kapitel wird sie wohl so schnell nicht schließen können. Nach wie vor schmerzt das Heimweh, nach wie vor gibt es nur spärlichen Kontakt nach Eritrea und Tschibuti und damit zu Mutter und Geschwistern. Ablenkung bieten Musik und Gespräche in der Familie. "Integration braucht ohnehin Zeit, sehr viel Zeit" analysiert Engelhard. "Da reicht ein Leben gar nicht aus, um das hinzubekommen."

 
 

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