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Villingen-Schwenningen Eine Geschichtsstunde mit beißender Ironie

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VS-Villingen. Eine Geschichtsstunde war es, die die Schauspielbühnen Stuttgart unter der Regie von Manfred Langner im Villinger Theater am Ring bei der Veranstaltung "Martin Luther & Thomas Münzer" darboten – europäische Politik von 1514 bis 1525. Wer soll Maximilian auf dem deutschen Kaiserthron nachfolgen? Sein Enkel Karl, König Franz von Frankreich oder Friedrich von Sachsen? Das Geld entscheidet, und damit Jakob Fugger, der kühl kalkuliert, welcher Kandidat ihm den höchsten Gewinn bringen wird. Teil dieses Machtkalküls ist selbstverständlich auch der Papst. Und wie werden sich die von Luther entfachten theologischen Probleme politisch auswirken? Der Autor Dieter Forte (geboren 1935) lässt eine Fülle von Personen diese Fragen kurz anreißen – allzu kurz und stets unter dem Gesichtspunkt, dass alle Geld brauchen, manchmal mit kabarettistischem Witz. Diese Einsicht ist nicht so neu, dass elf Schauspieler sich 80 Minuten lang in vielen nur locker verbundenen Szenen ausbreiten müssten. Mit böser Ironie wird dargestellt, wie zynisch die Kurie mit Fugger um Ablass verhandelt und wie Kaiser Karl Krieg führen will und Geld braucht.

Aber nach der Pause konzentriert sich das Stück auf die Frage: Ist Luthers Lehre richtig, die dem Menschen religiöse Befriedigung verspricht und gleichzeitig Unterordnung unter die Obrigkeit der Fürsten verlangt? Macht sich Luther damit nicht unbeabsichtigt zum blinden Werkzeug der Landesherren, denen es nur darum geht, sich am säkularisiertem Kircheneigentum zu bereichern? Sind nicht die Gedanken Thomas Münzers, der sich mit dem Reformator Karlstadt, den Bauern und den arbeitenden Menschen solidarisiert, eine viel überzeugendere Verbindung von Religion und Demokratie? Luther spielte in dem Konflikt eine höchst problematische Rolle.

Das Stück kontrastiert mit beißender Ironie die Anbetung des allmächtigen Kapitals durch Jakob Fugger mit dem lutherischen Choral "Eine feste Burg ist unser Gott". Thomas Münzer wurde hingerichtet; das Kapital genießt seine Weltherrschaft.

Das 1970 uraufgeführte Stück erntete in vielen Ländern große Erfolge. Viele der elf Schauspieler traten in mehreren Rollen auf. Da die Kostüme der Geistlichen einerseits und der Fürsten andererseits sich untereinander ähnelten, war es schwierig, dem Gang der Handlung zu folgen, vor allem, wenn mitunter schnell und undeutlich gesprochen wurde. Die eingeblendeten Angaben zu Orten und Zeiten der Szenen blieben kurz und schwer lesbar. Angesichts der Überfülle von Gestalten war es schwierig, die Entwicklung einzelner Individuen zu spielen.

Christian Meyer gab einen souveränen Jakob Fugger, Thomas Henninger einen eher naiven und getriebenen Luther, Marcus Born einen jovialen und geldgierigen Friedrich III von Sachen.

Die Probleme zwischen Mächten, Religionen und finanziellen Interessen sind auch heute noch nicht wesentlich anders als vor fünfhundert Jahren. So war das Stück durchaus aktuell und erntete verdienten Applaus.

 
 

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Cornelia Spitz

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