Von Martina Zieglwalner VS-Villingen. "Ich schaue gerne zurück auf das, was war. Da gibt es Gelungenes und weniger Gelungenes, aber auch manches Unvollendete": Zwölf Jahre war Christian Schmitt Münsterkantor in Villingen, zugleich Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg für das Dekanat Schwarzwald-Baar. Zum 1. Januar wechselt er in die Bischofsstadt Rottenburg. Schmitt tritt die Stelle des Domkapellmeisters und Leiters der Domsingschule an Die Zeit im Schwarzwald will er nicht missen. Als er sich beworben und in der Stadt umgeschaut habe, sei die Stelle seine erste Wahl gewesen. So kam der 1970 in Würzburg geborene Kirchenmusiker nach Studium und ersten Berufsjahren in Ettlingen nach Villingen. Da fand er Bestehendes vor, das er pflegte und ausbaute, ob die Reihe der Münsterkonzerte oder die Arbeit mit den vier Chören der Münstergemeinde und dem Projektchor. Die Möglichkeit, mit Chören die großen Oratorien aufzuführen, bekomme nicht mehr jeder Kirchenmusiker, betont Schmitt. Als wunderbare Erfahrung schildert er seine Arbeit mit Menschen jeden Alters. Andererseits rief er Projekte ins Leben, so die "Orgelmusik zur Marktzeit". Zunächst nur für die Einweihung der rekonstruierten Silbermann-Orgel gedacht, hat sich die Reihe längst zum Selbstläufer entwickelt.

Überhaupt die Silbermann-Orgel: Die Rekonstruktion zu begleiten, sieht er als einen Höhepunkt seiner Tätigkeit. Und das Instrument an sich sei natürlich ein Traum. "Leider bleibt kaum Zeit, darauf zu spielen", bedauert Schmitt. Nur nachts gehe er ab und zu in die Benediktinerkirche, um sich an die Orgel zu setzen. Denn das Arbeitspensum sei immens, zumal die Kirche die Assistentenstelle gestrichen habe. Seither gehe alles über seinen Schreibtisch, eine 70-Stunden-Woche komme schnell zusammen.

Doch Münsterkantor in Villingen zu sein, sei eine Traumstelle, zieht Schmitt Bilanz. Der ehemalige Dekan Kurt Müller habe immer um die Bedeutung der Kirchenmusik für das kulturelle Leben gewusst und seine schützende Hand darüber gehalten. Ob das Münster und die Benediktinerkirche oder die Räume der Kirchengemeinde, die Ausstattung sei ideal. Und das Haus am Münsterplatz ein Geschenk, das zunächst ihm und seiner Frau und inzwischen auch drei Kindern ein Zuhause bot, das Familie und Beruf unter einem Dach vereinte.

Eine Familie, die von der Kirchenmusik geprägt ist. "Bei uns läuft vieles anders ab", erzählt Schmitt. An Hochfesten der Kirche wie Ostern, Pfingsten und Fronleichnam ist der Vater eingespannt. "Und ein Weihnachtsfest wie in anderen Familien kennen unsere Kinder nicht." Etwas Ruhe kehrt in diesem Jahr ein. Am ersten Feiertag ist Schmitt zum letzten Mal mit seinen Chören im Einsatz.

Die Chorarbeit steht denn auch im Mittelpunkt der Stelle in Rottenburg, die gleichzeitig mehr Freiraum für die Familie eröffne. Schmitt arbeitet in einem Team mit drei Musikern, die sich die Aufgaben teilen. Und für die Organisation steht ein Verwaltungsleiter zur Verfügung. So freut er sich auf den Neuanfang in einer der kleinsten Städte mit einem Dom, in der er eine der größten Domsingschulen mit 450 Sängern leitet.

Bis zum Sommer wohnt die Familie noch am Münsterplatz. Schmitt beobachtet dann gespannt, wie sich die Kirchenmusik in Villingen entwickelt. Dass sich bald ein Nachfolger findet, ist er er sich angesichts der Attraktivität der Kantorstelle sicher. "Es war eine schöne Zeit", fasst er seine Eindrücke seit 2001 zusammen. In den Blick zurück mischt sich etwas Wehmut: Immer sei es sein Wunsch gewesen, die Chöre über Pfarreigrenzen hinweg zusammenzuführen und eine katholische Singschule für die gesamte Stadt zu bilden. Ein Ziel, das er nicht erreichen konnte. Aber eine Vision, die angesichts der Entwicklung der katholischen Kirche für ihn erstrebenswert bleibt.